Netzhighlights

Unsere Netzhighlights – Woche 4/2017

Während wir die Links für diese Woche zusammenstellen, haben Marc und ich über Filterblasen gesprochen und festgestellt, wie wichtig es heute ist, sich auch mit solchen Meinungen zu umgeben, die der eigenen nicht entsprechen. Gerade auf Twitter neige ich z.B. dazu vor allem solchen Accounts und Benutzer_innen zu folgen, die meine Weltsicht teilen und mich mit – aus meiner Sicht – wichtigen Informationen versorgen: Nachhaltigkeit, Politik, Feminismus, Zukunft (sowohl Wissenschaft, als auch SciFi), Minimalismus, Psychologie usw. Rufe ich jedoch mal die Startseite von z.B. Twitter oder Spiegel auf, sehe ich dort häufig Nachrichten, die ich in meiner kleinen beschaulichen Welt nie gesehen hätte: Fußball, Youtube- und Fernsehstars sowie Studien/Meinungen, die eben NICHT mit meiner übereinstimmen.

Wie machst du das? Liest du bewusst auch solche Reportagen und Berichte, die dem widersprechen, was du denkst? Wie sorgst du dafür, dass du nicht in deiner kleinen Welt verloren gehst? Ich freue mich auf deine Gedanken in den Kommentaren!

Nun aber zu den Fundstücken der Woche. Dieses Mal dreht sich alles um Briefe an den Präsidenten, Biografien und die Frage, was Terror mit uns macht. Viel Spaß beim Stöbern!

sadfsh (Marc)

1. Ein_e Schüler_in sitzt in einem kleinen Raum und liest einen Brief. Eine Frau hat ein Familienmitglied an einen Raubüberfall verloren. Außerdem im Umschlag: Bilder eines blutverschmierten Autos. Das ganze wiederholt sich. 300x am Tag. Manchmal haben sie Glück, dann kommen Kinderzeichnungen. Und dann geschehen auch die besonderen Dinge. Ein Mann schreibt zu Beginn Obamas erster Amtszeit über seinen Partner, der im Irak dient. Der als einziger ohne einen Abschied der Familie abreist, weil es verboten ist homosexuell zu sein in der Armee. Der keinen Familienangehörigen in der Telefonliste hat, damit niemand etwas erfährt. Und der Jahre später wieder schreibt, weil der Partner nur befördert wird und der Briefschreiber darf daneben stehen, weil es Reformen gab. Wo das passiert? Im Briefraum des US-Präsidenten. Und da zeigt sich, Briefe habe eine ganz besondere Kraft: To Obama With Love, and Hate, and Desperation

2. Könnt ihr euch einen Soldaten vorstellen, der sich in der Kantine vegan ernährt, dabei vegane Stiefel trägt und sich, wenn er nach draußen geht, eine vegane Mütze aufsetzt? Ich mir auch nicht. In Israel ist das aber Realität. Seit 2010 erlebt das Land eine starke vegane Bewegung, die ihren Ursprung in der Forderung nach dem Tierwohl hat: How Israel Became the Global Center of Veganism

3. Heute vor 67 Jahren starb George Orwell. Dies ist die Geschichte von der Entstehung des vielleicht wichtigsten Buches des 20. Jahrhunderts: 1984. The Masterpiece that killed George Orwell

Svenja (Apfelmädchen)

(So viele tolle Beiträge diese Woche gelesen, dass ich mich fast gar nicht entscheiden kann, welche ich euch empfehlen möchte. Gefühlt erleben wir gerade eine Explosion von gut recherchierten, inspirierenden und toll geschriebenen Inhalten.)

1. Yassin Musharbash schreibt u.a. für die ZEIT über den IS und (islamistischen) Terror. Zum Ende von 2016 hat er einen lesenswerten Jahresrückblick geschrieben, der nun auch frei zugänglich bei ZeitOnline erschienen ist: Mein Jahr mit dem Terror.

2. Als Journalistin in Deutschland zu arbeiten – das sollte eigentlich ein ganz normaler Beruf sein, nicht wahr? Ist es aber nicht: Quasi permanent sind Journalistinnen Sexismus, Beschimpfungen und Anfeindungen ausgesetzt, nur weil sie ihre Arbeit machen. Die Schweizerin Anne Sopie Keller hat ihren Frust in Worte gefasst: What it feels like for a girl.

Passend dazu empfehle ich auch den Liebesbrief von Amina, den sie bei Kleiner3 für „all ihre Schwestern* in einer Welt voller Hass“ veröffentlicht hat. Und wer heute eine Portion Optimismus gebrauchen kann, schaut sich die vielen Bilder von Protestschildern und -teilnehmer_innen bei den gestrigen Frauenmärschen aus der ganzen Welt auf Twitter an: #WomensMarch.

3. Frau DingDong ist mittlerweile eine meiner ersten Anlaufstellen, wenn ich auf der Suche nach interessanten Büchern bin, obwohl sie gar keinen 100%igen Buchblog betreibt. Im letzten Jahr hat sie sich mit dem Thema Biografie beschäftigt und dazu nicht nur zahlreiche Biografien gelesen, sondern sich auch über ihre eigene Gedanken gemacht. Wer Lust hat, kann jetzt einen Blick auf ihre Fragenliste werfen oder ihr Projektfazit lesen. Ich hab mir die Fragenliste gleich mal abgespeichert…

Wir wünschen dir einen widersprüchlichen Sonntag,
Apfelmädchen & sadfsh

3 Kommentare zu “Unsere Netzhighlights – Woche 4/2017

  1. Glückwunsch zum Erreichen eures ersten „Goals“ auf Patreon 🙂

    • Wow – vielen Dank fürs Bescheid sagen. Ich schaue bei Patreon nicht täglich vorbei und hätte es bestimmt erst in ein paar Tagen gesehen. Was für ein toller Start ins neue Jahr für den Blog und unsere Bemühungen für eine bessere/gerechtere/grünere Welt. Liebe Grüße, Svenja (Apfelmädchen)

  2. Hey ihr beiden,

    danke für den Lesestoff für diese Woche. 🙂

    Ich persönlich lese mir gern fremde Meinungen durch, weil sie meinen Horizont stärker erweitern, als das bei Beiträgen, die meiner Meinung entsprechen, der Fall ist. Im Fall von Minimalismus, zum Beispiel, ist meine Lernkurve im Laufe der Zeit abgeflacht, weil ich mich schon sehr viel damit auseinandergesetzt habe. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich bei meiner Meinung ähnelnden Inhalten denke: „Ja, kennst du schon.“, „Schade, kein neuer Apsekt…“ oder „Leider etwas oberflächlich recherchiert.“. Allerdings ziehe ich bei meiner Meinung entgegenstehenden Texten und anderen Medien auch Grenzen. Wenn es menschenverachtend wird, beispielsweise.

    Ich finde es gar nicht so überraschend, dass die vegane Bewegung in Israel so stark ist. Die Küche enthält teilweise zwar auch Fisch und koscheres Fleisch, allerdings finde ich in der israelischen Küche von Haus aus wesentlich mehr Gerichte, als das in der traditionellen Deutsche Küche (quasi null?) der Fall ist.

    Liebe Grüße,
    Philipp

    PS: Schönes, neues Design!

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