Achtsamkeit

Was ich nach einem Monat Meditation über mich gelernt habe

Mehr als fünf Wochen ist es nun her, dass sadfsh und ich uns aufgemacht haben, um die hohe Kunst der Meditation in unseren Alltag zu integieren. Den Monat Oktober hatten wir uns ausgesucht, um täglich für einige Zeit aus dem hektischen Trubel auszusteigen und zu uns zu kommen. Nachdem wir unsere Ankündigung veröffentlicht haben (Hier kannst du den Text nachlesen: 3 gute Nachrichten) haben viele uns in den Kommentaren und auf Twitter Mut zugesprochen, dass wir von dieser Erfahrung sehr profitieren würden. Mindestens genau so viele von euch haben sich selbst schon einmal am Meditieren versucht.

Besonders gefreut hat mich, dass sich einige Leser (und Blogger) sogar unserem Aufruf angeschlossen haben. Alles in allem: Ich war ziemlich gespannt, ob und was sich für mich durch diese 10 Minuten täglich verändern würde.

„Es hat einfach nicht geklappt.“

Bevor du jetzt einen euphorischen Bericht darüber erwartest, wie die Meditation mein Leben verändert hat, verrate ich es dir lieber gleich zu Beginn: Es hat einfach nicht geklappt.

Richtig euphorisch bin ich in die erste Woche gestartet, habe jeden Nachmittag für einige Minuten die Schlafzimmertür hinter mir geschlossen und mich in einer bequemen Position auf die Yogamatte gesetzt. Nach einigen Startproblemen (Hast du schon einmal versucht, in einem fahrenden Zug zu meditieren?) schien es so, als wäre diese kurze Unterbrechung des Tagesgeschehens gar nicht mehr aus meinem Alltag wegzudenken.

Und dann ist es passiert. Ich habe einfach von einem auf den anderen Tag aufgehört, an’s Meditieren zu denken, habe diesen Punkt nicht mehr eingeplant. Aus den Augen, aus dem Sinn. Erst nach einer ganzen, weiteren Woche ist mir aufgefallen, dass ich nicht mehr meditiert habe und es hat mir an keinem der Tage gefehlt. Diese Erkenntnis hat mich einfach nicht mehr losgelassen, sodass ich mich in den kommenden Tagen gefragt habe, warum ich diese Gewohnheit ursprünglich lernen wollte.

Meine Erkenntnis: Meditation passt nicht zu meinem Leben

Je mehr ich mich mit den Gründen für die Meditationschallenge befasst habe, desto mehr ist mir bewusst geworden, warum das Meditieren nicht zu einem Teil meines Alltags geworden ist. Es passt einfach nicht zu dem Leben, wie ich es im Moment lebe, bzw. es füllt keine Leerstelle auf.

Erkenntnis 1: Ich brauche eigentlich keine zusätzliche Entspannung.

Meditation dient ja in erster Linie zur Entspannung und zum Aufbau von Konzentration für das Wesentliche in deinem Leben. Diese beiden Punkte werden in meinem Leben durch andere Gewohnheiten bedient: die abendliche Lesezeit im Bett, regelmäßiges Laufen, Gespräche mit sadfsh usw.

Erkenntnis 2: Wenn ich den Kopf freibekommen möchte, brauche ich Bewegung.

Mein Alltag besteht zu etwa 80% aus Sitzen (auf Stühlen, am Schreibtisch, im Sessel, auf dem Bett), sodass ich mittlerweile erkannt habe, wie wichtig (zusätzliche) Bewegung für mich ist. Wenn ich also den Kopf freibekommen möchte und ein wenig Zeit weg vom Schreibtisch brauche, dann ziehe ich immer solche Optionen vor, die mit Bewegung zu tun haben. Eine Einheit Yoga, eine Runde Laufen oder ein schöner Spaziergang helfen mir mehr als das sitzende Meditieren.

Erkenntnis 3: Ich sitze zu viel am Schreibtisch bzw. vor dem Computer.

Quasi als Schlussfolgerung aus der zweiten Erkenntnis zum Thema Sitzen, habe ich gemerkt, wie viel Zeit ich wirklich Tag für Tag am Computer bzw. im Internet verbringe. Soll ich ehrlich sein? Es können an manchen Tagen locker 7 Stunden (mit kleinen Unterbrechungen) sein. Neben meinem Fernstudium verbringe ich die meiste Zeit wegen Twitter, dem Lesen von Blogbeiträgen und dem Schreiben von Texten für Apfelmädchen&sadfsh bzw. Psychoeule vor dem Bildschirm.

Meine neue Challenge: Ich setze mich auf Internetdiät.

Mit leichter Verspätung bin ich daher am Sonntag (2. November) in die neue Monatschallenge gestartet und habe mich kurzerhand selbst auf Internetdiät gesetzt. Jeden Morgen stelle ich meine Uhr auf 90 Minuten und versuche nun, diese Internetzeit möglichst klug zu nutzen. Du fragst dich jetzt, was das bringen soll und ob so eine Beschränkung nicht auch für dich geeignet ist?

Meine bisherigen Challenge-Tage lassen sich wie folgt zusammenfassen und erlauben dir vielleicht einen kleinen Einblick:

Morgen (30 min): Ich lese die abonnierten Blogs in meinem Feedreader, fülle meinen Bufferaccount mit interessanten Links, die ich so über den Tag verteilt auf Twitter teile und beantworte meine E-Mails. Außerdem schaue ich in das Dashboard der beiden Blogs (neue Kommentare & Statistiken). Wenn noch Zeit ist, schaue ich kurz bei Instagram, Tumblr oder Goodreads vorbei.

Mittag (15 min): Langsam werde ich nervös, habe keine Lust mehr Sachen ohne Internetzugang zu machen und linse mal ganz schnell bei Twitter und im Feedreader vorbei. Meistens bleibe ich wegen einer Kleinigkeit hängen und ärgere mich, dass ich „kostbare“ Minuten verloren habe.

Nachmittag (?? min): Ob ich noch genug Zeit habe, um schnell mal online zu schauen? Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich eigentlich keine Minuten erübrigen kann. Also schreibe ich meinen Blogbeitrag brav ohne Internetzugang (so wie jetzt gerade) und schaue nur einmal gaaaaaanz kurz bei Twitter vorbei. 😉

Abend (45 min): Feierabend. Jetzt darf die verbleibende Zeit hemmungslos online verbracht werden. Also 45 Minuten, denn mehr ist ja nicht mehr übrig. Ob mein bisheriges Multitasking sich hier auszahlt? Keine Ahnung. Ich schaue zwei, drei Videos auf Youtube, lese noch ein paar Blogs und führe interessante Gespräche auf Twitter. Bis der Wecker klingelt und es Abschiednehmen heißt.

Teilst du dir deine Zeit im Internet auch ein? Ich freue mich auf deinen Kommentar, den ich übrigens erst morgen Vormittag lesen kann. Mein Zeitkonto ist nämlich für heute leider schon aufgebraucht.

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

12 Kommentare zu “Was ich nach einem Monat Meditation über mich gelernt habe

  1. Wow, Svenja! Endlich mal jemand, der auch den Eindruck hat, dass Meditation nicht so richtig passt. Ich sitze auch sehr viel am Rechner. Es ist einfach meine Leidenschaft. Aber was ich dann tatsächlich brauche ist eher Volleyball, frische Luft oder zum Muskelaufbau Yoga. Ich teile mir die Zeit nicht unbedingt streng ein im Netz – aber ich halte mich für effektiv. Hab letztens jedoch gelesen, dass man eine Stunde vor’m Schlafengehen nicht mehr auf einen Bildschirm schauen sollte. Das werde ich nun mal ausprobieren. Allerliebste Grüße! Anna

    • Hallo Anna,

      ohja. Smartphones, Laptops und Fernseher im Schlafzimmer können wirklich ein Feind des guten Schlafs sein, da lohnt es sich abends nochmal aufzustehen und alle Geräte in einen anderen Raum zu legen. Vor einiger Zeit habe übrigens ich einen netten Blogbeitrag (?) dazu gelesen: Die vorgestellte Familie hat ihre Ladestation in der Küche und abends legen alle (!) ihre Geräte zum Aufladen auf die Küchenzeile. Das fand ich einen sehr guten Kompromiss!

      Liebe Grüße, Svenja

  2. Oh, das ist eine super Idee. Das probiere ich diesen Monat auch direkt, da ich durch einen gebrochenen Mittelhandknochen etwas eingeschränkt und krankgeschrieben bin und dadurch gefühlt den ganzen Tag dauerhaft am Computer sitze. Die einzige Ausnahme wird bei mir nur amazon prime instant video sein, weil ich darüber Serien gucke. Außerdem versuche ich eure letztmonatige Meditationschallenge diesen Monat.

    • Hallo Anne,

      erstmal: gute Besserung! Wenn ich an deiner Stelle wäre (verletzt+krankgeschrieben), würde ich wahrscheinlich hemmungslos den ganzen Tag am Computer verbringen 🙂 . Genau wie du rechne ich „TV-Zeit“ nicht mit in meine 1,5h/Stunden, da sadfsh und ich gerne abends eine Folge einer Serie oder einen schönen Film anschauen. Allerdings online, denn einen Fernseher haben wir schon lange nicht mehr. Vielleicht sind ja Hörbücher auch eine gute Alternative für dich? Da bist du nicht zwangsläufig online und kannst trotzdem die Zeit sinnvoll rumbringen.

      Liebe Grüße, Svenja

      • Danke für die liebe Antwort, Hörbücher nutze ich seitdem ich die Onleihe der Stadtbibliothek für mich entdeckt habe vermehrt, aber da ist noch Platz nach oben frei.
        Allerdings ist mein Hauptproblem wohl das schlechte Gewissen, dass ich jetzt wo ich sozusagen Urlaub von meinethalben Stelle habe, diese Zeit nutzen sollte um an meiner Masterarbeit zu arbeiten…
        Liebe Grüße,
        Anne K.

      • Hallo Anne,

        wenn man krank ist, ist man krank – hat meine Mama früher immer gesagt 🙂 Mach dir doch nicht solchen Druck, sondern „nutze“ die Zeit lieber für dich und wende all deine Kraft auf, um wieder gesund zu werden. Und wenn du wieder gesund bist, dann kannst du dich voll und ganz auf deine Masterarbeit konzentrieren.
        Sollte das schlechte Gewissen jedoch zu groß werden, hilft es z.B., wenn man die bisherige Fassung schon mal jemandem zum Korrekturlesen gibt oder lästige, kleine Tätigkeiten macht (Literaturverzeichnis, Titelseite, Literaturrecherche bzw. Fernleihe etc.).

        Liebe Grüße, Svenja

  3. Hallo Svenja,
    Das Blöde ist, dass ich leider noch nicht mal soweit bin. Ich muss mich noch richtig einlesen und lesen kann man nun mal prima, wenn man sonst nicht viel kann. Aber ich probiere es jetzt glaube ich auch etwas mehr mit zen to done, dann müsste trotz lesen noch ein wenig mehr Zeit zum ausruhen da sein. (Die Interneteinschränkung funktioniert dafür aber erstaunlich gut.)
    Liebe Grüße,
    Anne K.

  4. Hey Svenja,
    das klingt ja wirklich ziemlich ernuüchternd, aber lehrreich. Ist ja gut zu wissen, wenn man von etwas so gar nicht profitiert, sodass diese Sache zusammen mit den Gedanken daran („Mensch, alle schwärmen davon. Das sollte ich auch mal versuchen“) mit gutem Gewissen beiseite legen kann. Richtig guter reflektierter Minimalismus :).
    Das mit der Bewegung finde ich ein gutes Argument. Ich habe mir mir auch überlegt, eine Yogachallenge zu machen, also jeden Tag 20 min oder so. Da hat man auch die Konzentration, ähnlich wie beim Meditieren, aber sitzt eben nicht. Habe mich dann aber fürs Meditieren entschieden.
    Phu, ich glaube bei meiner Meditationschallenge wird das Fazit ähnlich ausfallen wie bei dir… In 3 Wochen weiß ich mehr.
    Liebe Grüße, Marisa

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