Was kommt nach dem Aussortieren? Wir fragen - 5 Minimalist_innen antworten. | Apfelmädchen & sadfsh
Minimalismus

Was kommt nach dem Aussortieren? Wir fragen – 5 Minimalist_innen antworten.

Wochen und Monate vergehen, jeden Tag verlässt ein kleiner Gegenstand unser Zuhause, bis wir uns irgendwann freudestrahlend in unseren Räumen im Kreis drehen und feststellen:

JA! Jetzt habe ich wirklich keine unnötigen Dinge mehr.

Das Glücksgefühl ähnelt dem einer abgegebenen Abschlussarbeit, die uns monatelang in ihren Bann zieht und kaum ein Denken außerhalb unseres Themas zulässt. Spontane Erleichterung macht sich breit. Am nächsten Tag wachen wir auf und merken, dass wir uns irgendwie gar nicht so frei fühlen, sondern vielmehr Leere die Überhand gewonnen hat und uns in ihrer Stille zu erdrücken droht.

1-2 Wochen vor Abgabe meiner Masterarbeit, als ich mir sicher war in jedem Fall eine vollständige Arbeit mit schlüssigem und gut hergeleitetem Ergebnis abgeben zu können, war für mich klar, dass der Ernst des Lebens am Tag nach der Abgabe mal wieder von Neuem beginnen sollte. Doch zuvor wollte ich eine halbe Woche lang durchatmen. Ein paar Tage lang nichts von dem Leid anderer Menschen lesen, einige Stunden verbringen, in denen mir etwas anderes durch den Sinn geht als der immergleiche Satz, dessen Wörter ich im Kopf hin- und herschob.

Dann kam dieser erste Tag nach der Abgabe. Ich war am Boden zerstört. Ich fühlte mich nicht frei, sondern ängstlich. Ich konnte an nichts anderes denken als die Arbeit und begann die Tage zu zählen, bis die Korrekturfrist ablief. Es war ein riesiges Loch entstanden, welches ich im Voraus zwar mit Plänen gefüllt hatte, die ich jetzt aber nicht umsetzen konnte. Ja, dutzende Seiten mit Druckerschwärze geschmückten Papieres lagen vor mir, aber was waren diese Seiten wert, solange das offizielle Urteil noch auf sich warten ließ?

Ich hoffe, dass du deinen Minimalismus – und insbesondere das Ausmisten – nicht so exzessiv betreibst, aber in kleinerem Rahmen gilt für jede Tätigkeit, die über einen gewissen Zeitraum konstant zu unserem Leben gehört dasselbe:

Wenn sie geht, hinterlässt sie ein Loch und ehe dieses gefüllt ist, können einige Tage oder Wochen vergehen.

Warum, fragst du dich jetzt zurecht, erzählst du mir das denn alles Marc? Und was hat das mit dem Titel „Was kommt nach dem Aussortieren?“ zu tun?

Gibt es ein „nach dem Minimalismus“?

Wer nach Erfahrungen mit dem Minimalismus sucht, findet den gleichen Text in unterschiedlichsten Formen und Farben: Ich sortiere die Gegenstände x,y und z auf diese und jene Weise aus.

Was aber machen Minimalist_innen eigentlich, wenn das Reduzieren beendet ist. Hören Sie auf Minimalist_innen zu sein? Erlebt der Begriff einen Bedeutungswandel?

Ich stürzte mich tief in meine Gedanken um nach einer Antwort auf diese Frage zu suchen und das Ergebnis sprang mir quasi entgegen: Glück.

Erfreut die Suche so schnell abgeschlossen zu haben, setze ich mich vor meine Kamera, erzähle vom Glück und halte das alles für schlüssig. Erst im Laufe des Tages stelle ich mir die Frage, was denn das für ein Hinweis sei. Natürlich will jede_r immer und überall Glück. Hilft jetzt auch nichts, wenn ich ein esoterisches Hippielied von der Schönheit der Welt singe, wenn du ernsthaft mit der Frage kämpfst, wie der Minimalismus sich praktisch auswirkt, wenn du dein Reduzieren beendest.

An dieser Stelle muss ich Frau Momo von Herzen danken, denn sie hat mich ein wenig geerdet und mir einen Denkfehler vor Augen geführt. Was denn schlimm sei, an Esoterischem und Hippieskem, war ihre Antwort auf meine Schwierigkeit mit der Fragestellung. Und so langsam dämmerte es mir. Meine Abschlussarbeit hatte die Kernenergiedebatte in der BRD während den 1970ern zum Inhalt und ja, unheimlich viele Menschen würden sagen, dass sich zu dieser Zeit irgendwelche Hippies und Idealist_innen an Bäume gekettet haben, ihre Zelte im Wald aufbauten und heile Welt spielen wollten. Mir sollte klar sein, dass das weniger ein Spiel war, als eine permanente Angst um das eigene Leben. Selbst ich, der ich keinerlei Problem mit Hippies habe, bin es durch die gesellschaftliche Prägung gewohnt hinter dem Gerede über Glück nur weltfremden Idealismus zu sehen.

Wie krank ist das eigentlich? Jeder will immer und überall Glück haben, aber wenn wir es uns nicht hart erarbeiten, dann ist es wertlos?

Da liegt auch vor mir noch ein langer Weg.

Ja, es gibt ein „nach dem Aussortieren“!

Nach dem Minimalismus (hier als Aussortieren zu verstehen) kommt meines Erachtens das Glück. Ja, du warst vielleicht vorher schon glücklich und merkst nicht direkt, dass sich etwas verändert hat, aber ich bin davon überzeugt, dass du ein nachhaltigeres Glück kennenlernen wirst.

Aber: Das ist keine Garantie für ewige Glückseligkeit.

Trennungen, der Abschied von geliebten Menschen, Geldnot und Arbeitslosigkeit können dich weiterhin auf die Knie zwingen, aber wenn du gelernt hast, was dich antreibt und zufriedenstellt, dann wirst du besser zurück in die Bahn finden. Du wirst den Schmerz nicht durch Konsum kompensieren und riskieren, dass er wieder ausbricht, sobald dein neuer Besitz zur Gewohnheit geworden ist. Du wirst wieder glücklich werden.

Nicht konkret genug?

Ich kann nahezu spüren, wie deine Stirnfalten sich zweifelnd vertiefen. Um dir und mir zu helfen besser zu verstehen, was dieses „danach“ ist, hab ich mich einmal umgehört und darf voller Freude berichten, dass mir einige tolle Menschen Ihre Meinung zum Thema geschenkt haben. Bei einem abstrakten Thema wie diesem gibt es doch nichts Schöneres als viele Perspektiven, die uns dabei helfen ein eigenes Bild zu formen.

Maria von Widerstand ist zweckmäßig

maria - widerstandistzweckmaessig.wordpress.comFür mich selbst könnte ich nicht sagen, dass ich angekommen bin, obwohl ich schon sehr lange minimalistisch lebe. Mir kommt vor als wäre mein Minimalismus (ich sage bewusst MEIN) wie eine Zwiebel. Sobald ich mich einer Schale entledigt habe, ist da wieder eine andere Schale. Dinge, die vorher wichtig waren, werden durch das Entfernen der oberen Schale plötzlich unwichtig. Es ist als würde sich ständig eine neue Baustelle auftun, wo vorher keine war. Ich denke es hat auch etwas mit der Essenz zu tun, zu der man erst dringen kann, wenn die schützenden Hüllen fallen. Das ist nun weit weg von 2 Sätzen und gibt doch nur in Bruchstücken wider, was ich meine. Es ist eine Entwicklung, es wäre nicht möglich an einer anderen Stelle zu beginnen, weil der erste Schritt zum nächsten führt. Es macht sich auch nicht an der Zahl der Dinge fest, die ich besitze. Vielmehr wird vieles in Frage gestellt und mit der Zeit plötzlich unwichtig, weil etwas anderes an Bedeutung gewinnt. Vielleicht kommen dadurch an einer anderen Stelle sogar mehr Dinge dazu, das kann auch sein. Vor allem beschränkt es sich keinswegs auf Dinge, vielmehr verändert sich auch andere Prioritäten. Es ist ein stückweises Annähern an meine eigene Essenz, die dadurch freigelegt wird. Ein Abschütteln von Konventionen und Pflichten.
– Maria von widerstandistzweckmaessig.wordpress.com

 

Barbara von Frau Momos Minimalismus

FrauMomo | fraumomosminimalismus.chDieser Wunsch nach MEHR. Vielleicht spiegelt er das wachstumsorientierte Denken unserer Leistungsgesellschaft, das wir an allen Ecken und Enden in unsere Köpfe gebimmst bekommen. Weiter, schneller, höher oder mehr. Ich will Wachstum und Leistung nicht per se verteufeln. Ich möchte betonen, dass es oft reicht, einfach zu sein. Minimalismus ist ein konsumkritischer Weg. Und sollte tatsächlich das letzte Buch aus dem Bücherregal verschwunden sein, bleibt eine authentische und an Bedürfnissen orientierte Auseinandersetzung mit allen Formen des Konsums. Das ist eine bereichernde und lebendige Angelegenheit.
– Barbara von FrauMomosMinimalismus.ch

 

Michael von Minimalismus Leben

Michael | minimalismus-leben.deDie wichtige Frage ist doch, wie ich leben will. Ich habe lange Zeit nur vor mich hingelebt und meine Aufgaben wahrgenommen. Dann beginnt man seine Ernährung, seinen Haushalt etc. zu optimieren. Dazu gehört eben auch das Reduzieren. Wir reduzieren aber nicht um des Reduzierens willen, sondern um Zeit für die grundsätzlichen Fragen in unserem Leben zu gewinnen. Was wollte ich immer schon mal machen? Minimalismus bedeutet für mich eine alltagstaugliche Reduktion der Dinge, um das für mich Wesentliche zu finden. Der Minimalismus hat mich die Struktur für mein Leben finden lassen, die das Mentale, nicht das Materielle optimiert.
– Michael von minimalismus-leben.de

 

Frau DingDong von SchwingelSchwingelDingDong

FrauDingDong | schwingelschwingeldingdong.comIch habe letzte Woche meine Mutter beerdigt und dadurch hat meine Geschichte in diesem Jahr eine neue Wendung erhalten. Mein ganzes Leben wurde einmal komplett durchgeschüttelt. Ich musste meine Ordnungs- und Verwaltungstalente einsetzen, um sämtliche Formalitäten zu erledigen und tausend Unterlagen zu ordnen. Der Tod lehrt mich das Leben und stellt ganz einfach für mich fest, was wichtig ist und was nicht. Der Tod stimmt mich nachdenklich, weil für mich das Thema Verlust sehr stark mit Minimalismus zusammenhängt.

Ich lerne viel aus dieser dramatischen Lektion. So viel, dass ich es noch gar nicht in Worte fassen kann.
Nur eines habe ich herausgefunden:
Das Wesentliche am Minimalismus, das, was am Ende übrig bleibt, sind Gefühle. – Frau DingDong von schwingelschwingeldingdong.com

 

Gabi von Achtsame Lebenskunst

Gabi Raeggel achtsame-lebenskunst.deWas kommt nach dem Minimalismus? Hinter all dem entsorgten Gerümpel entdecke ich: Mich selbst, in der Art wie ich ohne die Berge von Kram bin. Vielleicht tauchen alte oder neue Hobbys, Leidenschaften auf. Vielleicht muss ich aber auch erst durch eine Phase von Langeweile durch. Vielleicht gibts das ein oder andere innere Gerümpel, was jetzt sortiert werden muss oder Trauer, Schmerz, Freude, Liebe, die nicht mehr unter einem Konsumberg vergraben sind. Was ich jede/m Einzelnen von uns wünsche ist Neugier, Freundlichkeit und Fürsorglichkeit sich selbst gegenüber und eben solche Aufmerksamkeit auch füreinander. Denn genau das ist es, was kein Krempel dieser Welt bieten kann.
– Gabi von achtsame-lebenskunst.de

Danke Michael, danke Maria, danke Barbara, danke Cloudy, danke Gabi.

Und jetzt du. Was kommt nach dem Reduzieren? Was versteckt sich hinter all den Gegenständen, von denen wir uns trennen?

23 Kommentare zu “Was kommt nach dem Aussortieren? Wir fragen – 5 Minimalist_innen antworten.

  1. Pingback: Was kommt nach dem Aussortieren? Wir fragen – 5 Minimalist_innen antworten. [Gastkommentar auf “Apfelmädchen & sadfsh”] | widerstandistzweckmaessig

    • Hallo!
      Ich finde Minimalismus fängt vielleicht beim Aus- und Aufräumen der Wohnung an, führt aber doch auf jeden Fall weiter. Will ich in den leeren Räumen in Ruhe lesen und studieren oder meditieren oder Filme anschauen oder Feste feiern? Vielleicht will ich auch in eine kleinere, billigere Wohnung ziehen oder ich teile die Wohnung ganz oder zeitweise mit Mitbewohnern? Andererseits kenne ich auch Leute, die schön lägere Zeit gar keine eigene Wohnung mehr haben. Sie leben in möblierten Wohnungen an verschiedenen Orten zur Miete und lernen vieles kennen. Andere Freunde haben zwei Wohnungen in zwei interessanten Orten und sie vermieten immer die Wohnung in der sie gerade nicht sind. Bei diesen Lebensformen ändert sich das Verhältnis zu den Dingen noch einmal tiefgreifend. Mich interessieren Erfahrungen mit solchen Experimenten. Ich selbst habe die Hälfte meiner Wohnung als Arbeitsbereich eingerichtet und kann ohne zusätzliche Mietkosten und ohne Fahrtwege und -kosten selbstständig freiberuflich arbeiten. Dazu ist eine gewisse Disziplin mit den Besitztümern Voraussetzung, aber darüber hinaus wende ich so etwas wie einen konzeptuellen Minimalismus in der Planung der Gesamtsituation an. In der Ernährung heisst Minimalismus für mich einerseits Beschränkung auf pflanzliche Nahrungsmittel und andererseits keine verarbeiteten und möglichst wenig verpackte Lebensmittel zu verwenden. An Zeit und Phantasie spare ich bei der Essensbereitung nicht.

  2. Hallo Marc!

    Ich habe den Beitrag gelesen und dann auch das Video angesehen und je länger ich zugehört habe, desto stärker ist der Gedanke geworden, dass die Fragestellung eigentlich falsch ist.

    Durch diese Fragestellung wird Minimalismus mit „Entrümpeln“ gleich gesetzt, nur so kann es ein „was kommt nach dem Minimalismus“ geben! (Du schreibst es eh im Beitrag auch so rein mit = Aussortieren).

    Aber die eigentliche und für mich in dem Zusammenhang wichtige Frage wäre eigentlich, wie sieht ein minimalistisches Leben aus? Wie lebt es sich minimalistisch?

    Konnte ich mich durch des Reduzieren von meinem Besitz tatsächlich von Sachzwängen befreien? Von der Notwendigkeit 40 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten, wodurch viel zu wenig Zeit für meine Hobbies und für das, was mir wichtig ist, bleibt? Kann ich mich dauerhaft dem Konsumzwang entziehen und nutze ich alternative Möglichkeiten zu Besitz (Tauschen, Teilen, Leihen…)?

    Das ist die entscheidende Frage, kann ich frei und ohne Zwänge über mein Leben entscheiden und das führt direkt zu meinem Spruch des Monats, den ich gestern veröffentlicht habe „reich ist nicht wer viel hat, sondern wer wenig braucht“.

    Minimalismus führt somit nicht zu Verzicht sondern zu Reichtum.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Deine Gedanken kann ich sehr gut nachvollziehen, denn sie sind mir bei der Lektüre bzw. dem Ansehen auch gekommen. Für mich ist Minimalismus eine Art „Mindset“, also eine Einstellung zum Leben und damit weit mehr als „nur“ das Ausmisten. Viele andere sehen das aber ganz anders, daher benutzen wir hier ausnahmesweise diese verkürzte Definition.

      Für mich kommen übrigens nach dem Aussortieren (bzw. schon während dessen) gleichermaßen Freiheit & Verantwortung, denn glücklich war ich schon vorher. Meine Motivation für ein einfaches Leben ist also ein wenig anders als die von sadfsh(Marc). Freiheit = Ich kann freier entscheiden, womit ich meine Zeit verbringen möchte und wie ich meine Energie einsetzen kann. Verantwortung = Ich möchte so leben, dass ich Umwelt/Natur/Mitmenschen nicht ausbeute bzw. ihnen Schaden zufüge.

      Nochmal Danke für deinen Beitrag & liebe Grüße, Svenja (Apfelmädchen)

      • Hallo Svenja!

        Ja, dem kann ich sehr viel abgewinnen und das kommt dem, was ich empfinde sehr nahe!

        ICH sage danke für die Anregung, mich noch einmal mit diesem Thema so intensiv auseinander zu setzen.

        lg
        Maria

    • Hallo Maria,
      du hast natürlich vollkommen recht, dass ich von Anfang an bewusster „Aussortieren“ hätte sagen sollen. Aber da du es angemerkt hast, bin ich froh es nicht getan zu haben, da so nochmal ganz deutlich wird, dass Minimalismus nicht mit Reduzieren gleichzusetzen ist und eine reine Besitzfixierung dem Begriff nicht gerecht wird.

      Liebe Grüße
      Marc

      • Hallo Marc!

        „eine reine Besitzfixierung dem Begriff nicht gerecht wird“ – wunderschön und sehr treffend ausgedrückt!

        lg
        Maria

  3. Hallo Marc und Svenja!

    Ich habe beim Lesen tatsächlich Stirnfalten gehabt, die sich immer weiter vertieft haben. Aber nicht, weil ich dem Ganzen kritisch gegenüberstünde – sondern, weil sich in meinem Kopf ein Denkprozess in Gang gesetzt hat. Ich finde diese Vielfalt an Meinungen, die ihr zusammengetragen habt, toll – so unterschiedlich und in ihrer Essenz doch identisch.
    Viele Erfahrungen habe ich selbst noch nicht mit Minimalismus gemacht – nachdem ich mein ganzes Leben lang jeden Cent umdrehen musste, habe ich bis vor etwa einem halben Jahr geglaubt, der Himmel liege darin, möglichst viel zu besitzen, ergo: Es sich leisten zu können. Mittlerweile habe ich gelernt, dass dem nicht so ist. Ich bin glücklich mit dem, was ich habe und gebe das Geld, das mir zur Verfügung steht, bewusst und reflektiert aus. Aktuell habe ich die „Aussortierphase“ laufen, in der ich mich von Überflüssigem trenne – von allem, was man beim ersten bewussten Durschauen sofort weggeben kann. 12 Umzugskartons sind nun auf diese Weise bereits zusammengekommen – und ich bin noch nicht bei den Büchern und Kleidungsstücken angelangt. Das ist eine sehr befreiende Sache – und auch, wenn die anderen zu Wort Gekommenen recht haben und Minimalismus nicht gleich Aussortieren ist, so ist dieses doch zumindest ein wichtiger Bestandteil bzw. vielleicht sogar der erste Schritt auf dem Weg zum Minimalismus selbst.

    Liebe Grüße und danke für den tollen Beitrag!
    Jenni

  4. Hallo Marc und Svenja,

    Tolle Fragestellung, toller Beitrag!
    Die Frage hat mich ersteinmal erschreckt: wie ein „danach“? Hört man dann auf mit dem Aussortieren? Hoffentlich nicht, dachte ich. Ich sortiere gefühlt seit vier Jahren aus, mal mehr mal weniger. Und ich mag das Aussortieren. Es tut mir gut. So weiß ich, was mir wichtig ist im Leben. Nicht nur im materiellen Bereich sortiere ich aus, was bei mir ankommen darf und was nicht. Brauche ich das? Will ich das? Tut das mir gut? Ich glaube, man nennt das Achtsamkeit. Also bei mir kam nach dem „Hauptentrümpeln“ Achtsamkeit.

    Liebe Grüße sendet Stefanie

    • Hallo Stefanie!

      Dem kann ich viel abgewinnen, Achtsamkeit wurde auch bei mir immer stärker Thema!

      lg
      Maria

    • Hallo Stefanie,
      auch wir sortieren immer mal wieder etwas aus und wenn wir uns der Herausforderung stellen würden nocheinmal 100 Dinge loszuwerden, wäre das sicherlich machbar. Aber verglichen mit vorletztem Jahr z.B. ist das Aussortieren für uns kein alles bestimmender Punkt mehr. Die Prioritäten haben sich deutlich verschoben, daher muss ich dir vermutlich zustimmen, dass es dieses „danach“ eigentlich nicht gibt, weil das Aussortieren nicht zwingend aufhört, sondern nur unwichtiger wird.
      Aussortieren mag ich übrigens auch sehr gern. Am liebsten wenn mir irgendwas auf die Nerven geht. Soetwas wie umgedrehtes Frustshoppen. Auch wenn das rein psychologisch natürlich genau der gleiche Verdrängungsmechanismus ist. Wenn er mir aber hilft die Umwelt zu schützen, statt ihr zu schaden, soll mir das recht sein.

      Liebe Grüße
      Marc

  5. Ich erlebe Ausmisten erst als Leere, dann als neue Freiheit und ganz viele neue Themen kommen in mein Leben. Ich miste schon immer aus, weil ich hochsensibel bin und es einfacher ist, mit wenigen Dingen zu leben. Das Loch nach einem Projekt kenne ich, mache ich heute komplett anders: ich feier das Finale schon so dermaßen ab. Ich freue mich also schon auf die letzten Stunden vom Lektorat meines neuen Buches. Da bin ich total im Flow! Wenn es dann rauskommt, bin ich eher traurig, dass es schon vorbei ist. Ich lebe so 20 %, mache also nur, was mir Spaß macht oder mich weiterbringt und will 100 % Leben einscannen. Lebe sehr intensiv. HSP halt Mein Thema sind aber weniger die Sachen, sondern: Wie will ich leben? Gewohnheiten ändern. Gehirn entrümpeln. Meine Bedürfnisse kennenlernen und mein Leben danach ausrichten. Shoppen mag ich nach wie vor und eine schöne Wohnungseinrichtung ist mir wichtig wo alles zueinander passt farblich. Zu leer stresst mich.

    Lg Tanja

    • Hallo Tanja,
      es freut mich zu hören, dass du für dich eine Möglichkeit gefunden hast, das Loch nach dem Projekt gar nicht erst wachsen zu lassen. Bei mir ist es kurz vor Ende eher Erleicherung als Freude. Selbige stellt sich dann erst eine Weile später ein, wenn ich die Leerphase überwunden habe, aber so doof diese auch ist, immerhin erinnert sie mich daran, dass ich ein Mensch bin. Da gehört mehr zu als Arbeit, aber auch mehr als Friede, Freude, Pfannekuchen. (Ich weiß, der Spruch geht anders : ) )

      Liebe Grüße
      Marc

  6. Ja, das ist einfach eine so spannende Fragestellung! Seitdem ich an einem Gastbeitrag zu dem Thema arbeite (für Gabi :o)), geht mir das immer wieder durch den Kopf. Ich komme momentan so wenig zum richtigen Schreiben, dass ich immer wieder bruchstückhaft etwas notiere.
    Was für mich deutlich wird: Mein ganzes Leben hat sich einfach verändert und es geht mitnichten ums Aussortieren. Im besten Fall ist schließlich irgendwann genug aussortiert (und der Drang lässt dann auch nach, ist übrigens meine Erfahrung!). Ja, ich habe heute ein ganz anderes Lebensgefühl und eigentlich gibt es kein „danach“, sondern ein Hier und Jetzt. Ich lebe immer noch Minimalismus so gut es eben geht (mit Partner und Kind). Für mich ist Minimalismus verbunden mit einem riesengroßen Jasagen (z.B. fürs Kind, für meinen Partner (den möchte ich auch nicht aussortieren), für unseren gemeinsamen Garten (eher unminimalistisch :o)) und einem Neinasgen zu dem, was ich eben nicht möchte. Dieses Hinterfragen ist mir einfach in Fleisch und Blut übergegangen. Ich habe durch das Reduzieren mehr zu mir selbst gefunden, umso mehr ärgert es mich z.B. das ich einzig bei meinem Essverhalten noch keinen Weg entwickeln konnte.
    Liebe Grüße Nanne

    • Hallo Nanne,
      unser Drang hat auch nachgelassen. Das sehe ich sehr positiv, weil es dafür sprechen dürfte, dass wir äußerst zufrieden sind. Es ist sicher kein Zufall, dass wir beide in einer doofen oder stressigen Zeit das Gefühl bekommen, wieder etwas aussortieren zu wollen.
      Und ich bin mir sicher, du bekommst den Minimalismus mit Mann und Kind großartig hin. Vielleicht gibt es 1-2 Ecken, die jetzt voller sind, aber manchmal geht das einfach nicht anders. Wer dir deshalb die minimalistische Ader direkt absprechen möchte, der hat glaube ich noch nicht ganz verstanden, worum es eigentlich geht.

      Wir haben unser Essverhalten ja schonmal relativ kurzfristig und radikal geändert. Wenn wir dir irgendwie helfen können oder mal über 1-2 Möglichkeiten nachdenken sollen, die sich für dich umsetzen lassen, dann sag uns einfach bescheid : )

      Liebe Grüße
      Marc

      • Danke für das total nette Angebot, vielleicht komme ich mal drauf zurück. Momentan habe ich das Gefühl auf einem guten Weg zu sein, evtl. hatte ich vor zwei Tagen endlich den Durchbruch, was das Thema angeht.

  7. Ich stimme Maria da in allen Punkten zu: Ausmisten und Minimalismus sind für mich nicht dasselbe. Folglich gibt es zwar nach dem Ausmisten ein danach, aber kein „nach dem Minimalismus“. Der Hang mancher Minimalisten bzw. der Medien Minimalismus immer an einer bestimmten Anzahl an Dingen festzumachen hat mich von Anfang an gestört. Ich will mich nicht nicht als am Weg des Minimalismus sehen, nur weil ich näher an 10.000 als an 100 oder 1.000 bin.

    Genauso wie Maria werden Sachen mit der Zeit oft unwichtig. Was beim letzten Mal noch von essentieller Bedeutung war, verliert nach und nach an Wert für einen selbst.

    Ich stelle mir mittlerweile auch lieber die Frage: wie kann ich mein Leben entrümpeln? Was belastet mich und warum? Die Arbeit an der eigenen Psyche ist wohl der schwierigste Teil dieses Weges, gehört für mich aber genauso mit dazu. Auch wenn es manchmal eine Überwindung sein kann, sich selbst kennen zu lernen und mit Normen brechen zu müssen.

    Liebe Grüße, Daniela

    • Hallo Daniela,
      die Beschäftigung mit uns selbst kann wirklich schwierig sein. Die Situation eignet sich gut, um auf einen von Michaels letzten Blogbeiträgen hinzuweisen, in dem es darumging, wie wir mit schwierigen Lebensphasen umgehen: http://www.minimalismus-leben.de/lebenskrisen-ueberwinden/. Dadurch habe ich mir auch nochmal neue Gedanken gemacht, wie ich eigentlich mit unterschiedlichen Situationen umgehe.

      Manchmal ist es glaub ich auch so, dass wir einen Zufall benötigen, der uns in die richtige Richtung schauen lässt. Bei uns waren dies 2-3 Bücher, die Svenja für ein Uniseminar lesen musste. Vor 10 Jahren hätten wir, insbesondere ich, niemals gedacht, was für Menschen wir heute sind, aber hier sind wir: glücklich, zufrieden, anders als wir es uns mal vorgestellt haben.

      Ich wünsche dir ganz viel Bewusstsein und alle Kraft, wenn das nächste Mal eine Überwindung ansteht
      Marc

  8. Toller Beitrag bzw. eine ganz eigene Kategorie innerhalb des Minimalismus. Da ich selbst seit 2006 dem Gedanken des Minimalismus ganz konkret folge, werde ich mir auch einmal darüber meine Gedanken machen. Wobei ich Maria aus ihrem Eingangsbeitrag unbestritten Recht geben muss. Minimalismus ist wie das Schälen einer Zwiebel. Derzeit befreie ich mich z.B. immer mehr von meinem smartphone. Das wäre noch vor einem Jahr undenkbar gewesen. Daher ist es wirklich fraglich, ob man als Minimalist jemals sein Ziel erreicht. Vielleicht ist das aber auch gar nicht nötig bei einer Lebenseinstellung ein Ziel zu erreichen.

  9. Hallo alle zusammen.

    ich finde, man kann Minimalismus von verschiedenen Richtungen angehen. Eine ist von außen nach innen, heißt ich fange an zu entrümpeln, verspüre Erleichterung, setze mich daraufhin mit Minimalismus auseinander und entwickle ein Bewusstsein dafür. Eine andere ist, ein Bewusstsein dafür zu haben, entsprechend das Bedürfnis nach mehr Einfachheit zu verspüren und dann das Umfeld danach zu gestalten. Nur, um mal zwei Möglichkeiten zu nennen.

    Dabei muss Ausmisten gar nicht zwingend auf dem Programm stehen. Für mich bleibt es weiterhin Bestandteil. Das Hauptentrümpeln mag zwar vorbei sein, aber ich möchte ja auch Instand halten: Also nichts unliebsames mehr dazu kommen lassen – sowohl auf materieller als auch immaterieller Ebene. Und genauso betrachte ich ja weiterhin, was mir Mehrwert bietet und was nicht – was sich gelegentlich auch im Laufe der Zeit ändert.

    Liebe Grüße,
    Philipp

  10. Hallo ihr Lieben,
    ich beginne gerade erst mich mit dem Thema Minimalismus auseinanderzusetzen. Des Interesses wegen und weil – Ich komme eigentlich aus dem Ernährungs-, Fitness- und Psychologiebereich – die Menschen vollgestopft sind mit Massen von Informationen, Klamotten, unnötigen Terminen und Dingen, die vollkommen unwichtig sind für das eigene Leben. Demnach finde ich das Thema Minimalismus sehr spannend. Und genau diese Frage: „Was kommt danach?“ habe ich mir schon oft gestellt. Das ist wie: „Was ist, wenn ich mein Wunschgewicht erreicht habe“, „Wenn ich meinen Traumberuf habe.“, „….meinen Traumman habe“ – was wird als nächstes perfektioniert?
    Man muss generell sehr vorsichtig sein, damit jedes Projekt nicht zu einer Sucht wird. Das geht schneller, als man denkt. Ich hatte kurzzeitig meine Wohnung so mega ordentlich und clean, dass ich jetzt wieder Freude daran habe hier rumzusauen und nun das Aufräumen minimiere. 1x/Woche wird nun alles auf Vordermann gebracht. Dazwischen heißt es : Chillen. 🙂 Dafür minimiere ich nun meinen Kleiderschrank. 😀

    Liebe Grüße aus Berlin,
    Catharina

  11. Pingback: Das halbvolle Glas sehen oder ein Plädoyer für Kompromisse | Apfelmädchen & sadfsh

  12. Ein sehr schönes Video, das genau auf die Frage eingeht, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Was, wenn alles minimalisiert und entrümpelt ist? Was kommt dann?
    Natürlich kann man Minimalismus nicht auf das reine Entrümpeln (und insofern auf den Begriff „Besitz“) reduzieren. Im realen Leben wird es aber oft getan: weil es so einfach ist. Ich entrümpele, schon bin ich Minimalist… aber so ist es nicht.
    Ich habe bei „meinem“ Minimalismus eine eher praktische Einstellung. Mich interessiert dabei mehr, wie ich durch eine minimalistische Lebensweise etwas für meine Umwelt tun kann, durch mein Kaufverhalten bestimmte nachhaltige Produzenten unterstützen kann – so dass durch mich nicht so viel Müll und Umweltverschmutzung entsteht.
    Sehr viel mehr („persönliches Glück“ und solche schwer fassbaren Ding mit Esoterik-Einschlag^^) muss ich damit nicht unbedingt erreichen. Wenn es klappt: um so besser. Aber ich bin eigentlich mit meinem Leben „so“ schon recht zufrieden.
    Insofern: für mich ist beim Minimalismus der Weg das Ziel – und es geht immer weiter 😉
    Liebe Grüße!
    Susanne

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