Minimalismus Nachhaltigkeit

Konsum verändert nicht die Welt

An dieser Stelle möchte ich kurz ein sehr interessantes Interview vom ENORM Magazin mit Michael Kopatz kommentieren, das einige Punkte zur Sprache bringt, die mich im Moment ebenfalls beschäftigen. Hat jemand von euch das besprochene Buch „Ökoroutinen“ schon gelesen?

Hier zunächst der Link zum Interview: “Konsum verändert nicht die Welt.”

Auf die Frage, ob es nicht zu einfach sei, die Konsument_innen von der Verantwortung für unsere Umwelt freizusprechen, antwortet Kopatz:

„Ich bin müde davon, mir anzuhören: Jeder muss nur das Richtige tun, dann wird sich alles ändern; wenn alle bio kaufen, wird auch nur bio produziert. Das höre ich jetzt seit 30 Jahren, aber in der Praxis klappt es nicht. Die Menschen haben nur theoretisch die Macht, Systeme durch andere Konsumgewohnheiten zu verändern. Wir scheitern an uns selbst.“ (Michael Kopatz, www.enorm-magazin.de)

Lustigerweise habe ich für eine seiner weiteren Aussagen sogar vor einigen Wochen einen Begriff „erfunden“: aufgeklärter Konsum. Das beschreibt den Zustand, wenn wir nicht-nachhaltig, nicht-sozial etc. konsumieren, OBWOHL wir es eigentlich besser wissen (müssten). Wenn wir also ein neues T-Shirt für 5€ kaufen, weil wir es „brauchen“ und uns zuhause dann eine Doku über Ausbeutung in der Bekleidungsindustrie ansehen. Die Zustände finden wir alle „ganz schlimm“ und nehmen uns vor es beim nächsten Mal auf jeden Fall „besser“ zu machen. (Lies: Wir = die Mehrheit der Mitglieder unserer Gesellschaft)

„Provokant gesagt haben die letzten 30 Jahre Umweltbewegung, -information und -bildung dazu geführt, dass wir mit schlechtem Gewissen Auto fahren oder fliegen. Aber substanziell ist an vielen Stellen nichts passiert.“ (Michael Kopatz, www.enorm-magazin.de)

Genau mit diesem Unterschied zwischen Wissen und Handlung beschäftigt sich übrigens ein Teil der Umweltpsychologie, in die ich mich seit Kurzem vermehrt einarbeite. Und auch in dem Buch „Grundkurs Nachhaltigkeit“ aus dem Oekom-Verlag, durch das ich mich ganz aktuell blättere, wird diese Systemlücke beschrieben:

“Doch spezifisches Wissen allein reicht noch nicht aus: Um Intentionen tatsächlich in Handlungen umzusetzen, also die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken, muss prozedurales und konzeptuelles Handlungswissen (Wissen, das zur Optimierung von Handlungsabläufen befähigt) vorhanden sein.” (Blessing, Kathrin, Hutter, Claus-Peter und Köthe, Rainer, Grundkurs Nachhaltigkeit, oekom Verlag, 2012, S. 13)

Die Fragen, die sich uns also vermehrt stellen sollten, lauten vielleicht: Wie können wir ein generelles Umdenken herbeiführen? Einen echten Paradigmenwechsel? Was ist zu tun, damit wir nicht nur mehr über nachhaltiges Handeln wissen, sondern es tatsächlich in möglichst vielen Bereichen leben. Es quasi automatisch die Richtung für unser Handeln vorgibt?

Und ich meine damit übrigens nicht solche kleinen Alltagsfragen, sondern große Entscheidungen (z.B. Heizungsstandards für Häuser, Energienutzung in großen Firmen, allgemeines Flugverhalten etc.)

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

2 Kommentare zu “Konsum verändert nicht die Welt

  1. Sandra Naaf

    Ich bin erst heute auf deinen Blog gestoßen und finde ihn sehr lesenswert. Der Titel des Artikels „konsum-Verändert nicht die Welt“ bring das eigentliche Problem der derzeitigen Wirtschaftlogig auf den Punkt (nämlich, dass es „nachhaltiges Wirtschaften“ eigentlich nicht gibt (dazu interessanter Artikel http://www.zeit.de/2012/35/Paech-Loske-Wirtschaftswachstum-Wachstumswahn).

    Ich wollte dich fragen, ob es nicht möglcih wäre, wenn du vielleicht eine kleine Literaturliste zu systemkritischen Büchern (die du gut findest) erstellen könntest. Ich bin gerade dabei, mir eine kleine Liste zusammenzusuchen für meinen nächsten Bibliotheksbesuch.
    Viele Grüße und weiter so. Ich werde jetzt regelmäßige Leserin, versprochen!

  2. Pingback: [Kurz notiert] Kukoon & geldfreier Leben (Vortrag Tobi Rosswog) | Apfelmädchen & sadfsh

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