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Tag 25: Verpackungen – ein Problem?

Wer sich noch an einen unserer ersten Einkäufe erinnert, wird feststellen, dass kaum Plastikmüll angefallen ist. Was den Tofu betrifft, müssen wir uns wohl damit abfinden, keine Optionen zu haben, auf Verpackungen zu verzichten. Bei Joghurt stellt sich die Situation ähnlich dar, denn zumindest in den Bio-Läden unseres Vertrauens, gibt es Sojajoghurt nicht im Schraubglas.
Unser Obst und Gemüse wird so wie abgebildet in den Einkaufskorb gelegt, von dort aufs Kassenband und dann in einem Rucksack oder Stoffbeutel nach Hause transportiert (BITTE BITTE benutzt Stoffbeutel und kauft nicht jedes Mal eine Plastiktüte, die ihr eine Stunde später wegwerft).

Folgende Situation ist jedes Wochenende beim Wocheneinkauf zu beobachten:

Das Apfelmädchen schlendert elegant, verführerisch und verträumt auf das Obstregal zu, wirft einen ersten Blick auf den Zettel und stellt fest: Zwiebeln. Im Hintergrund schleift sadfsh den Einkaufskorb heran, voller Schweißtropfen aufgrund des ganzen Orangensaft, der sehr klug im Laden positioniert, direkt am Eingang steht. Ein Blick nach rechts, erlaubt beiden die tollen Farben und Gerüche aufzunehmen, aber plötzlich, sehen sie nur noch grün. Nein! Es geht nicht um Salat. Es geht um den Obstregalnachbarn, der soeben zu 2 Äpfeln greift und sie in eine grüne Plastiktüte steckt. Wir spulen 5 Sekunden vor. Ein erneuter Griff in das Regal und schon landet eine einsame Banane in einer grünen Plastiktüte (die grüne Plastiktüte der Äpfel ist nicht identisch mit der grünen Plastiktüte der Banane). Und die folgenden 2 Minuten im Schnelldurchgang: 2 Zitronen -> Plastiktüte, Batavia-Salat -> Plastiktüte, 3 Orangen -> Plastiktüte, 5 Zwiebeln -> Plastiktüte, 1 Aubergine -> Plastiktüte, 4 Möhren -> Plastiktüte.

Ich hab da so eine Vermutung, die sich aus meiner bisheringen Lebenserfahrung nährt: Zuhause angekommen, landen fast alle dieser Dinge in einer großen Obstschale in Küche oder Wohnzimmer, wo sie für jedermann zum Verzehr bereitstehen. Ohne Plastiktüten versteht sich. Die liegen schon längst im Müll.

Plastik – Gefahr für Tier und Mensch

Natürlich wird sich jetzt der ein oder andere Leser wundern, dass wir so ganz und gar nicht von den vermeintlichen Vorzügen von Plastik und daraus hergestellten Verpackungen überzeugt sind. Immerhin sind doch z.B. Plastikverpackungen so hygienisch, wiegen fast nichts und in der richtigen Mülltonne entsorgt, sind sie sicherlich auch kein Problem für unsere Umwelt. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten und daher wollen wir einen kurzen Blick auf die Nachteile von Plastik im Allgemeinen und Plastikverpackungen im Besonderen werfen.

1. Mit dem Eintritt eines Kindes in unsere Welt beginnt auch sein Kontakt zu Plastik. Schnuller, Trinkflaschen und Spielzeuge sind der Anfang einer langen „Freundschaft“ mit unzähligen Produkten der Welt der Poly-Verbindungen. Jeder kennt die kleinen unscheinbaren Zeichen auf Plastikwasserflaschen (Polyethylenenterephthalat – PET) und weiß, dass die Abkürzung PVC (Polyvinylchlorid) für einen Kunststoff steht. Was die wenigsten wissen: Diese Kunststoffe und damit auch die daraus gefertigten Erzeugnisse sind keinesfalls so sicher, wie man denkt.

Studien zeigen etwa, dass die verkauften Plastik-Einwegflaschen aus PET bei längerer Benutzung gesundheitsschädigendes Acetaldehyd ausschwemmen, was dann in unsere Getränke gelangt. Das Bundesamt für Risikobewertung stuft diese Flaschen allerdings als ungefährlich ein, da der festgesetzte Grenzwert nicht erreicht wird. Wie wir unser Wasser transportieren, zeigen wir euch im morgigen Beitrag!

Ein anderer häufig bei der Verarbeitung von Kunststoffen eingesetzter Stoff ist Bisphenol A, das in Verdacht steht, Veränderungen des menschlichen Erbgutes zu verursachen. Besonders brisant: Bisphenol A wurde bis zum Verbot durch die Europäische Unionim Jahr 2011 in Trinkflaschen für Säuglinge eingesetzt. Noch heute ist es in gesundheitlich anscheinend unbedenklichen Mengen in Thermopapieren für z.B. Fahrkarten zu finden und wird außerdem als Korrosionsschutz bei Konserven verwendet. Zur Zeit untersucht die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit den Stoff erneut, um eventuell eine neue Risikobewertung vorzunehmen.

2. In der Einleitung wurde ein oft mit Verpackung einhergehendes Problem schon angedeutet: unverhältnismäßige Müllproduktion. Auf dem folgenden Bild könnt ihr sehen, was uns dazu gebracht hat, hier laut über Verpackungen nachzudenken.

Verpackung des Matcha-Tees
Verpackung des Matcha-Tees

 

Die Plastiktüte in der Mitte beherbergt Matcha. Mit einem Aufdruck wäre das schon fast ausreichend für den Verkauf oder? Stattdessen ist der verpackte Tee in einer Dose zu finden, die wiederum in einer Pappschachtel zu finden ist. Damit aber nicht genug. Die Dose wird nicht nur mit einem Deckel verschlossen, sondern auch mit einem Plastikding, welches vermutlich für die Frische sorgen soll. 30 Gramm Tee werden geschützt von 5 Einzelteilen. Soviel wie der Matcha auch wert ist, aber das ist absolut unverhältnismäßig und in einem bestimmten Maß zählt für mich nicht nur die Herstellung zu Bio, sondern auch das ökologisch nachhaltige Handeln der Akteure auf dem Markt. Bei diesem Produkt fehlt mir absolut jedes Verständnis, weshalb die Wahrscheinlichkeit, dass ich erneut Produkte der Firma kaufe, ziemlich gering ist.

3. Habt ihr euch schon mal gefragt, was mit all diesen Produkten und ihren Plastikverpackungen passiert, nachdem sie im Müllfahrzeug eures Entsorgungsbetriebes gelandet sind? Wie die meisten Dinge auf unserer Erde werden sie kaum im Nichts verschwinden, denn unsere Müllentsorgung ist eigentlich eher eine Müllverschiebung – auf die örtliche Deponie, in eine Müllverbrennungsanlage oder in unsere Meere. Schwer zu glauben, aber leider wahr. In 9,5 Minuten erklärt z.B. das Erste was es mit Plastik im Meer auf sich hat: http://neuneinhalb.wdr.de/sendungen/2012/06/2012_06_09.php5

Ein immer größer werdender Teil des Kunststoffmülls wird der Verwertung zugeführt und kann damit zu neuen Plastikprodukten weiterverarbeitet werden. Hier unterscheidet man zwischen Up- und Downcycling, also der Verarbeitung in höherwertige und minderwertige Produkte, so können z.B. zerkleinerte PET-Flaschen bei der Erzeugung neuer Flaschen verwendet werden.

In diesem Zusammenhang möchten wir aber auch auf das sogenannte thermische oder energetische Recycling von Kunststoffen hinweisen. Obgleich der Begriff ein umweltfreundliches Verfahren andeutet, haben wir es hier mit einer schlichten Müllverbrennung in entsprechenden Anlagen zu tun. Eine Übersicht über die Verwertung von Kunststoffen findet man bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Verwertung_von_Kunststoffabf%C3%A4llen

Was gab’s denn nun zu essen?

Schnelles Frühstück mit Brot und Kräuterquark (sadfsh) bzw. Banane stand heute auf dem Programm. Zum Mittag dann wieder Brot mit Kräuterquark (dieses Mal für mich) bzw. mit einem Schokoladenaufstrich (sadfsh Meinung wird nachgereicht). Den kleinen Hunger am Nachmittag haben wir mit leckerem Saft-Smoothie aus Blutorange und Apfel gestillt, der leider durch die beigefügten Eiswürfel mehr zu einem Fruchteis geworden ist.

Als Abschluss des Tages gab es dann für sadfsh einen leckeren Salat (siehe ganz oben) und für mich eine Pommes-Tasche (Fladenbrot mit Salat und Pommes OHNE Tzatziki). Sehr lecker!

Einen guten Start ins Wochenende wünschen Euch

— Apfelmädchen & sadfsh

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

10 Kommentare zu “Tag 25: Verpackungen – ein Problem?

  1. sadfsheltern

    Die Pommes-Tasche sieht industriell gefertigt aus.
    Täuscht das ?
    Ich staune, dass Ihr bei diesem eisigenWetter auch noch eisgekühlte Grtränke zu euch nehmt. für mich ein totales no-go !!!

    Auch von hier für euch einen schönen Start ins Wochenende

    • Das Fladenbrot der Pommestasche ist tatsächlich industriell gefertigt, denn die gesamte Tasche hat sadfsh für mich beim Döner um die Ecke gekauft. Immerhin war Salat drin…

  2. Schön, dass Ihr auf das Problem (!) aufmerksam macht. Die Doku „Plastic Planet“ hat mich vor paar Jahren schockiert. Jeder einzelne kann ein bisschen dazu beitragen, dass wir weniger Plastikmüll produzieren. Und auch die Bundesregierung und die Europäische Kommission sind gefragt. Wie wäre es mit einem Plastiktütenverbot? In Frankreich und Indien längst in Kraft getreten …

    • Das mit dem Plastiktütenverbot in Frankreich ist nicht ganz richtig bzw. wird nicht wirklich umgesetzt, zumindest nicht überall. Plastiktüten (in manchen Supermärkten aber auch Papiertüten aus Recyclingpapier) werden an den Kassen kostenpflichtig angeboten und in jeder Gemüseabteilung findet man nach wie vor diese Rollen zur Selbstbedienung.
      Was mir beim Shoppen (ich rede jetzt von z.B. Kleidung oder Elektronik) aufgefallen ist, ist, dass man in Frankreich automatisch eine Plastiktüte mit den Einkäufen in die Hand gedrückt bekommt, während in Deutchland immer nachgefragt wird, ob man eine Tüte braucht. (Soweit meine Erfahrungen in meiner französischen Heimatstadt und meiner norddeutschen Wahlheimat.)

  3. An dieser Stelle muss ich leider zugeben, dass wir auch zu den Menschen gehören, die beim Supermarkteinkauf Obst und Gemüse in Plastiktüten packen… Ehrlich gesagt, fehlt mir nicht einmal einen Grund dafür ein.
    Diese Plastiktüten werden aber nicht sofort weggeschmießen (als würde diese Feststellung alles wieder gut machen): Wir nutzen sie als Restmülltüten. Zugegeben haben wir mehr Plastiktüten als wir jemals Restmüll haben werden und wir könnten wahrscheinlich unseren Müll auch umweltfreundlicher einpacken.
    Was wir aber richtig machen: An der Kasse wird keine weitere Plastiktüte gekauft, da wir immer einen Stoffbeutel dabei haben.
    Über dieses Thema generell mache ich mir schon seit einer gewissen Zeit Gedanken. Vor allem ist mir unser Plastikmüllüberfluss bewusst geworden, als wir innerhalb einer Woche einen in unserer Region üblichen gelben Sack (ca. 60 l für Plastik- und Metallverpackungen) komplett gefüllt haben. In unserem Haushalt leben nur 2 erwachsene Menschen… Das fand ich erschreckend! Es wird langsam Zeit, dass unser Verhalten diesbezüglich sich ändert. Schritt für Schritt, damit die nächsten Generationen auch noch die Natur genießen können.

    • Vielleicht wird es dich freuen zu hören, dass wir nächsten Monat unseren Plastikverbrauch stark senken möchten, da auch wir jeden Tag wieder merken, wieviel Müll sich trotz allem ansammelt. Mal schauen, ob wir praktikable Lösungen finden, die uns im Alltag weiterhelfen.

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