Gibt es Homeschooling auch in Deutschland?

Homeschooling – also die Bildung von Kindern zu Hause, statt in einer regulären Schule – ist in vielen Ländern weit verbreitet und hat in den letzten Jahren weltweit an Popularität gewonnen. In Deutschland ist das Thema jedoch komplexer und weckt häufig viele Fragen. Darf man in Deutschland seine Kinder zu Hause unterrichten? Welche rechtlichen Bestimmungen gibt es? Und wie funktioniert Homeschooling in Deutschland?

1. Homeschooling in Deutschland: Ein rechtlich eingeschränkter Bereich

In Deutschland ist Homeschooling grundsätzlich nicht erlaubt, da das deutsche Bildungssystem auf eine Schulpflicht aufbaut. Das bedeutet, dass jedes Kind in Deutschland ab einem bestimmten Alter (in der Regel ab 6 Jahren) gesetzlich verpflichtet ist, eine Schule zu besuchen. Diese Schulpflicht dient nicht nur der Vermittlung von Wissen, sondern auch der sozialen Integration und der Chancengleichheit.

§ 37 des Gesetzes über die Schulpflicht (Schulpflichtgesetz) besagt, dass Kinder regelmäßig eine Schule besuchen müssen. Der Unterricht zu Hause wird nur unter bestimmten sehr engen Voraussetzungen gestattet – und auch dann in sehr begrenztem Umfang.

2. Warum ist Homeschooling in Deutschland verboten?

Die Schulpflicht in Deutschland hat eine lange Tradition und ist tief in der Geschichte des Bildungssystems verwurzelt. Sie stellt sicher, dass alle Kinder Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung haben, die den gleichen Standards entspricht, unabhängig von ihrer Herkunft oder den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Die Schulpflicht soll verhindern, dass Kinder aus benachteiligten Verhältnissen vom Bildungssystem ausgeschlossen werden.

Ein weiteres Argument für die Schulpflicht ist die soziale Integration. Der Besuch einer Schule fördert nicht nur die kognitive und fachliche Entwicklung der Kinder, sondern auch ihre sozialen Fähigkeiten. Kinder lernen, mit anderen zu interagieren, Konflikte zu lösen, Teamarbeit zu leisten und unterschiedliche Perspektiven zu verstehen.

3. Ausnahmen und Sonderregelungen: Wann ist Homeschooling erlaubt?

In Deutschland gibt es jedoch einige wenige Ausnahmefälle, in denen Eltern ihre Kinder zu Hause unterrichten dürfen. Diese Ausnahmen sind streng geregelt und nur unter besonderen Umständen möglich:

  • Längerer Krankenhausaufenthalt oder Krankheit: In Fällen, in denen ein Kind aus gesundheitlichen Gründen nicht in die Schule gehen kann, gibt es die Möglichkeit einer Sonderregelung. In solchen Fällen können Eltern mit der Schule oder dem Schulamt eine individuelle Lösung finden, bei der das Kind zu Hause unterrichtet wird.

  • Ausnahmen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen: Für Kinder, die aufgrund einer Behinderung oder anderer besonderer Bedürfnisse nicht am regulären Schulunterricht teilnehmen können, gibt es spezielle Sonderregelungen. Diese sind jedoch ebenfalls auf Einzelfallentscheidungen angewiesen.

  • Ausnahmegenehmigungen: In sehr seltenen Fällen können Eltern beim zuständigen Schulamt eine Ausnahmegenehmigung für Homeschooling beantragen, wenn sie in der Lage sind, nachzuweisen, dass sie die schulische Bildung ihres Kindes angemessen gewährleisten können. Dies ist jedoch in der Praxis sehr schwierig und wird nur in besonderen Fällen gewährt.

4. Warum ist Homeschooling in Deutschland so umstritten?

Die Diskussion über Homeschooling in Deutschland ist stark von rechtlichen und bildungspolitischen Aspekten geprägt. Es gibt verschiedene Argumente sowohl für als auch gegen Homeschooling:

  • Pro Homeschooling: Befürworter von Homeschooling argumentieren, dass es den Eltern die Möglichkeit gibt, den Bildungsweg ihres Kindes individuell zu gestalten und gezielt auf dessen Stärken und Schwächen einzugehen. Sie betonen, dass Homeschooling Flexibilität bietet, besonders für Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder Talenten, die in einem normalen Schulsystem unter Umständen nicht ausreichend gefördert werden.

  • Kontra Homeschooling: Kritiker von Homeschooling in Deutschland warnen davor, dass es zu einer „Bildungsinsel“ führen könnte, in der Kinder keine sozialen Kontakte und keine Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen machen. Es wird auch befürchtet, dass Eltern nicht immer die nötige fachliche Qualifikation besitzen, um ihre Kinder ausreichend zu unterrichten. Zudem gibt es Bedenken hinsichtlich der Kontrolle des Bildungsniveaus und der Qualität des Unterrichts.

5. Homeschooling in anderen Ländern

Im internationalen Vergleich ist die Regelung für Homeschooling sehr unterschiedlich. In vielen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Kanada ist Homeschooling weit verbreitet und gesetzlich geregelt. In diesen Ländern haben Eltern das Recht, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, müssen jedoch in vielen Fällen den Lehrplan einhalten und die Qualität des Unterrichts durch regelmäßige Prüfungen oder Besuche von Schulinspektoren sicherstellen.

In Schweden beispielsweise gibt es Homeschooling nur dann, wenn die Eltern nachweisen können, dass sie die gleiche oder eine bessere Bildung bieten können als in der Schule. In Ländern wie Frankreich oder Italien ist Homeschooling ebenfalls stark eingeschränkt oder verboten.

6. Fazit: Homeschooling in Deutschland bleibt schwierig

In Deutschland bleibt Homeschooling eine schwierige Angelegenheit. Die Schulpflicht ist gesetzlich verankert und stellt sicher, dass jedes Kind eine staatlich anerkannte Schule besucht. Zwar gibt es wenige Ausnahmen, bei denen Homeschooling unter besonderen Umständen erlaubt ist, aber grundsätzlich ist der Besuch einer regulären Schule die Norm.

Wer sich dennoch für alternative Bildungsmodelle interessiert, kann in Deutschland auf private Schulen oder alternative Schulformen zurückgreifen, wie z.B. Waldorf- oder Montessori-Schulen, die ein etwas anderes Konzept der Bildung verfolgen. Diese sind jedoch nicht mit Homeschooling zu verwechseln, da sie in der Regel weiterhin staatlich anerkannt sind und die Schulpflicht wahren.

Wer dennoch mit dem Gedanken spielt, Homeschooling in Deutschland zu praktizieren, sollte sich gründlich über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren und sich gegebenenfalls rechtlichen Rat einholen.