Nachhilfe in Deutschland Ausgaben, Problemfächer & Erfolgsquoten in Zahlen 2026

Nachhilfe in Deutschland: Ausgaben, Problemfächer & Erfolgsquoten in Zahlen 2026

Nachhilfe gehört für viele Familien in Deutschland inzwischen zum Schulalltag. Besonders in Mathematik, Englisch und Deutsch suchen Schülerinnen und Schüler zusätzliche Unterstützung. Gleichzeitig ist Nachhilfe längst nicht ausschließlich ein Mittel gegen schlechte Noten: Auch leistungsstarke Kinder nutzen zusätzliche Lernangebote, etwa zur Prüfungsvorbereitung oder um den Übergang auf eine weiterführende Schule abzusichern.

Doch wie groß ist der Nachhilfemarkt tatsächlich? Wie viel Geld geben Eltern aus? Welche Fächer verursachen den größten Förderbedarf? Und verbessert Nachhilfe wirklich die Schulnoten?

Für 2026 ergibt sich ein interessantes Bild: Aktuelle Preisbeobachtungen zeigen einen Median von rund 20 Euro pro Nachhilfestunde, während wissenschaftliche Untersuchungen die Wirksamkeit differenzierter bewerten. Eine aktuelle randomisierte Studie mit 839 Schülerinnen und Schülern in Deutschland fand beispielsweise positive Effekte eines Online-Nachhilfeprogramms insbesondere bei Jugendlichen, die zuvor noch keine andere Nachhilfe erhalten hatten. (Nachhilfeunterricht)

Inhaltsverzeichnis

Nachhilfe 2026: Die wichtigsten Zahlen im Überblick

Kennzahl Wert
Medianpreis Nachhilfe 2026 20 € pro Stunde
Ausgewertete Angebotspreise 35.278
Untersuchte Großstädte 20
Untersuchte Fächer 30
Beispielkosten bei 2 Std./Woche, 38 Wochen ca. 1.520 € pro Jahr
Häufigstes Nachhilfefach Mathematik
Weitere häufige Fächer Englisch/Fremdsprachen, Deutsch
Schüler mit Nachhilfe in älterer repräsentativer Studie 14 %
Private Ausgaben in der Bertelsmann-Studie 879 Mio. € jährlich

Wichtig: Die 879 Millionen Euro stammen aus einer repräsentativen Bertelsmann-Erhebung aus dem Jahr 2015 und sind deshalb keine aktuelle Ausgabenstatistik für 2026. Die aktuellen Preisangaben stammen dagegen aus einer 2026 veröffentlichten Preisbeobachtung mit mehr als 35.000 Angebotspreisen. (Bertelsmann Stiftung)


Was kostet Nachhilfe in Deutschland 2026?

Eine aktuelle Preisbeobachtung für 2026 kommt auf einen bundesweiten Median von 20 Euro pro Stunde. Dafür wurden 35.278 Angebotspreise aus 20 deutschen Großstädten und 30 Fächern ausgewertet. (Nachhilfeunterricht)

Der Median bedeutet: Die Hälfte der beobachteten Angebotspreise lag darunter, die andere Hälfte darüber.

Damit ist Nachhilfe 2026 keineswegs einheitlich teuer.

Die Preise reichen – abhängig von Fach, Stadt, Qualifikation und Unterrichtsform – beispielsweise von etwa 15 bis 30 Euro pro Stunde und darüber hinaus.

Beispielrechnung: Was kostet ein Schuljahr Nachhilfe?

Wer zweimal pro Woche Nachhilfe nimmt und mit 38 Unterrichtswochen kalkuliert, kommt bei einem Preis von 20 Euro auf:

2 Stunden × 20 Euro × 38 Wochen = 1.520 Euro

Das entspricht durchschnittlich:

  • 126,67 Euro pro Monat über zwölf Monate gerechnet
  • 40 Euro pro Woche während der Unterrichtswochen
  • 1.520 Euro pro Schuljahr

Bei drei Stunden pro Woche wären es bereits:

3 × 20 Euro × 38 = 2.280 Euro pro Jahr

Bei einem Einzelunterricht für 30 Euro pro Stunde würden zwei Wochenstunden dagegen etwa 2.280 Euro jährlich kosten.

Nachhilfe kann damit für Familien zu einem erheblichen Bildungskostenfaktor werden.


Nachhilfe ist regional unterschiedlich teuer

Die Preisbeobachtung für 2026 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den untersuchten Großstädten.

Stadt Median pro Stunde
Bonn 24,50 €
Köln 24,00 €
München 22,00 €
Hamburg 21,50 €
Stuttgart 20,00 €
Berlin 20,00 €
Frankfurt am Main 20,00 €
Düsseldorf 20,00 €
Nürnberg 18,50 €
Münster 18,00 €
Leipzig 18,00 €
Essen 17,00 €
Bremen 17,00 €
Dortmund 16,00 €
Bielefeld 15,00 €

Zwischen Bonn mit 24,50 Euro und Bielefeld mit 15 Euro beträgt der Unterschied damit rund 63 Prozent. (Nachhilfeunterricht)

Das zeigt: Nicht nur das Fach, sondern auch der Wohnort kann die Bildungsausgaben beeinflussen.


Mathematik ist das Problemfach Nummer 1

Wenn deutsche Schülerinnen und Schüler Nachhilfe benötigen, geht es besonders häufig um Mathematik.

In der großen Bertelsmann-Untersuchung von 2016 entfielen:

  • 61 % der Nachhilfefälle auf Mathematik,
  • 46 % auf Fremdsprachen,
  • 31 % auf Deutsch.

Mehrfachnennungen waren möglich, weshalb die Werte zusammen mehr als 100 Prozent ergeben können. (Bertelsmann Stiftung)

Mathematik liegt damit deutlich vor den anderen Fächern.

Das ist plausibel, weil sich Wissenslücken in Mathematik häufig unmittelbar auf nachfolgende Themen auswirken. Wer beispielsweise Schwierigkeiten mit Bruchrechnung oder algebraischen Grundlagen hat, kann später auch bei Gleichungen, Funktionen oder Stochastik Probleme bekommen.


Englisch und andere Fremdsprachen folgen auf Platz zwei

Nach Mathematik gehören Fremdsprachen zu den wichtigsten Nachhilfefächern.

In der Bertelsmann-Erhebung benötigten 46 Prozent der Nachhilfeschüler Unterstützung in Fremdsprachen. (Bertelsmann Stiftung)

Dazu zählen insbesondere:

  • Englisch
  • Französisch
  • Latein
  • weitere schulische Fremdsprachen

Gerade in Fremdsprachen können unterschiedliche Ursachen zusammenkommen:

  • fehlender Wortschatz,
  • Probleme mit Grammatik,
  • Schwierigkeiten beim Textverständnis,
  • Aussprache,
  • mangelnde Übung,
  • Prüfungsangst.

Deutsch steht ebenfalls weit oben

Auch Deutsch gehört zu den häufigsten Nachhilfefächern.

In der Bertelsmann-Studie gaben 31 Prozent der Nachhilfeschüler an, Nachhilfe in Deutsch zu erhalten. (Bertelsmann Stiftung)

Typische Bereiche sind:

  • Rechtschreibung,
  • Grammatik,
  • Aufsatz schreiben,
  • Textanalyse,
  • Literatur,
  • Leseverständnis.

Besonders bei Übergängen zwischen Schulformen kann zusätzliche Unterstützung eine Rolle spielen.


Wer bekommt eigentlich Nachhilfe?

Eine häufige Vorstellung lautet: Nachhilfe sei hauptsächlich für schlechte Schülerinnen und Schüler.

Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild.

In der Bertelsmann-Erhebung erhielten insgesamt rund 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler zwischen sechs und 16 Jahren Nachhilfe – entweder privat finanziert oder kostenfrei. (Bertelsmann Stiftung)

Dabei war Nachhilfe nicht ausschließlich auf schwache Leistungen beschränkt.

Im Fach Mathematik hatten zwar 63 Prozent der Nachhilfeschüler bestenfalls ausreichende Noten. Gleichzeitig erhielten aber 34 Prozent zusätzliche Förderung, obwohl ihre Leistungen zwischen befriedigend und sehr gut lagen. (Bertelsmann Stiftung)

Nachhilfe kann also verschiedene Ziele haben:

Noten verbessern

Lernlücken schließen

Prüfungen vorbereiten

Versetzungsgefährdung vermeiden

Übergang auf eine weiterführende Schule unterstützen

Leistungsniveau halten


In welcher Schulform wird besonders viel Nachhilfe genutzt?

Der Bedarf steigt laut der Bertelsmann-Untersuchung mit dem Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen deutlich.

Während in der Grundschule knapp 5 Prozent der Kinder Nachhilfe erhielten, waren es in den weiterführenden Schulen insgesamt rund 18 Prozent. Besonders hoch war der Anteil an Gymnasien mit 18,7 Prozent. (Bertelsmann Stiftung)

Das bedeutet allerdings nicht, dass Gymnasiasten grundsätzlich schlechtere Leistungen erbringen.

Vielmehr kann der höhere Nachhilfeanteil auch damit zusammenhängen, dass Eltern besonders bei anspruchsvollen Bildungswegen zusätzliche Unterstützung organisieren.


Wie viel geben Familien für Nachhilfe aus?

Die bekannteste bundesweite Untersuchung der Bertelsmann Stiftung kam 2016 auf jährliche private Ausgaben von 879 Millionen Euro. Durchschnittlich wurden dabei 87 Euro pro Monat für außerunterrichtliche Fördermaßnahmen ausgegeben. (Bertelsmann Stiftung)

Diese Zahlen sind heute allerdings nur noch als historische Vergleichswerte geeignet.

Für 2026 gibt es keine direkt vergleichbare amtliche Statistik, die sämtliche privaten Nachhilfeausgaben in Deutschland erfasst.

Die aktuellen Preisbeobachtungen zeigen jedoch, dass Familien bei regelmäßiger Nachhilfe schnell vierstellige Jahresbeträge erreichen können.


Beispiel: 1.500 bis 3.000 Euro Nachhilfekosten pro Jahr

Eine einfache Modellrechnung verdeutlicht die Größenordnung.

Einmal pro Woche

20 Euro × 38 Wochen:

760 Euro pro Schuljahr

Zweimal pro Woche

20 Euro × 2 × 38:

1.520 Euro

Dreimal pro Woche

20 Euro × 3 × 38:

2.280 Euro

Zwei Stunden pro Woche zu 30 Euro

30 Euro × 2 × 38:

2.280 Euro

Drei Stunden pro Woche zu 30 Euro

30 Euro × 3 × 38:

3.420 Euro

Bei längerfristiger Nachhilfe über mehrere Schuljahre können dadurch erhebliche Kosten entstehen.


Wie erfolgreich ist Nachhilfe?

Hier wird es statistisch interessant.

Eine pauschale „Erfolgsquote“ für Nachhilfe in Deutschland gibt es nicht.

Das liegt daran, dass Studien unterschiedliche Erfolgsdefinitionen verwenden:

  • Verbesserung der Schulnote,
  • Verbesserung von Testleistungen,
  • bessere Motivation,
  • weniger Prüfungsangst,
  • höhere Zufriedenheit,
  • erfolgreicher Übergang in Ausbildung,
  • langfristige Bildungsergebnisse.

Deshalb sollte man Aussagen wie „90 Prozent der Schüler verbessern sich“ kritisch hinterfragen.


Aktuelle Studie 2026: Online-Nachhilfe zeigt messbare Effekte

Eine im Juli 2026 im European Economic Review veröffentlichte Studie liefert neue Erkenntnisse.

Untersucht wurden 839 Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen in Deutschland im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie. (Doi.org)

Das Ergebnis war differenziert:

Der durchschnittliche sogenannte Intention-to-Treat-Effekt auf die Mathematiknoten lag sechs Monate nach Beginn des Programms bei 0,06 Standardabweichungen und war statistisch nicht signifikant.

Bei Schülerinnen und Schülern, die zuvor noch keine andere Nachhilfe erhalten hatten, verbesserte sich die Mathematikleistung dagegen signifikant um 0,14 Standardabweichungen. (Doi.org)

Das ist eine wichtige Erkenntnis:

Nachhilfe wirkt offenbar nicht bei allen Schülergruppen gleich stark.


Nachhilfe kann auch den Übergang in Ausbildung beeinflussen

Die Studie von 2026 untersuchte nicht nur Schulnoten.

Bei Jugendlichen in nicht-akademischen Schulformen zeigte sich 18 Monate später eine um 5 Prozentpunkte höhere Wahrscheinlichkeit für die Aufnahme einer beruflichen Ausbildung. Bei den Jugendlichen ohne vorherige Nachhilfe lag der Effekt sogar bei 12 Prozentpunkten. (Doi.org)

Das deutet darauf hin, dass gezielte Nachhilfe möglicherweise über die reine Notenverbesserung hinaus Wirkung entfalten kann.

Allerdings sollte auch dieses Ergebnis nicht als allgemeine Erfolgsquote für sämtliche Nachhilfeangebote interpretiert werden. Es handelt sich um ein konkretes Programm und eine bestimmte Schülergruppe.


Ältere Studien kommen zu teilweise widersprüchlichen Ergebnissen

Die Forschung zur privaten Nachhilfe ist keineswegs eindeutig.

Eine Untersuchung auf Basis der deutschen National Educational Panel Study fand beispielsweise keine allgemeinen Effekte privater Nachhilfe auf Mathematik- oder Deutschnoten. Auch die Qualität der Nachhilfe zeigte dort keinen eindeutigen Zusammenhang mit den Noten. (PubMed Central (PMC))

Das ist ein wichtiger Gegenpol zu den positiven Ergebnissen anderer Untersuchungen.

Warum unterscheiden sich die Ergebnisse?

Mögliche Gründe sind:

  • unterschiedliche Schülergruppen,
  • unterschiedliche Nachhilfeprogramme,
  • unterschiedliche Dauer,
  • unterschiedliche Lehrkräfte,
  • unterschiedliche Ausgangsleistungen,
  • unterschiedliche Messmethoden.

Warum kann Nachhilfe trotz schlechter Noten nicht automatisch die Ursache für Verbesserungen sein?

Ein statistisches Problem macht die Bewertung besonders schwierig.

Kinder nehmen häufig gerade deshalb Nachhilfe, weil sie bereits Schwierigkeiten haben.

Wenn sich ihre Noten anschließend verbessern, kann man daraus nicht automatisch schließen, dass die Nachhilfe die gesamte Verbesserung verursacht hat.

Beispiel:

Ein Schüler steht in Mathematik auf Note 5 und erhält Nachhilfe. Ein halbes Jahr später steht er auf Note 3.

Das kann an der Nachhilfe liegen.

Es können aber auch andere Faktoren beteiligt sein:

  • besserer Unterricht,
  • mehr Eigenmotivation,
  • Klassenwechsel,
  • weniger private Belastungen,
  • zusätzlicher Lernaufwand,
  • veränderte Prüfungen.

Genau deshalb sind randomisierte Studien besonders wertvoll.


Wie schnell kann Nachhilfe die Note verbessern?

Hier existiert keine wissenschaftlich gesicherte allgemeine Zeitangabe.

Eine Umfrage des Bundesverbands für Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) berichtete 2023, dass nach Angaben seiner Mitgliedseinrichtungen etwa zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler innerhalb von sechs Monaten eine Notenverbesserung um eine Note erreichten und ein weiteres Drittel um zwei Noten. (nachhilfeschulen.org)

Diese Zahlen sollten jedoch ausdrücklich als Verbandsangabe aus einer Mitgliederbefragung eingeordnet werden und nicht als repräsentative wissenschaftliche Erfolgsquote für den gesamten deutschen Nachhilfemarkt.

Das Beispiel zeigt aber, welche Verbesserungen Anbieter in der Praxis beobachten.


Mathematik bleibt das teuerste Problem nicht automatisch

Interessanterweise bestimmt nicht nur das Fach den Preis.

Die aktuelle Preisbeobachtung für 2026 zeigt, dass das Fach einen erheblichen Einfluss auf die Angebotspreise hat. Beispielsweise wurde für Geschichtsnachhilfe ein Median von 15 Euro, für Klavierunterricht dagegen 30 Euro ausgewiesen. (Nachhilfeunterricht)

Bei klassischen Schulfächern können Preise unter anderem von folgenden Faktoren abhängen:

  • Qualifikation der Lehrkraft,
  • Klassenstufe,
  • Prüfungsniveau,
  • Einzel- oder Gruppenunterricht,
  • Online- oder Präsenzunterricht,
  • Region,
  • Nachfrage.

Online-Nachhilfe wird wichtiger

Digitale Nachhilfe hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt.

Die aktuelle randomisierte Studie von 2026 zeigt zudem, dass Online-Nachhilfe bei leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern durchaus messbare Effekte erzielen kann. (Doi.org)

Online-Unterricht hat einige praktische Vorteile:

  • keine Anfahrt,
  • größere Auswahl an Lehrkräften,
  • flexible Zeiten,
  • digitale Lernmaterialien,
  • Nutzung von Whiteboards und Lernplattformen,
  • teilweise günstigere Angebote.

Allerdings bedeutet online nicht automatisch besser.

Die Qualität der Lehrkraft und die Passung zum Lernenden bleiben entscheidend.


Kostenlose Nachhilfe: Ganztagsschulen können entlasten

Nachhilfe muss nicht immer privat bezahlt werden.

Die Bertelsmann-Studie zeigte bereits 2016, dass Schülerinnen und Schüler an Ganztagsschulen häufiger kostenlose Förderangebote nutzen konnten. Laut Elternangaben erhielten an Halbtagsschulen in 20 Prozent der Fälle kostenlose Unterstützung, an offenen Ganztagsschulen in 25 Prozent und an gebundenen Ganztagsschulen in 34 Prozent der Fälle. (Bertelsmann Stiftung)

Das ist auch bildungspolitisch relevant.

Denn wenn gute zusätzliche Förderung ausschließlich von der finanziellen Situation der Eltern abhängt, können sich soziale Unterschiede verstärken.


Nachhilfe und Bildungsgerechtigkeit

Nachhilfe ist deshalb nicht nur ein privates Familienthema.

Sie berührt auch die Frage, wie stark der Bildungserfolg vom Einkommen der Eltern abhängt.

Wer beispielsweise 2.000 oder 3.000 Euro pro Jahr für Nachhilfe bezahlen kann, hat andere Möglichkeiten als eine Familie, für die bereits 100 Euro monatlich eine erhebliche Belastung darstellen.

Die Bertelsmann Stiftung warnte deshalb bereits 2016 davor, privat finanzierte Nachhilfe als Ersatz für fehlende individuelle Förderung im regulären Schulsystem zu betrachten. (Bertelsmann Stiftung)


Wann lohnt sich Nachhilfe besonders?

Nachhilfe kann besonders sinnvoll sein, wenn ein konkretes Problem besteht.

Beispiele:

Eine Wissenslücke:
Ein bestimmtes Thema wurde nicht verstanden und verhindert den Einstieg in weitere Unterrichtsinhalte.

Eine wichtige Prüfung:
Abschlussprüfung, Abitur oder eine andere entscheidende Prüfung steht bevor.

Versetzungsgefahr:
Eine einzelne schlechte Note gefährdet das Schuljahr.

Motivationsproblem:
Erfolgserlebnisse können dabei helfen, das Selbstvertrauen wieder aufzubauen.

Schulwechsel:
Beim Wechsel zwischen Schulformen können unterschiedliche Lernstände aufgeholt werden.


Wann ist Nachhilfe möglicherweise nicht die beste Lösung?

Nachhilfe allein kann strukturelle Probleme nicht beheben.

Wenn ein Kind beispielsweise:

  • extrem überlastet ist,
  • unter starkem Prüfungsdruck leidet,
  • dauerhaft Schlafprobleme hat,
  • massive Lernmotivation verliert,
  • große Konzentrationsprobleme zeigt,

sollte zunächst die Ursache betrachtet werden.

Mehr Unterricht ist nicht automatisch die richtige Antwort auf jedes schulische Problem.


Was macht erfolgreiche Nachhilfe aus?

Die Forschung deutet darauf hin, dass die Wirkung nicht allein davon abhängt, wie viele Stunden gebucht werden.

Wichtiger können sein:

1. Klare Lernziele

Nicht einfach „Mathe verbessern“, sondern beispielsweise:

„Lineare Funktionen sicher verstehen und Aufgaben selbstständig lösen.“

2. Individuelle Diagnose

Welche Wissenslücke besteht tatsächlich?

3. Regelmäßigkeit

Eine einzelne Stunde unmittelbar vor einer Klassenarbeit ersetzt keinen kontinuierlichen Lernprozess.

4. Aktive Mitarbeit

Nachhilfe funktioniert nicht, wenn die Lehrkraft sämtliche Aufgaben übernimmt.

5. Passende Lehrkraft

Fachkenntnisse und pädagogische Fähigkeiten müssen zum Alter und Lernstand passen.


Nachhilfe-Markt 2026: Was die Zahlen zeigen

Der deutsche Nachhilfemarkt lässt sich 2026 durch einige zentrale Zahlen charakterisieren:

20 Euro: aktueller Medianpreis pro Stunde in einer großen Preisbeobachtung. (Nachhilfeunterricht)

35.278: ausgewertete Angebotspreise für den Preisindex 2026. (Nachhilfeunterricht)

30: untersuchte Fächer. (Nachhilfeunterricht)

20: untersuchte Großstädte. (Nachhilfeunterricht)

61 %: Anteil der Nachhilfeschüler mit Mathematiknachhilfe in der Bertelsmann-Erhebung. (Bertelsmann Stiftung)

46 %: Anteil mit Fremdsprachennachhilfe. (Bertelsmann Stiftung)

31 %: Anteil mit Deutschnachhilfe. (Bertelsmann Stiftung)

14 %: Anteil der 6- bis 16-Jährigen, die laut Bertelsmann-Studie Nachhilfe erhielten. (Bertelsmann Stiftung)

879 Millionen Euro: private Nachhilfeausgaben laut der 2016 veröffentlichten Bertelsmann-Studie. (Bertelsmann Stiftung)

839: Teilnehmer der aktuellen randomisierten Studie zu Online-Nachhilfe in Deutschland. (Doi.org)


Fazit: Nachhilfe kostet 2026 schnell mehr als 1.500 Euro pro Jahr

Nachhilfe ist in Deutschland ein großer und zunehmend vielfältiger Bildungsmarkt. Die aktuell verfügbare Preisbeobachtung für 2026 kommt auf einen Median von 20 Euro pro Stunde. Bei zwei Stunden pro Woche entstehen damit bei 38 Unterrichtswochen rund 1.520 Euro pro Schuljahr. (Nachhilfeunterricht)

Das mit Abstand häufigste Nachhilfefach ist Mathematik, gefolgt von Fremdsprachen und Deutsch. Bereits ältere repräsentative Daten zeigen, dass Nachhilfe nicht ausschließlich von leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern genutzt wird. (Bertelsmann Stiftung)

Bei der Erfolgsquote ist dagegen Vorsicht angebracht. Eine einheitliche Erfolgsquote für Deutschland gibt es nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen kommen teilweise zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die aktuelle randomisierte Studie von 2026 liefert jedoch Hinweise darauf, dass gezielte Online-Nachhilfe insbesondere bei Schülerinnen und Schülern ohne vorherige Nachhilfeerfahrung positive Effekte auf Mathematikleistungen haben kann. (Doi.org)

Die zentrale Erkenntnis lautet deshalb:

Nachhilfe kann wirksam sein – aber nicht automatisch und nicht für jedes Kind gleichermaßen.

Entscheidend sind Ausgangsniveau, konkretes Lernproblem, Qualität der Förderung und Dauer der Unterstützung. Für Familien lohnt es sich daher, nicht einfach möglichst viele Nachhilfestunden zu kaufen, sondern zunächst genau zu klären, welche Wissenslücke geschlossen werden soll und woran sich der Erfolg messen lässt.

Quellen und weiterführende Informationen