Was uns die #Konsumauszeit über unsere Gesellschaft beibringen kann | Apfelmädchen & sadfsh
Minimalismus Nachhaltigkeit

Was uns die #Konsumauszeit über unsere Gesellschaft beibringen kann (+ eure Stimmen)

Während sich die Gedanken in Apfelmädchens Gehirn zum Thema Konsumauszeit mit jedem Tag und jeder neuen Information mehr verknoten, hat sadfsh sich entschlossen ein erstes Fazit zu unserer November-Challenge zu ziehen. Herausgekommen ist dabei eine Mischung aus eigenen und fremden – nämlich euren – Stimmen, die einer erstaunlichen Breite von Aspekten Ausdruck verleihen. Vielen Dank für den tollen Austausch unter den Beiträgen und in den Sozialen Netzwerken, der von euren ehrlichen und konstruktiven Kommentaren lebt.

Ein Monat Konsumauszeit ist vorbei und mich persönlich hat sie überrascht. Wie schon häufig genug erwähnt, kaufen wir nach der jahrenlangen Auseinandersetzung mit Minimalismus und Nachhaltigkeit im Alltag ohnehin nicht sonderlich viel ein, sondern achten auf unsere Bedürfnisse und die Langlebigkeit der Produkte. Folglich hatte ich keine großen Erkenntnisse erwartet, sondern den Monat pragmatisch gesehen.

Warum überhaupt verzichten?

Sicherlich schadet es nicht, sich ganz grundlegend darüber klar zu werden, warum wir Menschen überhaupt auf Konsum verzichten wollen bzw. müssen.

1. Ein möglicher Grund auf Konsum zu verzichten ist, um weniger Geld zu verbrauchen bzw. auf etwas zu sparen. Das ist wirklich ganz allgemein gedacht. Für einige Menschen kann dies bedeuten, Geld für eine Yacht anzuhäufen, während andere überlebensnotwendige Ausgaben wie die Nahrungsmittel des nächsten Monats in Gedanken haben können.

2. Der zweite Grund, den ich häufig sehe, ist die Einschränkung des Konsums als Aktion gegen die Verschmutzung der Erde mit Müll, CO² etc. So kennen wir etwa den Verzicht auf (Einweg)Plastik, den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung und den steigenden Fleischverbrauch oder auch die Auseinandersetzung mit der Bekleidungsindustrie, die zunehmend auf Fast Fashion setzt.

Ich halte es da absolut mit Isabells Beobachtung. Die Konsumauszeit ist ein Hilfsmittel, „[d]amit nicht ein für mich unnützes Ding, das mit bestimmten Kosten aus bestimmten Ressourcen hergestellt wurde, bei mir zuhause einfach herumliegt. Mich dann vielleicht sogar belastet, weil ich es nicht verwende. Für das ich am Ende dann neben dem Geld, das ich ausgegeben habe, nochmal Energie aufwenden muss, um es wieder loszuwerden.

Ohnehin ist es unheimlich wichtig mit der richtigen Mentalität an verschiedene Projekte, wie auch die Konsumauszeit heranzugehen. Daija, mit Inspiration von Maria, hat das viel schöner zusammengefasst, als ich es hier könnte:

„Achtsam und umweltbewusst leben ist kein Wettbewerb. Wir können nicht über andere urteilen, weil wir ihre Lebenssituation nicht kennen. Bei diesem Experiment ging es mir darum, im Konsumverzicht ein Mehr zu finden, kein Weniger.“
– Daija: Ein Monat #Konsumauszeit – mein Fazit.

Wie fest ist Konsum in unserer Gesellschaft verankert?

Tja, was soll ich sagen? Ich habe die Rechnung ohne unsere Gesellschaft gemacht, in welcher der Konsum einen elementaren Teil des Seins ausmacht. Wir müssen nicht einmal teilhaben wollen, aber diverse Umstände (und unsere jahrelange Übung) können uns ganz einfach dazu „überreden“, für einen Moment von unserem Vorhaben abzusehen. Toll zu sehen ist dieser Umstand bei mir zu Monatsanfang, als ich mit meinem Kaffee vermutlich das erste Opfer der Konsumauszeit wurde oder erst jetzt im Anblick der Weihnachtsmärkte, auf denen die Chaoskämpferin sich „eine Tüte gebrannter Mandeln gegönnt [hat] und diese umklammernd dann stoisch an allen weiteren Konsumverlockungen vorbei marschiert [ist].

Das wiederum widerspricht Frau Momos These, „dass Konsum oft als eine Art Kompensation für subjektives Unwohlsein herhält und dass es einem deshalb nach einem Konsum (zumindest kurzfristig) besser geht.“ In der Mitte scheint mir die Wahrheit zu liegen. Frustessen oder -kaufen ist ja nicht erst seit gestern ein Thema in unserer Gesellschaft, aber auch ohne Frust ist es möglich, etwas zu erwerben. Wobei ich mir gerne die Frage gefallen lasse, ob der zweite Band einer Buchserie oder das neue Issue eines Comics gekauft werden, weil man Spaß daran hat oder ob man damit dem Frust vorbeugt, keine Kenntnisse über den Fortgang der Geschichte zu haben. Den Punkt würde ich unheimlich gerne noch weiterdiskutieren, wobei wir aber nie aus den Augen verlieren sollten, dass es letztendlich um unser Wohlbefinden geht und wir uns nicht alles schlecht reden müssen.

Überall auf den Blogs konnten wir außerdem rege Diskussionen lesen, inwiefern immaterieller Konsum, also Aktivitäten oder die Teilnahme an sozialen Medien, Teil der Konsumgesellschaft ist und in welche Abhängigkeiten wir uns dabei begeben. Umso wichtiger, wenn wir uns nicht in einer Liste restriktiver Tätigkeiten verlieren, sondern merken, weshalb wir den Austausch mit anderen so sehr genießen. Danke, dass du uns alle daran erinnerst, Fräulein Cookie.

„Mir ist im letzten Monat einiges bewusst geworden, was zum einen mein Kaufverhalten angeht – dass ich (natürlich) vieles eigentlich gar nicht wirklich brauche – aber auch in meinem Umgang mit Social Media. Bei letzterem hätte ich gedacht, dass ich vor allem merke WIE abhängig ich bin. Was ich aber stattdessen erfahren habe: Wie sehr mir die Menschen darin fehlen, wenn ich so gar nichts von ihnen höre. Und das war irgendwie auch schön zu merken.“
– Fräulein Cookie: Rückblick: #Konsumauszeit.

Was bedeutet brauchen?

Was uns zurück zu der Frage bringt, was wir eigentlich brauchen und wie sich dieses (individuelle) Maß bestimmen lässt. Mehr als einen ganzen Beitrag haben wir dieser Frage gewidmet, die auch euch – die anderen Teilnehmer_innen, sichtlich beschäftigt hat. Immerhin „haben [wir] in unserer industrialisierten Konsumgesellschaft die Möglichkeit weit mehr zu besitzen, als wir benötigen.“ In Woche 3 schrieb Apfelmädchen in diesem Zusammenhang folgendes:

„Ist Brauchen alljenes, das unserem Überleben dient und alles darüber hinaus ist „nice to have“ (schön zu haben)? Oder ist Brauchen ein Standard, der die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe sicherstellt, also z.B. auch ein Besuch im Kino, ein funktionierender Computer mit Internetzugang etc? Und ist Brauchen folglich durch die jeweilige Bezugsgruppe oder -gesellschaft definiert?“
– Apfelmädchen in Warum Minimalismus Armut nicht verhöhnt

Hinweis: Speziell auf diesen Punkt möchte das Apfelmädchen in einem Beitrag in der nächsten Woche noch genauer eingehen. Schaut dafür einfach nächste Woche Dienstag wieder auf dem Blog vorbei!

Und was bleibt am Ende als Erkenntnis?

Nach vier Wochen Konsumauszeit bewegen wir uns gestärkt mit neuem Elan in die Richtung, für die wir uns schon vor Jahren entschieden haben: auf einem Weg mit stark eingeschränktem und veranwortungsvollerem Konsum, der die Tatsache achtet, dass alles, was wir konsumieren, von (anderen) Menschen und mit Rohstoffen unseres Planeten hergestellt wurde.

Schließen will ich daher mit einem Zitat aus dem Text „Sich konsumieren lassen„, den Steffi auf ihrem Blog Fieberherz veröffentlich hat: „Das, was ich konsumiere, hat begonnen, mich zu konsumieren. Der Versuch, Konsum irgendeiner Art und Weise zu instrumentalisieren, um mehr Zufriedenheit zu erreichen, hat das Gegenteil bewirkt. Und darunter leidet das Vermögen, Gutes zu erkennen und zu schätzen. Damit meine ich nicht nur Gutes im Umfeld, sondern Gutes an der eigenen Person.“

3 Kommentare zu “Was uns die #Konsumauszeit über unsere Gesellschaft beibringen kann (+ eure Stimmen)

  1. karlkloesschen

    Viele schöne Gedanken – ich vermissen den: Konsum ist auch helfen!
    Dazu muss ich aber mich vor dem Konsum mit dem Konsum ausein-
    andersetzen – weggucken, verweigern, ist nach meinem dafür Halten
    nicht die Lösung, sondern ein kritischer Ansatz: unterstütze ich mit
    meinem Kauf eine Idee (Werkstätten), die eine Verlangsamung verur-
    sachen, fördere ich damit eine Ansatz (Sharing, upcycling, fairness)
    oder sage ich bewußt zu einem Konzept NEIN!, zu Massentierhaltung,
    Resourcenverschwendung, Wegwerfgesesllschaft! Und was mache ich
    mit der „gestohlenen“ Energie: behalte ich diese ganz egoistisch für mich
    oder mache ich damit anderen ein Geschenk, indem ich spende, mich
    betätige, für einen bestimmten Zweck.

    Verzicht ist für mich also das besinnen auf das Wesentliche bei gleichzeitigem
    Bewußtsein für die Bedeutung, die dieser für andere hat!

    Umlenken, statt umkehren!

    • Hallo karlkloesschen,

      vielen Dank für deinen Hinweis auf diese Art des Konsums. Wir haben darüber gestern eine ganze Weile gesprochen und waren uns wiedereinmal sehr unsicher an welcher Stelle Grenzen gezogen werden müssen. Mal angenommen wir alle würden nur noch regional und fair konsumieren, was würde dann beispielsweise aus Entwicklungsländern werden? Wäre es okay, dass wir uns zurückziehen oder hat der Westen sich durch jahrzehntelange Ausbeutung der dortigen Verhältnisse eine Schuld aufgeladen, die dortige Situation langfristig verbessern zu müssen, statt sich zurückzuziehen?

      Und was, wenn wir nicht nur das Zwischenmenschliche beachten, sondern auch die Umwelt im Blick haben? Lass mich am Beispiel von Kaffee erklären, was ich meine.
      Ich kaufe einen Kaffee aus Guatemala, Peru oder Costa Rica (Die Standorte habe ich von einem Anbieter der fairtrade-Kaffee anbietet.) und bezahle dafür einen weitaus höheren Preis, als es in deutschen Supermärkten üblich ist. Dieses Geld kommt tatsächlich auch bei den Kaffeebauern an und dadurch müssen die Kinder der Familie nicht mehr frühzeitig ins Arbeitsleben einsteigen, sondern können die Schule bis zum Abschluss besuchen und danach ein Studium beginnen. Jedes dieser Kinder könnte die Welt voranbringen, indem es eine Heilmöglichkeit für Krebs, eine neue Art Energiespeicher oder sonstetwas erfindet. Gleichzeitig wird beim Kaffeeanbau eine riesige Menge an Wasser verbraucht und durch den notwendigen Transport über eines der Weltmeere bis zu mir in die Küche, werden stand Heute enorme Mengen an Kohlenstoffdioxid verbraucht, welche daran teilhaben können, dass die Philippinen im Wasser untergehen, welches durch das Schmelzen des Permafrost freigesetzt wird. An einem Ort habe ich Familien geholfen, an einem anderen geschadet.

      Ich unterstütze deine Ansicht vollkommen, dass richtiger Konsum noch viel wichtiger ist, als gar kein Konsum. Und jeder Anfang bei unseren naheliegenden Konsumgewohnheiten ist ein enormer Schritt vorwärts. Die Kartoffeln vom Hofbauern nebenan sind lecker, warum welche aus dem Supermarkt nehmen, die aus Bayern hergefahren wurden? Aber relativ schnell erreichen wir den Punkt an dem wir uns fragen müssen, ob wir einen Vorteil sehen oder um weitere zwei Ecken denken, um uns mit den Schwierigkeiten unserer Ideen zu konfrontieren.

      Da der status quo jedoch, gesamtgesellschaftlich betrachtet, noch ganz anderer Art ist, können wir das sicher als Prozess begreifen, innerhalb dessen wir jeden einzelnen Schritt, der möglich ist, zeitnah vollziehen und unsere Gedanken wachsen lassen. Deine Gedanken zu dieser Frage der internationalen Solidarität würde mich unheimlich interessieren.

      Viele Grüße sadfsh

  2. Ich habe nicht an der Konsumauszeit teilgenommen, aber einfach mal ein bisschen genauer hingeschaut, wie und was ich denn so konsumiere. Ergebnis: ich gönne mir derzeit eine E-Book-Ausleih-Flatrate, ansonsten Essen und Trinken. Sonst gab’s nichts, was angestanden hätte. Konsumieren und irgendwelchen Trends hinterher zu laufen, finde ich so endlos mühsam, stressig und zeitverschwendend, dass ich keine Lust drauf habe. Außerdem sehe ich nicht ein, warum ich angesichts von Resscourcenverschwendung, Ausbeutungen in Blliglohn-Ländern, etc. etc. das noch durch meinen Konsum unterstützen sollte.

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