Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt (und was du dagegen machen kannst) | Apfelmädchen & sadfsh
Achtsamkeit Sport

Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt (und was du dagegen machen kannst)

Der Frühling ist wieder da und mit ihm die Erinnerung an unsere Neujahrsvorsätze. Dieses Jahr etwas fitter werden, am besten einfach ein wenig anfangen zu laufen und dann klappt das schon. Solange ich nur dranbleibe und nicht während der ersten Woche aufgebe, hab ich die ersten 5 Kilogramm quasi schon automatisch runter.

Aber Moment!

So einfach geht das mit dem Anfangen nicht. Kann ich ohne Pulsuhr überhaupt laufen oder ist es zu gefährlich meine Herzfrequenz nicht zu wissen? Und diese alten Schuhe müssen zwangsläufig zu einer Verletzung führen im Gegensatz zu den dickgepolsterten Hochglanzlaufschuhen der Branchenführer, oder? Halbe Dinge mache ich dieses Jahr nicht, schließlich posten die Kollegen die Laufanalysen ihrer Smartphone-Apps in unseren WhatsApp-Gruppen und einige laufen auf Strava ganze Strecken gegeneinander.

Ich war gestern auch laufen, gute Runde, auch wenn der Winter natürlich Spuren hinterlassen hat.

Ja… das wird nicht ziehen. Dann kann ichs auch gleich komplett lassen.

Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt

Die beschriebene Situation ist reine Fiktion, aber ich bin mir sicher, dass irgendjemand diese Gedanken dieses Jahr schon gedacht hat. Ich bin auch nicht komplett unschuldig, denn wenn ich die ersten Runden eines neuen Jahres laufe, a) überschätze ich meine Kräfte = laufe zu schnell los und b) möchte ich mir selbst beweisen, dass dieses Jahr das sportlich beste aller Zeiten wird. Für mich relativ wichtig ist, dass ich rein intrinsisch motiviert bin und nur auf mich selbst achte.

Sind andere Menschen schneller? Ja, natürlich. Die meisten sogar. Ich laufe gern, aber nicht sonderlich gut.

Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt (und was du dagegen machen kannst) | Apfelmädchen & sadfshWarum diese Erkenntnis wichtig ist? Ich gehe in meiner Freizeit laufen und ich tue dies nicht nur, weil ich abnehmen möchte, sondern weil ich in den vergangenen Jahre enorm viel Spaß am Laufen entwickelt habe. Ich liebe es die Augen zu schließen und den Frühlingswind in meinem Gesicht zu spüren, ich genieße es im Wald über Pfützen zu springen und an einem geeigneten Ast für einen Klimmzug hochzuspringen. Ich ziehe einen Kilometer vor Ende meiner Laufrunde meine Sandalen aus und beende die Runde barfuß, spüre die Welt unter meinen Füßen, lerne mich selbst besser kennen. Jede einzelne dieser Tätigkeiten macht mich langsamer, die meisten davon machen mich dreckiger und alle machen mich glücklicher.

Bis ich zu dem Schluss gekommen bin, dass ich meinen Lauf so gestalten kann wie ich möchte, ohne Intervalltraining, Steigerungsläufe und Sprints einzubauen, hat es eine Weile gedauert. Versteh mich nicht falsch, Wettkampf ist etwas Tolles und Großartiges. Wären hunderte von Generationen vor uns keine Kämpfer gewesen, wären wir heute nicht hier, um uns über Kampf und Müßiggang zu unterhalten.

Unsere Gesellschaft bringt uns bei, dass wir immer die besten sein müssen und uns jederzeit selbst optimieren sollten (, was natürlich mit teuren Hilfsmitteln viel besser funktioniert). Im Zweifelsfall sind auch schon die Hälfte der Menschen in unserem Umkreis einen Marathon gelaufen und das sollten wir doch auch schaffen, oder nicht? Marathon – der Familienausflug unserer Generation. Somit laufen wir zu keinem Zeitpunkt des Jahres aus reiner Freude, sondern wir sind immer am Trainieren.

Der Leistungsgedanke ist in der Freizeit angekommen.

Zwischen Spaß und Zwang

Gelegentlich vermischen sich auch das Training und die Arbeit. Auf den ersten Blick sieht das sehr positiv aus. Als Firmenteam am städtischen Radrennen teilnehmen? Die Trainingsfahrten sind eine tolle Maßnahme zum Teambuilding, vielleicht spendiert das Unternehmen sogar eine ärztliche Untersuchung um Risiken auszuschließen und dafür gibt es extern tolle Werbung, da das Team eine gute Arbeitsatmosphäre und leistungswillige Kollegen präsentieren.  Eine klassisches win-win-Situation.

Nicht immer.

Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt (und was du dagegen machen kannst) | Apfelmädchen & sadfshDu bist bekannt dafür in deiner Freizeit gerne radzufahren, tust es aber, um den Kopf freizubekommen, alleine zu sein oder dich an der Natur zu erfreuen? Was sagt es über dich aus, wenn du die Einladung in das Team ausschlägt? Vermutlich leidet das Ansehen bei Freunden und Kollegen. Über die Stellung in der Firma brauchen wir gar nicht erst reden: Andere Kollegen wollen von Beginn an das Gesicht der Firma sein, zeigen Führungsstärke und beweisen Belastbarkeit. Aus potenziellen 5 Beförderungskandidaten werden so ganz schnell 4.

Haben wir die Stärke ehrlich in dieser Situation zu sein? Können wir die Freude am Sport beibehalten und unser neues Trainingsumfeld als Gruppe von Freunden begreifen oder steht in unserem Kalender ab diesem Zeitpunkt jeden Tag 8 Stunden Arbeit + 2 Stunden Assessment Center, was uns in den Wahnsinn treibt?

Eventuell schreiben wir den Marathon in den Lebenslauf und bekommen den nächsten Job genau deswegen oder werden beim nächsten Schützenball als erstes zum Tanz aufgefordert, weil wir unsere Großartigkeit bewiesen haben. Etwas aus Spaß tun, was man auch als Wettkampf betreiben kann? Ein Zeichen von Schwäche und Unangepasstheit.

Lass uns von Kindern lernen

Muss das so sein? Solange wir klein sind, wir kennen es von herumtobenden Kindern in der Nachbarschaft oder bei Spaziergängen, laufen wir Menschen fast immer und überall. Wir haben Spaß daran uns in unserer Umwelt zu bewegen, testen mal wie weit wir laufen können, ein anderes Mal wie schnell wir eine vorgegebene Strecke überwinden und wieder ein anderes Mal nehmen wir es gar nicht als Laufen war, weil wir eigentlich versuchen jemanden zu fangen. Wenn es mal notwendig ist, zählen wir unsere Zeit grob im Kopf mit, aber meistens fangen wir beim Wettlauf mit einem Freund schon während des Schlussspurts zu lachen an, wenn wir ungefähr gleichauf sind und beide zeitgleich so langsam die Kräfte verlieren.

Klar existiert der Wettkampfgedanke hier, aber auf eine viel direktere Art.

„Ich häng dich heute wieder ab“, ist eben doch etwas anderes als „in deinen Appwerten habe ich gesehen, dass deine Durchschnittsgeschwindigkeit beim 5 Kilometerlauf ja immer noch unter 7km/h liegt.“

Wie oben angedeutet habe ich nichts gegen den Wettkampfgedanken und ich selbst neige dazu mich öfters mal mit ihm zu motivieren, aber was wir uns selbst versuchen als Hobby zu verkaufen, ist häufig nichts anderes als Selbstoptimierung zur sozialen Behauptung.

Wie unsere Identität uns zum Laufen bringt

Jetzt sagst du vielleicht, dass du dich gut davon abschotten kannst, was andere Menschen von dir denken, insbesondere, wenn du grade die frische Waldluft in der Nase hast und den Tau auf den Blättern bestaunst. Es ist toll, wenn du einem solchen Ritual, achtsam deine Umwelt zu beachten, beim Laufen nachgehst, aber es funktioniert nicht immer. Warum das so ist? Weil es sich oft nicht dauerhaft mit unserer Identität vereinbaren lässt.

Ja, was hat denn das nun wieder mit meiner Identität zutun?

Ganz einfach gesagt, setzt unsere Identität sich aus zwei Faktoren zusammen: Der Eigen- und der Fremdwahrnehmung. Und wenn diese beiden Faktoren nicht übereinstimmen, kann uns das bedrücken, zweifeln lassen und auch dazu antreiben mehr Wettkämpfe zu bestreiten – um die eigene Vorstellung unserer Identität zu schützen.

Denken alle über dich, dass du ein hervorragender Läufer bist, während du selbst das Gefühl hast aktuell sehr durchschnittliche Leistungen zu bringen, versuchst du immer mehr immer schneller zu tun, denn ein guter Sportler zu sein ist durchaus erstrebenswert. Und wenn du dich entscheiden musst, dich etwas mehr anzustrengen oder dir Schwäche einzugestehen und allen anderen, die viel von dir halten, zu sagen, dass du bestimmte Dinge nicht kannst, wählst du die erste Option als Weg des geringsten Widerstandes.

Bist du mit deinen Leistungen hingegen zufrieden, wirst aber angestachelt, dass du das gar nicht beweisen könntest, weil dich noch niemand dabei beobachtet hat, wirst du widerum an Gruppensport, Turnieren oder Wettkämpfen teilzunehmen, um darzulegen, dass du kein bloßer Angeber bist.

Kurz- und vielleicht auch mittelfristig ist es nicht allzu schwer die Gedanken anderer zu ignorieren, doch ein dauerhafter Konflikt von Eigen- und Fremdwahrnehmung kann uns stark belasten.

Wie soll ich denn das Laufen jetzt noch genießen?

Lass mich bitte noch einmal feststellen, dass ich nichts gegen Wettkämpfe habe. Eventuell sind sie dein Leben oder dein Beruf, dann wirst du einen möglichen äußeren Druck als konstruktive Kraft für den Schaffen wahrnehmen. Bist du aber Freizeitläufer, dann fordere dich selbst heraus, laufe mit anderen um die Wette, genieße es dich außerhalb deines Berufes mit deinen Mitmenschen oder Fremden aus dem Internet zu messen, aber mache dir auch immer wieder bewusst, dass es manchmal notwendig ist einen Gang zurückzuschalten.

3 Vorschläge für achtsames Laufen:

Dir fällt es schwer einfach so langsamer zu machen? Probier es einmal so:

1. Laufe ohne Equipment. Im besten Fall auch ohne Handy, aber wenn du unwirtlichen Wald durchläufst und im Notfall jemanden anrufen können möchtest, dann sei es dir gestattet : )

2. Laufe um kein Schlagloch und keine Pfütze herum, sondern springe, wenn sie nicht zu groß sind, über alle rüber. Wenn du im Wald bist und kreuz und quer läufst, um jede Pfütze mitzunehmen umso besser. Das gibt unseren Knien und Füßen auch mal eine andere Belastung und stärkt das Körpergefühl.

3. Suche dir einen Schmetterling, der neben oder vor dir herfliegt und versuche sein Tempo mitzugehen. Je nachdem wie das Tier zum Wind steht, wird es einen langsamen Schritt vorgeben oder dich sprinten lassen. Und wenn er dich zurückgelassen hat und davongeflogen ist, staune wie stark und schnell diese winzigen Tiere sind!

Ganz grundsätzlich: Mache einmal alle 1-2 Wochen Sport um des guten Gefühles und der Natur wegen. Ansonsten verlängern wir unseren Arbeitstag künstlich um weitere zwei Stunden und wundern uns irgendwann, warum der Stress schon wieder Überhand gewonnen hat.

Bist du selber Läufer_in und kennst diesen Optimierungsdrang? Oder ist Sport für dich frei vom Wettbewerbsgedanken? Ich freue mich über deine Erfahrungen in den Kommentaren!

14 Kommentare zu “Wie der Wettkampf unsere Freizeit übernimmt (und was du dagegen machen kannst)

  1. Hallo Svenja,

    toll, wie Du diesen Beitrag geschrieben hast. Du hast vollkommen recht damit, das selbst eigentlich nur sogenannte Freizeitläufer immer schneller, weiter länger als die meisten wollen. Ich kenne das nur zu gut. Ich laufe für mein Leben gern. Am liebsten jeden Tag, und das schon seit etlichen Jahren. Ab und zu nehme ich noch an Laufveranstaltungen „Wettkämpfen“ teil. Aber nur just for fun , die Zeit ist für mich nicht so wichtig.
    Am meisten genieße ich meinen Morgenläufe für mich alleine. Das Gefühl für mich in der Natur alleine zu sein, im Rhythmus der Jahreszeit, die Umwelt ganz bewusst wahrzunehmen, Pflanzen und Tiere zu sehen, und dabei die Stille um mich herum….. ich glaube das hat Suchtpotenzial. Nach den ersten paar Kilometern habe ich meistens das Gefühl, das Körper und Geist von einander getrennt sind. Ich spüre gar nicht mehr die eigentliche Laufbewegung, die frei gesetzen Endorphine lassen mich nur noch glücklich sein. Die besten Ideen und Gedanken sind so schon entstanden. Manchmal kann ich mich im Nachhinein noch nicht mal genau erinnern, welchen Weg ich genommen habe.

    Zur Ausrüstung sind mir Deine Beispiele mit high – tech und so nur zu gut bekannt. Aber geht auch durchaus ganz einfach. Man braucht schon mal überhaupt keinen Pulsmesser, geschweige denn, so was mit Track-Aufzeichnung für den PC. Dein Körpergefühl sagt Dir schon rechtzeitig, was zu viel ist und schaltet einen Gang runter. Das Handy halte ich meistens auch für überflüssig. Außerdem brauchst Du dann im strömenden Regen auch noch eine Tüte, damit es nicht nass wird. Bei Hitze kann man es leicht tot schwitzen… Wenn ich meine langen Läufe starte, nehme ich schon mal meinem Mann zuliebe das Handy mit, (kann ja mal was sein…) aber es ist lästig.
    Die Schuhindustrie redet uns Läufern gerne ein, dass man alle 800 km neue braucht. Angeblich wegen der Abnutzung, alles Quatsch. Ich selber laufe mit ca. 8 bis 10 Paar verschiedenen Schuhen über zig Jahre. Allerdings wechsle ich jeden Tag, damit sich die Muskulatur nicht an ein bestimmtes Gefühl gewöhnt. Der Schuh kann in Ruhe lüften und ist nach ein paar Tagen wieder einsatzbereit. Barfuß laufen ist auch schön, geht aber nur für kurze Wiesen und Waldstücke, die Verletzungsgefahr ist für Long jogs zu groß.
    Übrigens wird bei Wettkämpfen unverschämt viel Müll produziert. Bei der Startnummernausgabe kriegt man sofort eine Werbetüte mit „Schrott“ in die Hand gedrückt. Während des Laufs ist meistens alle 5 bis 10 Kilometer ein Verpflegungsstand. Dann werden großzügig beim Laufen die Plastikbecher zur Seite geworfen….
    Im Ziel gibt’s dann irgendeine Finisher Medaille + Urkunde. Meistens werden auch noch teure Zielfotos angeboten.
    Bevor ich mich für so eine Veranstaltung entscheide, überlege ich immer, ob die Sache mit auch wirklich das teure Startgeld wert ist.
    L.G.
    Bärbel

    • Hallo Bärbel,
      ich bin zwar nicht Svenja, aber da ich den Artikel trotzdem geschrieben hab, übernehm ich für sie mal die Antwort. ; )

      Ich find es ganz witzig, dass du von der Stille um dich herum sprichst, denn ganz häufig habe ich das gegenteilige Erlebnis. Ja, es ist sehr ruhig, aber wenn ich mich wirklich auf den Moment konzentriere, höre ich plötzlich ein Rascheln zwischen den Bäumen, Vögel unterschiedlichster Art, ein Rauschen in den Baumkronen.
      Im Gegensatz zu dir nehme ich die Laufbewegungen sehr deutlich wahr, primär allerdings, weil ich mit meiner Technik nicht so zufrieden bin und aktiv spüren möchte, was gut funktioniert und was nicht.

      Was Pulsmesser angeht bin ich zwiegespalten. Sie sind toll, wenn man mit niedriger oder hoher Intensität trainieren möchte und einfach auch genauer als unser Gefühl. Wie oft habe ich beim Laufen schon versucht gleichzeitig Herzschläge und Sekunden zu zählen, um eine grobe Ahnung über meinen Puls zu erhalten. Aber ja, häufig ist es für mich persönlich egal und ich bin glücklich in den Wald hineinzublicken als ständig auf die Uhr zu schauen.
      Mit dem Handy halte ich es wie du. Im Normalfall sage ich Svenja, welche Strecke ich plane und ab welcher Zeit sie anfangen darf sich Gedanken zu machen (üblicherweise bei Laufzeit + 60/90 Minuten, weil es selten ist, dass ich spontan soviel weiterlaufe/-fahre ohne Getränke.). Auf dem Rad stecke ich das Handy schon ganz gern ein, falls ich wirklich weit weg mit einem nicht reparierbaren Rad im Nichts ende und Hilfe/ein Taxi brauche. Vor 5 Jahren ist es mir einmal passiert, da musste ich barfuß 5 Kilometer schieben, weil die Radschuhe zum Gehen zu unbequem waren. Danach plagten mich allerdings 2-3 Blasen.

      Ich bin beeindruckt, dass du täglich deine Schuhe wechselst. Ich laufe zuhause nur barfuß rum und wenn ich Schuhe trage, dann eigentlich seit 12 Jahren dieselben mit sehr dünnen Sohlen. Die spüre ich nahezu gar nicht, weshalb ich sie als sehr angenehm empfinde. Ganz davon ab, dass ich für mein Empfinden ohnehin zuviele Schuhe habe : )

      Vielen Dank für deine vielen spannenden Gedanken und einen schönen Start ins Wochenende
      sadfsh (Marc)

  2. Ach, ein wahnsinnig toller Beitrag. Zum Glück bin ich von Natur aus unsportlich genug, dass mir die Maßstäbe anderer Leute schon immer zwangsweise egal sein mussten… 😉
    Als ich vor zwei Jahren das erste Mal mit dem Laufen angefangen habe, war ich stolz auf alles mögliche: ich halte jetzt 3 Minuten am Stück durch, jetzt 5, jetzt 8 und und und. Irgendwann war ich so weit entspannt 45 Minuten laufen gehen zu können! Und dann kam der Winter mit seiner Dunkelheit und einem vollen Stundenplan. Ich hab es einfach nicht mehr geschafft regelmäßig laufen zu gehen, weil ich alleine im Dunkeln auch einfach nicht laufen gehen mag.
    Mittlerweile gehe ich wieder ab und zu, aber meine Motivation ist absolut im Keller, weil ich so unfassbar unzufrieden mit meiner „Leistung“ bin. Was ein Blödsinn.

    Zum Glück kam jetzt dein Beitrag. Motivation ist jetzt schon wieder besser, denn eigentlich gehe ich ja auch laufen, weil ich die Bewegung an der frischen Luft mag! 🙂

    • Hallo Vera,
      ich finde es sehr inspirierend, dass du es schoneinmal durchgehalten hast trotz der anfangs sehr kurzen Laufzeiten immer weiterzumachen, weil es dir Spaß macht. Den Winter kennen sicherlich viele von uns als Problem und eventuell hilft dir zum Anfang ein kleiner Perspektivenwechsel? Nach vielem Laufen im letzten Jahr, war ich im vergangenen Monat auch nicht so zufrieden, hab dafür aber wieder viel Spaß am Radfahren entwickelt. Da hatte ich aus dem letzten Jahr fast keinen Referenzwert und konnte ganz ohne Druck drauf losfahren.

      Hoffentlich bleibt die Motivation vorhanden und du genießt dieses Jahr noch viele schöne Läufe
      sadfsh (Marc)

  3. Ich finde diesen Beitrag sehr gut und wichtig. In meiner Kindheit/Jugend habe ich drei Sportarten abgebrochen, weil sie früher oder später auf Wettkämpfe hinausliefen und ich dazu gedrängt wurde, mich konstant zu vergleichen. Das ist so ziemlich dumm, ein Kind, dass Bock auf Bewegung hat, so zu verdrängen und die, die dableiben, auf Leistung abzurichten. Das versaut mir ziemlich die Freude am Sport und ich glaube nicht, dass ich da alleine bin.

    Auch in manchen Yogakursen ist mir so eine Wettkampfmentalität schon begegnet. Schlimm.

    Nach wie vor komme ich mit diesen Vergleichen gar nicht klar. Im Gegensatz zu dir würde ich also sogar sagen: Doch, ich hab schon etwas gegen Wettkämpfe allgemein. Aber am schlimmsten sind sie in Lebensbereichen, in die sie einfach nicht hineingehören.

    • Hallo Sabrina,
      alleine bist du ganz bestimmt nicht, auch wenn ich vermutlich nicht jeden Gedanken ganz nachvollziehen kann. Ich hab ziemlich viele Sportarten gemacht und sowohl Training als auch Wettkampf haben mir meistens Spaß bereitet. Aber es stimmt sicherlich, dass langfristig nur die im Verein geblieben sind, die auch den Wettkampf wollten, während Personen mit viel Freude, aber geringen Ambitionen in diesem Sektor des Lebens relativ schnell gegangen sind. Ist natürlich auch nicht so toll für das eigene Selbstverständnis, wenn man etwas gern macht und wie alle anderen mit zum Wettkampf kommt, dort aber eben nur auf der Bank Platz nimmt.

      Ich habe vor einigen Jahren an der Uni mal einen Tanzkurs gemacht. Da gab es glaub ich so gar keinen der Wettkampfgedanken gehegt hat. Das war toll.
      Wie genau schlägt sich Wettkampf in Yogakursen denn nieder? Meine Erfahrungen beruhen ja nur auf ein paar Heimversuchen und da ich versucht hab bestimmte Positionen x Atemzüge zu halten, frage ich mich, welche Möglichkeiten sich ergeben besser zu sein? Flexibilität des Körpers, Perfektion der Figuren etc?

      Liebe Grüße
      sadfsh (Marc)

  4. Lieber Marc,

    du hast hier einen großartigen Artikel produziert!
    Immer mehr habe ich das Gefühl, dass Fitness nicht nur Trend, sondern viel mehr nur ein Mittel zum Zweck ist. Und der Zweck ist es, das Statussymbol Körper in Richtung Optimum zu schinden. Das hat mit Spaß an Bewegung selten etwas zu tun.
    Ich jogge nicht. Es ist eine Bewegung, die ich als sehr unnatürlich empfinde: zu schnell, um sie lange durchzuhalten, zu langsam, um wirkliches rennen zu sein. Irgendwie ist es frustrierend und langweilig. Das ist auch eine wichtige Botschaft deines Posts: mache nur den Sport, der sich gut anfühlt und dir Freude macht. Statt mich zum Joggen zu quälen oder wie im Sportunterricht auf dem Stufenbarren oder an der Tischtennisplatte zu leiden, habe ich nun viele Sportarten entdeckt, die ich liebe. Pilates, Yoga, Shorinji Kempo, Inlineskaten, Eislaufen, Schwimmen, Zumba. Man muss nur den Sport finden, der einen begeistert und schon fällt es leicht, sich regelmäßig zu bewegen, man hat regelrecht den Drang dazu.
    Statt durch die Natur zu joggen benutze ich dazu gern meine Inlineskater und liebe das gleitende Gefühl der Fortbewegung. Damit bin ich auch schon mehrere Male einen Halbmarathon geskatet – weil es mir Spaß gemacht hat und ein tolle Erlebnis war. Um die Zeit ging es nie.
    Denn wenn eine Sache nach acht Semestern Medizinstudium klar ist, dann dass die 41 Kilometer durchgehendes Laufen des Marathons unglaublich viel mehr Komplikationen haben können als man sich vorstellen möchte. Sobald man sich quält und Schmerzen hat, sollte einem klar sein, dass die Grenze der positiven Wirkung des Sports erreicht ist. Wenn es aber nicht darum geht, den Sport zu genießen und sich damit etwas Gutes zu tun, sondern bestimmte Zielwerte zu erreichen, ignoriert man gerne die Signale des Körpers und schadet ihm.

    Deine Barfußschuhe/Sandalen auf dem Bild finde ich sehr sehr spannend! Habt ihr darüber vielleicht zufällig schon einmal berichtet?

    Ganz liebe Grüße,

    Apfelkern

    • Hallo Apfelkern,
      vielen Dank für das große Lob.

      Es freut mich, dass ich mein Gefühl nicht nur dem Laufen, sondern jeglichem Sport gegenüber etwas vermitteln konnte. Vermutlich ist eines unserer größten Probleme, dass wir einen Sport beginnen und sollten wir diesen nicht genießen, sagen wir uns nicht „Laufen ist doof, ich probiere jetzt XYZ“, sondern „Mir tut beim Laufen etwas weh, ich habe die halbe Stunde nicht genossen, also wird es bei sämtlichen anderen Sportarten ebenso sein.“ Dabei bin ich überzeugt, dass jeder Mensch eine Art der Bewegung findet, die ihn glücklich macht. Wir müssen eben nur danach suchen und uns nicht entmutigen lassen, wenn wir der einzige Mensch in unserem Bekanntenkreis sind, der Ausdauer-HulaHoop betreibt.

      Im Ignorieren körperlicher Signale bin ich relativ gut, allerdings passiert es eher aus aktiver Absicht, als aus Unaufmerksamkeit. Ich höre dich und meinen Hausarzt schimpfen, aber manchmal brauch ich das eben.

      Zu meinen Sandalen habe ich noch nichts geschrieben. Würde dich ein bestimmter Aspekt interessieren?

      Ich wünsche dir einen wunderschönen Start in die neue Woche
      sadfsh (Marc)

      • Hallo Mark!

        Ausdauer-HulaHoop klingt tatsächlich nach einem Sport, den ich wirklich gern probieren würde. Ernsthaft! 🙂

        Zu den Sandalen wüsste ich gern, wie es sich darin läuft. Lassen sie Fußbewegungen wie das Einrollen der Zehen zu und machen sie mit oder ist die Sohle starr? Spürt man dadurch steinigen Boden? Schneiden die Riemen ein oder ist der ganze Schuh instabil?
        Ich liebe es, barfuß Sport zu machen und Sportarten wie Yoga oder Kampfsportarten ermöglichen das zum Glück. Barfuß Joggen scheitert oft schlichtweg daran, dass Müll in der Natur liegt, Hundehaufen und Zigarettenstummel (WIESO denken Raucher eigentlich, die Welt wäre ihr Aschenbecher?!) den Weg dekorieren oder der Untergrund einfach aus spitzen Steinen besteht. Mit einem Schuh, der die Bewegungsfreiheit des nackten Fußes bietet und gleichzeitig vor Dreck und potentiell verletzenden Objekten schützt, könnten Laufsportarten im Freien doch Spaß machen.

        Ich würde mich wirklich freuen, einen Erfahrungsbericht zu den Schuhen zu lesen!

        Liebe Grüße,

        Apfelkern

      • Hallo Apfelkern,
        nach reichlicher Überlegung und einem kaputten Tagesrhythmus bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich derzeit keinen Beitrag zusammenbekomme, daher gibt es (viel besser) einen megaindividuellen Kommentar nur für dich : )

        1. Einrollen der Zehen / starre Sohle
        Nach Empfehlung des Herstellers (Luna Sandals) habe ich eine Schablone ausgedruckt, um die richtige Größe zu finden. Die Sohle geht schon ein wenig über meinen Fuß hinaus, daher kann ich meine Zehen einrollen, sie hängen ja ohnehin ohne Einschränkung im Freien, die Sohle wirst du damit aber maximal etwas nach unten drücken. Die Bewegung macht sie nicht mit. Für mich war sehr positiv, dass ich bei den ersten Versuchen ein sehr lautes Platschen beim Auftreten erzeugt habe, weil die Sohle einfach auf den Boden fiel. Je mehr ich mich an das neue Gefühl und das neue Laufen gewöhnte, um so ruhiger (lies: schonender) wurde mein gesamter Stil. Eines meiner Probleme ist, dass ich gelegentlich mit der Spitze der Sandale im Boden hänge. Ich stolper dann nicht, sondern es ist ein kurzer Widerstand von 0,5 Sek ehe die Sohle wieder unten den Fuß klappt, aber ich vermute, dass dies weniger an einer potenziell falschen Größe liegt, als vielmehr an meiner Angewohnheit den Fuß nicht ausreichend zu heben.

        2. Spürt man steinigen Boden?
        Man spürt den Boden definitiv, das ist ja auch das Ziel des „Schuhs“. Bei großen oder spitzen Steinen wirst du einen Sekundenbruchteil einen erhöhten Druck feststellen, allerdings gibt der Fuß nach, sodass es nicht zu einem Schmerz kommt. (Bei mir gilt das für Steine, die geschätzt bis 1cm spitz aus dem Boden ragen. Ohne Spitze können sie auch etwas weiter aus dem Boden ragen ohne Schmerzen zu verursachen.) Wurzeln etc wirst du spüren, als wärst du barfuß unterwegs, nur das der Schmerz fehlt. Einige Male hab ich die Sandale ausgezogen, um meine Runde barfuß zu beenden und da sind die Füße natürlich empfindlicher. Vllt kann man sagen, dass die Sandale wie dicke Hornhaut wirkt.

        3. Schneiden die Riemen? / Ist der Schuh instabil?
        Ich kann keine Flipflops tragen. Es schmerzt zu sehr zwischen den Zehen. Bei der Sandale ist es so, dass ich beim Gehen (schlechter Gehstil vermutlich) ein ungemütliches Gefühl empfinde. Beim Laufen merke ich von den Riemen zwischen den Zehen überhaupt nichts. Das Schnürsystem ist gleichzeitig so gut, dass man niemals befürchtet den Schuh zu verlieren. Zu meiner Überraschung hielt dieses Gefühl auch beim Sprinten, was problemlos geht.
        ABER: Die richtige Einstellung zu finden, dauert ein wenig. Die ersten Male mit den Sandalen war ich ca. 1 KM draussen und habe alle 100 Meter die Einstellung der Riemen verändert, bis ich nach 3-7 Läufen wirklich zufrieden war. Falsche Einstellung resultiert in einem Scheuern des vorderen Riemens, in einer Schiefstellung der gesamten Sandale, sodass im schlimmsten Fall ein Zeh auf der Seite über die Sandale hinaushängt oder einer zu locker sitzenden Sandale, die bei Bodenunebenheiten stark verrutscht. Korrekt eingestellt sitzt die Sandale fest am Fuß und ist kaum merkbar.

        Für den Anfang wird empfohlen nur ein Zehntel der gewohnten Strecke zu laufen, um den Fuß nicht zu überfordern. Das passt meines Erachtens sehr gut und entsteht allein dadurch, dass man anfangs viel Zeit mit der richtigen Einstellung verbringt. Ich habe meine Distanz aber relativ schnell wieder gesteigert und kann nach einem halben Jahr mit eher wenigen Laufeinheiten problemlos die gleichen Distanzen wie zuvor laufen.
        Trägt man im Winter genug Kleidung, damit der gesamte Körper bedeckt ist, kann man auch um 0°C in den Sandalen laufen, da der Körper sich dann vollends darauf konzentrieren kann nur die Füße zu wärmen. Ist aber sicher auch eine Geschmackssache.

        Gleichzeitig würde ich dir empfehlen, wenn es für eine Strecke von 500-1000 Metern die Möglichkeit gibt, dennoch mal barfuß zu laufen. Mich macht das Gefühl nahezu euphorisch. Je nach Untergrund brennt es bei mir beim Laufen etwas unter dem Fuß, sobald ich aber wieder zuhause bin, fühlen sich Füße und Waden unendlich entspannt an.

        Ich hoffe dir einige der Fragen ausreichend beantwortet haben zu können. Sollten noch andere Fragen offen sein oder ich irgendwas unbefriedigend beantwortet haben, frag einfach weiter : )

        Ich wünsche dir eine schöne weitere Woche
        sadfsh (Marc)

  5. Hey Marc,

    also Marathon hin oder her, aber ich laufe trotzdem für mich. 🙂 Und der einzige mit dem ich wirklich in Wettkampf trete, bin ich selbst, wenn ich mich darüber ärgere, mein angestrebtes Pensum nicht zu schaffen.

    Sportliche Wettkämpfe mit anderen sprechen mich persönlich überhaupt nicht an – auch nicht auf Vergleichsebene, ob ich mithalten kann. Gerade das fand ich bei der Atmosphäre eines Marathons ja so schön: Dass es eben das nicht gab.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp,

      vielleicht habe ich dem Marathon etwas unrecht getan, denn ich kenne wohl Erzählungen und Bilder von all den Menschen, die es einfach tun, um Spaß zu haben, Geld für gute Zwecke zu sammeln etc. Aber irgendwie glaube ich halt auch, dass diejenigen, welche im Umfeld dieser Menschen leben dann schon spüren könnten: verdammt, die haben das so einfach aussehen lassen.
      Aber das Gefühl muss man vermutlich einfach abschütteln.

      Danke, dass du deinen Eindruck von den (nicht-)Wettkämpfen mit uns geteilt hast. Ich wünsche dir einen schönen Feiertag
      Marc

  6. Hallo Marc,
    ein wirklich toller Beitrag, in dem ich mich nicht nur selbst wiederfinden konnten, sondern der auch wunderbar zu lesen ist. Ich war eine Zeit lang auch diesem Optimierungswahn verfallen, bin 3-4 Mal die Woche für jeweils fast 1 Stunde gelaufen und fand mich am Ende genauso unzufrieden zurück wie vorher. Ich hatte zwar abgenommen, aber der Preis war einfach zu hoch. Ich musste mich einfach zwingen, um mich überhaupt in irgendeiner Art körperlich zu betätigen. Heute bin ich gelassener, habe wieder Spaß an langen Spaziergängen oder mit dem Rad die Einkäufe zu erledigen. Achja, und laufen gehe ich immer noch. Nur eben 1-2 Mal in der Woche und dann auch nur für 20 Minuten. Und das genieße ich richtig. Vorallem nach einem langen Arbeitstag!
    Liebe Grüße,
    Sarah

    • Hallo Sarah,
      danke für deine Nachricht. Es freut mich sehr zu hören, dass du für dich nun eine gute Mitte gefunden hast. Bei mir funktioniert das derzeit über das Ausprobieren neuer Dinge – speziell Barfußlaufen. Als ich letztens mit Svenja laufen war und sie auf einem dünnen Gehwegstück vorgelaufen ist, hab ich mich schnell und unbemerkt für die letzten 500 Meter meiner Laufsandalen entledigt und bin barfuß zuende gelaufen. Das entspannt die Beine ganz wunderbar, sollte bei meinem Trainings- und Erfahrungsstand aber nicht für längere Strecken benutzt werden.
      Ich glaube man kann für sich selbst sehr viel erreichen, wenn man mal die Perspektive ändert. Mein Papa zum Beispiel ist immer Rennrad gefahren und hat irgendwann angefangen mit dem MTB Späße zu machen. Auf der Stelle stehen, hüpfen und sowas. Da kann man die leistung nicht allzugut mit Zahlen messen, aber es bringt nochmal eine ganz neue Sichtweise ein und erweitert den eigenen Horizont.

      Liebe Grüße auch an dich
      Marc

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