Digitaler Minimalismus (Das #Miniplausch-Protokoll) | Apfelmädchen
Minimalismus

Digitaler Minimalismus (Das #Miniplausch-Protokoll)

Am Donnerstag Abend haben wir den dritten Miniplausch, dieses Mal zum Thema digitaler Minimalismus, zelebriert. Wir bedanken uns bei den vielen aktiven Teilnehmer_innen für ihre Ansichten und Gedanken. Für alle, die nicht dabei sein konnten, gibt es heute eine Zusammenfassung. Möchtest du lieber die Originalantworten nachlesen, suche auf Twitter einfach nach #Miniplausch und scrolle dich durch die Tweets.

1. Kurzes Stimmungsbild. Hast du schon mal über Digitales und Minimalismus nachgedacht? Welcher Aspekt interessiert dich?

Ordnung, so ergab es unser Stimmungsbild, spielt bei vielen eine große Rolle. Auf dem PC findet man sich leicht in einer Situation wieder, in der man immer mal wieder ein Programm runterlädt, Bilder abspeichert oder sich Lesezeichen für interessante Artikel erstellt. Schafft man es nicht innerhalb der nächsten Tage oder Stunden diese entsprechend aufzuarbeiten, wächst der Datendschungel ständig an, bis er uns überwältigt und wir ihn links liegenlassen. Ob man es Minimalismus nennt oder nicht, sich Gedanken zu machen, welche Dateien wie strukturiert werden und was man wirklich braucht und nicht nur hat, weil man es vor 3 Jahren mal probieren wollte, ist ein wichtiges Thema für fast alle Diskussionsteilnehmer.

sadfshs Befürchtung: Soviele Ordnungsnerds! Wie soll ich den Abend bloß überstehen?
Apfelmädchens Lieblingswort des Abends: Hamsterspeichern – eine Kreation von Sunray

2. Wie gehst du mit dem unendlichen Speicherplatz um? Alles sichern oder trotzdem bewusst auswählen?

Bei diesem Punkt begannen die Meinungen weiter auseinander zu gehen. Viele der Teilnehmer_innen sind so rigoros im digitalen Aufräumen und Löschen, dass sie den Speicherplatz gar nicht registrieren. Sie kommen niemals in die Nähe diesen zu füllen, aber so mein toller Einwand, da es heutzutage soviel ist, werden sie auch nie von technischen Begrenzungen unter Druck gesetzt. Vielmehr sind sie absolut frei in der Entscheidung, wann es zuviel wird. Andere Personen nutzen den Speicherplatz um eingescannte Dokumente aufzubewahren, die dafür aus den echten Regalen verschwinden können. Wieder andere nutzen den Platz rigoros und machen sich, solang er vorhanden ist, wenig Gedanken darüber wieviel digital gelagert wird. Stetiges Aufräumen = Zeit, die man lieber anderweitig nutzt.

sadfshs Annahme: Ich erkenne einen klaren Zusammenhang zwischen unserem Online-Verhalten und der Vorbereitung auf die Zombie-Apokalypse. Noch belächeln wir unsere amerikanischen Freunde, wenn wir in Film oder TV sehen, wie sie vor einem Unheil in Panik ausbrechen und alles einkaufen, was das Land hergibt. Aber unser Hamsterspeichern digitaler Erzeugnisse sensibilisiert uns für den Moment, in dem auch wir Hamsterkäufe tätigen werden müssen!

Apfelmädchens Gedanken: Interessant, wie diese Freebie-Mentalität aus der Offline-Welt (kostenlose Kugelschreiber, Taschentücher und anderer Kleinkram) sich auch im Netz immer mehr durchsetzt. Fast jede Seite bietet mittlerweile etwas an, um so eine Bindung zu möglichen Kund_innen aufzubauen.

3. Hat sich durch deine Beschäftigung mit Minimalismus dein Umgang mit dem Internet oder/und Smartphone verändert?

Nicht ganz unerwartet, aber dennoch recht kurios, waren die Antwort auf diese Frage. Viele der Anwesenden waren ohnehin recht ordnungsliebend und hatten keine Unordnung auf dem PC. Aber auch am PC kann man merken zuviel zu haben. Drei Programme, die prinzipiell den gleichen Zweck erfüllen, wurden ausprobiert, aber die beiden ungeliebten nicht gelöscht. Hier kam es zu Veränderungen. Beim Nutzungsverhalten hatte der Minimalismus eher entgegengesetzte Auswirkungen. Kaum jemand hatte zu Beginn Menschen in seiner Nähe, mit denen die Themen besprochen werden konnten und hier bot das Internet so unglaublich viele Möglichkeiten sich zu informieren und auszutauschen, dass der Internetkonsum stellenweise zunahm. Die Reaktionen schwankten zwischen mit der Zeit wieder reduziert und das ist total okay, denn es macht mir Spaß und bereichert mein Leben.

Minimalistischer Lifestyle: In öffentlichen Nahverkehrsmitteln ist der Verzicht auf das Smartphone das Statussymbol des Minimalisten. Nimmt nur niemand so wahr.

Interessante Erkenntnisse: Fast alle haben sich mit der Zeit von Benachrichtigungen auf dem Smartphone verabschiedet. Ständiges Blinken und Töne – da sind wir uns einig – lenken einfach zu sehr ab. Auch Newsletter werden sehr kritisch eingestuft.

4. Nutzt du (bezahlte) Online-Dienste wie Spotify, Netflix oder Skoobe als Alternative zum Besitz im Regal?

Napster (wusste gar nicht, dass es das noch gibt), iTunes, Spotify, Youtube, Netflix, Scribd, Kindle App, Google Music, Amazon Prime.

sadfshs Kommentar: Alles Nerds diese Minimalist_innen!
Apfelmädchens Kommentar: Statt Inbox Zero gibt es auch Cloud Zero, d.h. die bewusste Reduktion von Daten, die online gespeichert werden.

5. Bonusfrage zum Abschluss: Social Media – Fluch oder Segen?!

Soziale Medien sind schwierig. Sie erlauben uns Kontakt zu Menschen, die unsere Interessen teilen, denen wir aber nie begegnet wären. Dadurch bereichern sie unser Leben. Wir hören aber auch Klagen, dass man unliebsame „Freunde“ nicht mehr wirklich los wird. Bei Facebook die Freundschaftsabfrage eines alten Klassenkameraden ablehnen? Das ist so unnett und wir müssen uns ja nicht schreiben. Sind wir höflich oder ehrlich?
Und was, wenn uns beruflich die Teilnahme an den Netzwerken vorgeschrieben wird? Kann man sie rein professionell nutzen oder fühlt man sich schnell gezwungen auch private Anfragen immer wieder zu beantworten, obwohl man lieber telefonieren würde, der andere dafür jedoch nie Zeit hat?
Auch Gruppenzwang wurde genannt. Der gesamte Freundeskreis haust in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe. Erträgst du das ständige Piepsen von Tiervideos oder katapultierst du dich mit deiner Ablehnung dieses Mediums aus dem näheren Bekanntenkreis?

sadfshs Urteil: Freiwillige und bewusste Teilnahme an sozialen Netzwerken ist häufig lebensbereichernd. Sobald aber die ersten Anflüge von Zwang kommen, wird die „Leistung“ und Freude stark sinken. Insbesondere bei Bekanntschaften, die auch im echten Leben regelmäßig gepflegt werden können, kann der zusätzliche digitale Kontakt schonmal zu Überdruss führen.

Apfelmädchens Verwunderung: Es gibt tatsächlich noch Menschen ohne E-Mail-Adressen. In meiner Generation fast unvorstellbar.

Bis zum nächsten Mal!

Ich hoffe, die kleine Zusammenfassung hat dir einen Einblick in unser Gespräch zum Digitalen Minimalismus verschaffen können. Vielleicht magst du beim nächsten Mal auch teilnehmen! Wir werden wie immer rechtzeitig hier auf dem Blog ankündigen, wann wir uns zum nächsten Mal treffen. Jetzt wünschen wir dir erstmal ein schönes weiteres Feiertagswochenende.

9 Kommentare zu “Digitaler Minimalismus (Das #Miniplausch-Protokoll)

  1. Klasse Zusammenfassung – herzlichen Dank!

  2. Ein freudscher Verleser, der inhaltlich auch korrekt gewesen wäre:

    Es gibt tatsächlich WIEDER Menschen ohne E-Mail-Adressen. In meiner Generation fast unvorstellbar.

  3. Hallo Svenja und Marc!

    Vielen Dank für die Zusammenfassung der Themen, finde ich sehr interessant!

    Ich selbst bin auch noch nie an die Grenzen der Kapazitäten gestoßen. Auf meinem Laptop nutze ich noch nicht einmal die Hälfte des möglichen Speicherbereichs. Das größte Datenvolumen machen Bilder aus, die ich selbst fotografiert habe.

    Hamsterspeichern kenne ich schon auch. Vor allem Handarbeitsanleitungen 😉

    Über das Einscannen von Unterlagen habe ich schon mal nachgedacht, aber es ist mir echt schade um die Zeit.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      wir digitalisieren unsere Unterlagen auch nicht, sortieren aber regelmäßig durch und lagern alles in so was ähnlichem wie Hängemappen in einer großen Kiste. So ist alles an einem Ort und nach einem System sortiert, das wir beide gerne benutzen. Da bleibt das Ablegen etc. nicht an einem von uns hängen 🙂

      Frohe Ostern, Svenja (Apfelmädchen)

  4. Eine sehr gute Zusammenfassung, danke Marc!
    Eine Kleinigkeit wünsche ich mir noch: Magst du mir meinen richtigen Namen wieder verpassen? ;D -> „Apfelmädchens Lieblingswort des Abends: Hamsterspeichern – eine Kreation von Sabrina“ <- aka Sunray ;D *hihi* Danke! 🙂

  5. Tolle Zusammenfassung, ich hab es leider wieder verpasst gehabt.
    Ich bin in der Kategorie ordentlich angesiedelt, was ich nicht brauche wird sofort wieder
    gelöscht, Sammelwut hab ich am PC noch nie gehabt, selbst Bilder werden regelmäßig
    gesichtet und Gnadenlos aussortiert. Programme die ich nicht mehr brauche oder die
    doof waren werden sofort Deinstaliert. Auf dem Desktop sind nur die wichtigsten Verknüpfungen. Auf dem iPad das gleiche Spiel, alles nicht benutzte sofort weg damit und die Apps die vom System her nicht gelöscht werden können, sind in einem Ordner mit Namen „Nö“ drin 😀
    Smartphone hab ich nicht, nur ein ganz normales Handy ohne Internet, das langt. Wenn ich unterwegs bin will ich meine Umwelt sehen und nicht mit der Nase am Bildschirm kleben.
    Bei sozialen Netzwerken bin ich auch „fies“ 😀 egal wer wenn er mich nervt oder sich ohne die geringste Regung nur in meiner Freundesliste befindet fliegt er raus. Da ist mir auch egal ob das Familie oder nur Bekannte sind. Wenigsten einmal im Jahr hätt ich schon gern eine Regung sonst kann ich auf diesen „Freund“ auch getrost verzichten. Aber sonst bin ich ganz lieb 😀

    Papiere einscannen da halte ich es wie ihr und Maria, lieber in Papierform und regelmäßig aussortieren, das mit dem Scannen ist mir zu umständlich da mein Papieresystem schon vor dem digitalen Zeitalter super funktioniert hat.

    Ich wünsche euch noch schöne Ostern
    LG
    Aurelia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.