#Müllfasten - Warum es Zeit ist, Müll den Kampf anzusagen | Apfelmädchen & sadfsh
Nachhaltigkeit

#Müllfasten – Warum es Zeit ist, Müll den Kampf anzusagen

Normalerweise vermeiden sadfsh und ich es wild mit Zahlen um uns zu werfen. Zahlen sind nämlich meiner Sicht nach (und das sage ich als Wissenschaftlerin) immer eine Frage der Deutung und Erhebungsmethode.

Heute möchte ich jedoch eine Ausnahme machen, um dir die Dringlichkeit eines Problems zu verdeutlichen: Müll und die Verschwendung von Ressourcen.

71 Plastiktüten verbrauchen wir in Deutschland im Schnitt pro Jahr und Person. Das ist deutlich mehr als eine Tüte in der Woche. Das gilt – hier die Krux mit der Statistik – auch für Kinder. Da Kinder beim Einkaufen eher selten nach einer Plastiktüte greifen, erhöht sich die Zahl der Tüten für jeden von uns Erwachsenen. (Quelle: Greenpeace Magazin)

8 Millionen Tonnen Plastikmüll landen im Moment jedes Jahr in unseren Ozeanen. Forscher_innen warnen davor, dass 2050 (schon in 34 Jahren!) mehr Plastikmüll als Fische im Meer leben könnten. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

20 Millionen Tonnen produzierter Lebensmittel schaffen es nicht in unseren Körper, sondern landen auf dem Müll. Neben den Privathaushalten sorgen auch die strengen Vorgaben der Lebensmittelkonzerne und Supermärkte sowie etwa anfallende Abfälle während der Verarbeitung für diese hohe Zahl. (Quelle: Tafel)

1 Milliarde ungetragene Kleidungsstücke finden sich laut einer aktuellen Studie im Namen von Greenpeace in den Kleiderschränken der Menschen in Deutschland. Eine weitere Milliarde wird nur selten benutzt. Ein Drittel unserer direkten Mitmenschen besitzt mehr als 100 Kleidungsstücke. (Quelle: Greenpeace)

So viel Müll – So viel Verschwendung – Können wir uns das leisten?

Jetzt sagst du vielleicht: Aber Svenja, ich nehm doch beim Einkaufen nie eine von den Plastiktüten und meinen Müll schmeiße ich selbstverständlich nicht ins Meer. Und was kratzt es mich, wenn meine Nachbarn einen vollen Kleiderschrank haben. Sie können doch mit ihrem Geld machen, was sie wollen.

Das freut mich für dich. Und sage dennoch: Die Augen zu schließen und das Problem den anderen in die Schuhe zu schieben – das reicht (noch) nicht.

Wir können uns diesen rücksichtslosen Umgang nicht mehr leisten.
Wir können nicht länger Energie (damit meine ich nicht nur Strom) und Ressourcen verwenden, um damit Produkte herzustellen, die wir dann wenig oder ungenutzt in den Müll werfen.

Unsere Abfälle verschwinden nicht auf magische Weise, wenn sie von den Entsorgungsbetrieben abgeholt werden. Unsere alten Elektrogeräte lösen sich nicht auf, sobald wir den Recyclinghof wieder verlassen. Sie haben einen langen Weg vor sich. Manches braucht nur wenige Wochen, anderes wird auf der Deponie Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte lang kaum seine Form verändern.

Niemals werde ich den Moment vergessen, als mir das Ausmaß des Problems das erste Mal bewusst geworden ist. Ich las das Buch von Annie Leonard zur Story of Stuff und an einer Stelle berichtet sie darüber, dass sie bei einer Blutuntersuchung erfahren hat, dass sie mikroskopisch kleine Plastikspuren im Blut hat. Plastik im Blut – das hat da (außer bei medizinischen Untersuchungen) einfach nichts zu suchen. Und genauso wenig sollten Vögel oder Fische an Plastikteilen in ihrem Körper sterben. Kein Mensch sollten unter Bedingungen arbeiten, wie wir sie in der Kleidungsindustrie oder beim Abbau von Edelmetallen vorfinden, nur damit wir uns am Wochenende etwas Gutes tun können.

Können wir überhaupt etwas unternehmen?

Das waren ziemlich klare Worte, die ich unbedingt loswerden wollte. Manchmal müssen wir deutlich werden, um uns allen bewusst zu machen, wie unser Alltagsluxus sich auf den Rest der Welt auswirkt. Auf den Rest, den wir eben nicht jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit oder beim gemütlichen Kaffeetrinken mit Freund_innen sehen.

Aus meiner Sicht rollt da eine bisher noch nicht abzuschätzende Welle auf uns alle zu. Besonders erschreckend ist dabei für mich, wie sehr Politik und Wirtschaft ihre Augen verschließen. Ohne gesamtgesellschaftliches Umdenken und eine klare Positionierung der Regierungen ist Engagement nämlich meist viel zu unsichtbar.

In der Vergangenheit habe ich versucht für mein Umdenken und anders Handeln, folgende Punkte zu beherzigen:

Sei Botschafter für deine Sache:

Nur wenn eine kritische Masse an Menschen ihr Verhalten ändert, lässt sich die große Menge der Gesellschaft erreichen. Häufig heißt es: Tu Gutes statt drüber zu reden. Ich sage: Tu Gutes und rede darüber. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Tipps & Hintergrundwissen. Geh als Vorbild voran, auch wenn du nicht perfekt bist. Sei Botschafter für deine Sache!

Stell Fragen & probiere Neues:

Probiere neue Dinge aus und denke kreativ um die Ecke. Und immer wenn du etwas nicht verstehst oder nicht weißt: Stell Fragen. Frage, warum es Produkt XYZ nicht ohne Verpackung gibt. Oder warum Kartoffeln zur Hauptsaison aus Ägypten eingeflogen werden. Oder was die neue Kampagne von Hersteller AB eigentlich mit „grün“ oder „nachhaltig“ oder „fair“ meint. Oder was mit dem Müll in deiner Gemeinde passiert, wenn er abgeholt wird.

Schließe dich mit Gleichgesinnten zusammen:

Suche dir Menschen, die für die gleiche Sache kämpfen wie du. Stellt gemeinsame Aktionen auf die Beine. Tauscht euer Wissen aus, damit möglichst viele davon profitieren können.

#Müllfasten – Lass uns was dagegen tun!

Aus all diesen Gedanken und Zahlen ist in sadfsh und mir in den letzten Wochen der Wunsch gewachsen, aktiv etwas gegen das Problem zu tun. Klar, wir achten beim Einkaufen auf Verpackungen, haben die Plastikmenge im Badezimmer reduziert und verzichten auf unnötige Anschaffungen. Viele dieser Dinge sind fester Teil unseres Lebens und benötigen kaum zusätzliche Energie, doch ich bin sicher: Da geht noch was!

Zusammen mit Isabell ist daher die Idee zum #müllfasten entstanden. Dabei geht es (nicht nur) darum, während der Fastenzeit Plastikmüll möglichst weit zu reduzieren, sondern auch machbare Alternativen zu finden. Stück für Stück wollen wir unser Zuhause unter die Lupe nehmen. Wo fällt (Plastik)müll an? Lässt er sich vermeiden? Was bedeutet eigentlich dieses zerowaste, was neuerdings überall auftaucht? Kann ich jetzt nie wieder Nudeln oder Krautsalat essen? Geht das überhaupt ohne einen Unverpacktladen in der Nähe?

Anders als bei der Konsumauszeit haben wir uns für das #müllfasten bewusst keine festen Regeln gesetzt, um möglichst viele neue Erfahrungen machen zu können. Nur sinnlose Neuanschaffungen, um dir hier auf dem Blog tolle „müllfreie“ Produkte zu zeigen, die gibt es definitiv nicht!

Wenn du dich jetzt gerne unserer Challenge anschließen möchtest, dann hinterlass uns einfach einen Kommentar oder schreibe auf deinem Blog etwas zur Aktion. Gerne kannst du auf diesen Beitrag oder die Aktionsseite (ist jetzt online) verlinken. Wir freuen uns, dich dabei zu haben.

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

11 Kommentare zu “#Müllfasten – Warum es Zeit ist, Müll den Kampf anzusagen

  1. Pingback: Aktionen in der Fastenzeit – ein unvollständiger Überblick | widerstandistzweckmaessig

  2. Hallo Svenja!

    Wie Du weißt, ist das natürlich ganz mein Thema und deshalb habe ich Deine Aktion auch gleich zu meiner Übersichtsseite über die verschiedenen Fastenaktionen
    verlinkt.

    Und weil es um die gute Sache geht erlaube ich mir noch Werbung in eigener Sache zu machen. Auf meinem Blog beschäftige ich mich ja schon das 3. Jahr mit der Reduktion und Vermeidung von Müll. In meinem „Index Müllreduktion“ sind sicher viele gute Tipps für Menschen zu finden, die daran teilnehmen wollen.

    https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/mull-reduzieren-index/

    Ich freue mich schon auf weitere Beiträge zu dieser Aktion!

    lg
    Maria

  3. Da bin ich doch mit unserem absolut müllfreien Ernteanteil der solidarischen Landwirtschaft Schellehof gerne mit dabei http://amberlight-label.blogspot.de/2016/02/solidarische-landwirtschaft-schellehof.html

  4. Moin! Euch ist bestimmt schon Bea Johnson mit „ZERO WASTE“ untergekommen?

    Liebe Grüße Anni

  5. Hallo,
    das ist auch mein Thema.Den Plastikanteil in unserer Wohnung habe ich schon reduziert. Leider komme ich gefühlt so wenig voran. Im Bad brauche ich seit ca. einem Jahr Reste auf und bin auf feste Haarseife von Lush und Kokosöl als Creme umgestiegen. (Meinen Mann konnte ich auch davon überzeugen. ;-)))
    Wir kaufen jetzt Jogurt, Milch und Saft in Glaspfandflaschen. Beim Obst und Gemüse geht es mal noch, aber dann komme ich nicht weiter. Der nächste Unverpacktladen ist 50 km weg. ( Ich freu mich trotzdem, dass es den seit Anfang des Jahres überhaupt gibt)
    Ich verzweifle manchmal daran. Immer diese Abwägungen: Bio&Fair Bananen in Plastik oder normale ohne Verpackung? Reis in Pappe oder Vollkornreis in Plastik??? Ahhhhhh!
    Dann bin ich wieder mal übers Foodsharing gestoplert. Anschließend schienen mir meine Bamühungen Plastik / Verpakungsfrei zu kaufen so sinnlos, wenn an anderer Stelle die Verpakung mit samt dem Essen weggeworfen wird… Aber das gibt es in unserer Stadt noch nicht und allein kann ich auch nichts aufziehen… 🙁
    Hoffe auf neue Tipps. Wie läuft es denn bei euch?
    Lg Debora

    Ps: Vielen Dank für eueren Blog und all die interesannten Tips!

    • Hallo Debora,
      wir starten auch erstmal mit einem Rückschlag. Der nächste Unverpacktladen ist auch deutlich weiter als eine Autostunde entfernt, aber wir hatten die Hoffnung papier- statt plastikverpackte Nüsse etc im Internet bestellen zu können. Leider hat man uns dort informiert, dass sie nur die 25KG Packungen in Papier übersenden, eine für uns im Alltag verbrauchbare Menge würde hingegen in Plastik umverpackt werden. Selbst bei Frühstück und mehreren Kaffee am Tag würden wir es nicht schaffen mehr als 30g Nüsse pro Tag zu verbrauchen und mehr als ein Jahr lagern könnte schwierig werden, da der Keller zwar Platz bietet, aber sehr kalt und evtl feucht ist.

      Dass andere Menschen vieles, auch Essen, leider wegwerfen, da können wir zunächst einmal leider nichts dran ändern, aber vielleicht hilft in diesem einem Moment eine etwas egoistischere Sichtweise: Fühlst du dich besser, wenn du weißt etwas Gutes zutun? Nicht alles, was wir tun, hinterlässt einen Eindruck auf diese Welt, mag es auch noch so gut sein. Einige meiner Forschungsarbeiten sind der absolute Hammer, aber mehr als ein Prof, meine Mutter und Svenja werden sie nie lesen. Trotzdem bin ich da enorm stolz drauf und denke gerne über die behandelten Sachverhalte nach. Und wenn irgendwann einmal eine Person über mich stolpert und ich ihr einen Bruchteil davon erzählen kann, werde ich das mit einem gigantischen und hoffentlich plastikfreiem Festmahl für mich selbst feiern. Nicht unterkriegen lassen! Wir schaffen das.

      Liebe Grüße
      sadfsh

      • Eventuell kann man sich ja mit Freunden zu einer „Einkaufsgemeinschaft“ zusammenschließen? Dann verteilt sich die Menge vielleicht doch ausreichend.
        Ich habe allerdings auch gerade das Problem, dass es bestimmte Zutaten wie glutenfreies Hafermehl nur für Bäcker im 25-kg-Sack gibt :-/ Da suchen wir auch Gleichgesinnte, wobei es bei einem solchen Spezialthema wie „glutenfrei“ noch mal schwieriger wird..

      • Hallo Fussel,
        das ist gar keine schlechte Idee. Wir haben uns jetzt vorerst dafür entschieden doch etwas größere Portionen zu erwerben. In unserem direkten Umfeld ist es etwas schwierig Menschen für unsere Einkaufsvorlieben zu gewinnen. Der Durchschnitt hier im Ort ist gehobeneren Alters, isst die Kartoffeln von einem der Bauern aus dem Ort und Wurst/Fleisch vom Metzger aus dem Nachbarort. Nüsse sind eher etwas, was gelegentlich mal zum Backen gebraucht wird, soweit ich dies beurteilen kann.

        Ich wünsche euch allen Erfolg bei der Suche, denn ich finde den Gedanken wirklich gut. Wenn man darüber einmal offenerer mit den Nachbarn reden würde, könnten sich bestimmt häufiger Möglichkeiten ergeben die Natur noch etwas mehr zu schonen.
        Hab einen schönen Abend
        sadfsh

  6. Pingback: Zero Waste Geplauder #1 | Vegan Witch

  7. Hallo Svenja
    Müllfasten passt jetzt perfekt als Anschlussprojekt meines Heilfastens. Dieses Thema ist eines meine Topthemen… Danke für die tolle Anregung… werde Deine Idee gleich bei meiner Seite verlinken… in Graz gibt es jetzt einen Lichtblick https://www.dasgramm.at/

  8. Pingback: Aktuelle Aktionen zur Fastenzeit 2016 - Minimalismus - Tipps

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