Gedankenanstoß - Was ist Minimalismus? | Apfelmädchen & sadfsh
Gedanken über das Leben Minimalismus

Gedankenanstoß – Was ist Minimalismus für dich?

Seit einigen Wochen liegt immer ein kleiner Plan (DIN A5 Zettel) an meinem Arbeitsplatz, der meinem löchrigen Gedächtnis stets verrät, welches Thema ich im kommenden Video ansprechen darf. In der dieswöchigen Aufgabe sollte es, ich erinnerte mich an meine Ankündigung aus der letzten Woche und brauchte den Zettel nicht einmal, darum gehen, was Minimalismus eigentlich ist.

Da saß ich nun, lockerte meine Wangen für den anstehenden Monolog vor der Kamera und stellte fest, wie schwierig das Formulieren einer Definition ist. Macht nichts, wir machen das ja auch erst drei Jahre. Schauste mal bei den Urgesteinen der Branche, den jungen Hüpfern Michael und Cloudy (Huhu ihr Zwei : ) ) vorbei, die sicherlich sinnvolle Ideen zu Papier gebracht haben. Ich muss zugeben, Ideen gefunden zu haben, aber kein plagiierbares Satzgeschöpf. Daher wandte ich meine wissenschaftliche Arbeitsweise an und tratschte erstmal los, um in der zweiten, dritten oder fünften Fassung ein publizierbares Video zu erschaffen.

Zu einer knappen, prägnanten und universal anerkannten Minimalismusdefinition hat es dabei nicht gereicht, doch hoffe ich einige Ideen kundtun zu können, die dir dabei helfen, den Minimalismusbegriff mit Inhalt zu füllen.

Aufgrund des eher ruhigen und längeren Formats des Video möge man mir verzeihen, dass ich der dieswöchigen Ausgabe keinen ausführlichen Beitrag zur Seite stelle, sondern nur eine kurze Zusammenfassung liefere.

Was ist Minimalismus für mich?

1. Minimalismus beschreibt für mich eine Art zu denken und zu leben. Ich möchte Menschen, Dingen und Erlebnissen gegenüber aufmerksam und achtsam sein. Der Akt des Konsumierens spielt dabei fast eine zu vernachlässigende Rolle.

2. Ich definiere mich nicht als Minimalist. Ich denke im Alltag nicht darüber nach Minimalist zu sein. Ich habe niemals das Gefühl etwas aussortieren zu müssen, weil es meine minimalistische Pflicht wäre.

3. Minimalismus ist für mich Teil einer Strategie nachhaltig zu leben. Diese Strategie verfolge ich, weil ich sie moralisch für das richtige halte. Mir ist bewusst, dass andere Menschen meine Definition von Nachhaltigkeit nicht teilen oder andere Arten der Nachhaltigkeit leben. Diese Unterschiede sind nur allzuverständlich, aber ich handele nach meinem besten Wissen.

4. Mit Beginn der frühsten Kindheit geht es in unserer Gesellschaft darum, welcher Konsum uns am meisten erfreut. Die Frage ist eigentlich nie, ob man ein Spielzeug will, sondern nur welches. Aus dieser Erziehung heraus glaube ich, dass wir uns viel schlechter kennen, als wir es zu glauben meinen. Nur wer mal ein paar Tage mit sich selbst verbringt, wird langsam beginnen bestimmte bevorzugte Muster im eigenen Denken und Handeln zu erkennen, die nichts mit Gegenständen zutun haben.

5. Das Weniger an Besitz wird im Denken ganz klar von einem Mehr an sozialen Beziehungen überschattet. Minimalismus bedeutet mich selbst, Freunde und Familie besser kennenzulernen. Dies resultiert daraus, dass ein merkbar größerer Teil unserer Zeit den Mitmenschen und ihren Gedanken gewidmet wird, anstatt oberflächlich bei Gesprächen über das reine Tagesgeschehen zu bleiben.

Erwähnte Literatur:

Im Verlauf des Videos habe ich einige Autoren genannt. Wer näheres Interesse daran hat, dem seien die folgenden Werke empfohlen:

von Ditfurth, Hoimar: So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen.

Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung.

Amery, Carl: Die ökologische Chance. Das Ende der Vorsehung – Natur als Politik.

Einige Werke zum Thema wurden nicht direkt erwähnt, in ihren Gedanken jedoch teilweise stark aufgegriffen. Außerdem kannst du für mehr Buchtipps gerne auf unserer Lesetipps-Seite nachschauen.

Sedláček, Tomáš: Die Ökonomie von Gut und Böse.

Marcuse, Herbert: Der eindimensionale Mensch.

Meadows, Dennis: Die Grenzen des Wachstums.

Was ist Minimalismus für dich?

Hast du deine Minimalismus-Definition schon gefunden? Oder bedeutet Minimalist_in zu sein für dich seit Beginn des Weges immer wieder etwas anderes?

P.S.: Für alle, die diesen Beitrag in ihrem Feedreader lesen oder aus anderen Gründen das eingebundene Video nicht sehen können, hier der direkte Link.

14 Kommentare zu “Gedankenanstoß – Was ist Minimalismus für dich?

  1. Vielen Dank für dieses zusammenfassende Video.
    Ich denke, was Minimalismus bedeutet ändert sich im Laufe der Zeit. Ich habe darüber vor längerer Zeit einmal geschrieben, Mein Minimalismus – Innen, Außen und die Anderen. nach einer Aufforderung von Daniel. Vieles davon gilt immer noch, manches würde ich heute zwar nicht ganz anders sehen, aber der Schwerpunkt ist anders. Eher, wie bei Marc, auf mehr Nachhaltigkeit.
    Liebe Grüße
    Daija

    • Hallo Daija,
      genau diesen Prozess habe ich irgendwann zwischendurch versucht anzusprechen und ich glaube er macht es so schwierig eine allgemeingültige Definition zu finden. Die ersten Monate zum Schlagwort „Minimalismus“ waren bei uns schon sehr stark dem Abschaffen von Besitz gewidmet, quasi um eine Basis zu schaffen von der aus wir den Begriff weiterdenken können. Heute aber ärgert es mich fast, wenn es bei Minimalismus immer nur um Besitz geht, weil die dahinterstehenden Gedanken zum menschlichen Miteinander nicht ausreichend gewürdigt werden.
      Da wir Menschen uns ja doch gerne mal streiten, hoffe ich, dass wir Minimalisten diesen Prozess so hinnehmen und uns auf unser Wohlergehen konzentrieren, statt andere anzugreifen, weil deren Minimalismus nicht 100%ig mit unserem übereinstimmt.

      Liebe Grüße
      sadfsh

  2. Hallo!

    Ich mache meinen Minimalismus ebenfalls nicht an Zahlen fest, vielleicht bin ich noch nicht einmal Minimalist (ich denke schon).

    Für mich bedeutet es, nur das zu besitzen, was ich wirklich benötige. Das ist für jeden etwas anderes. Ich brauche einen Brotbackautomaten und habe ihn sehr häufig im Einsatz. Dafür fehlt mir der I-Pod, weil ich keine Musik im Ohr haben mag.

    Weil ich gerne stricke habe ich Strickzeug, wer anderer braucht das sicher nicht. Dafür habe ich 0 Schminkzeug.

    Das sind Beispiele, nicht dass ich das irgendwie aufrechnen will. Sondern es soll zeigen, dass es halt von Mensch zu Mensch anders ist, jeder hat andere Bedürfnisse.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      deine Gedanken erinnern mich sehr an die Fragen, die wir uns während der Konsumauszeit gestellt haben. Was ist brauchen? Was brauche ich persönlich? Da diese Fragen sehr gut in das neue Video passen würden, macht es dir doch hoffentlich nichts aus, wenn ich darauf zu sprechen komme? : )
      Für mich ist das individuelle Brauchen einer der Aspekte, anhand dessen wir beobachten können, dass z.B. 100 Dinge für manche Leute leichter zu erreichen sind, während sie für andere nahezu unmöglich scheinen. Und auch für mich hat das nichts mit aufrechnen zutun, sondern mit individuellem Glück.

      Liebe Grüße
      sadfsh

      • Hallo!

        Ich denke das war eine rhetorische Frage 😉 Finde ich übrigens super, dass Ihr jetzt auch Videos macht!

        lg
        Maria

  3. Für mich bedeutet es auch aus vorhandenen Dingen etwas „Neues“ zu machen wenn es möglich ist und sie nicht achtlos zu entsorgen.
    Oder anders ausgedrückt, Verschwendung von Ressourcen so gut es geht zu vermeiden.

    LG Aurelia

    • Hallo Aurelia,
      wenn du ein Buch aussortierst und verschenkst, betrachtest du es dann auch als etwas „Neues“, weil derjenige, dem es zugute kommt es neu besitzt? Ich weiß, es ist eine rein definitorische Frage, aber ich finde den Gedanken schön, dass man etwas 1-2x benutztes nicht als verbraucht ansieht, sondern weiterhin den Inhalt als Mehrwert wahrnimmt, dem es keinen Abbruch tut, ob ein kleiner Knick in einer Seite ist.
      Bei dem Vermeiden einer Ressourcenverschwendung bin ich absolut bei dir, auch wenn ich mich alle paar Wochen mal wieder frage, ob jeder das so sieht oder das als Nachhaltigkeit bezeichnet. In meinen Gesprächen mit Svenja bin ich in den letzten Tagen immer wieder daraufgekommen, dass Minimalismus für mich immer den Nachhaltigkeitsgedanken unterstützen soll, verstehe aber gleichermaßen, dass es Menschen gibt, die sich von im Moment unnützem Besitz freihalten wollen, dafür aber jedes zweite Jahr, wenn etwas gestrichen werden muss einen neuen Pinsel kaufen, da sie die alten sofort entsorgt hatten.

      Danke für das Teilen deiner Gedanken
      sadfsh

      • Ein eindeutiges ja 🙂
        Als Beispiel unser alter Wohnzimmerschrank, den haben wir ans Soziale Möbellager hier in der Stadt weiter gegeben. Wenn nun jemand ihn bekommt ist er ja für denjenigen „Neu“ denn er hatte ihn vorher ja nicht.
        Unser Sideboard betrachte ich auch als „Neu“ seit ich es nur mit Farbe verändert habe.
        Oder anderes Beispiel, wir haben uns gebrauchte Filme gekauft und uns gefreut „Neue“ alte Filme zu schauen 🙂
        Ich würde sagen das Nachhaltigkeit immer mit Ressourcen schonen zusammen gehört.
        Liebe Grüße
        Aurelia

  4. Pingback: Konsum: Reflexion statt Reflex – Primavera verde

  5. Hallo!

    „nachhaltig ist auch mal nicht zu konsumieren“

    Das sollte man sich groß auf die Geldbörse schreiben…

    lg
    Maria

    PS: Vielleicht kommt zu wenig raus, dass im Video viel mehr drin ist als im Text steht… Das hole ich jetzt gerade nach.

    • Hallo Maria,

      ich versuche immer einen Mittelweg zu finden, um beide Formate sinnvoll erscheinen zu lassen. Das Video War einfach viel zu lang, um alles in den Text zu übersetzen und bei dem, was ich zu den Videos schreibe, geht es mir häufig vorallem darum den Zuschauern einen Text zum „Nachschlagen“ bereitzustellen, wenn sie sich an etwas erinnern wollen, aber nicht nach der Stelle im Video schauen wollen.
      Würde es dir besser gefallen, wenn wir eine Transkription anbieten würden, anstatt eines weitesgehend eigenständigen Textes zum Thema?

      Liebe Grüße
      sadfsh

  6. Hallo!

    Nein, das hatte ich gar nicht gemeint, ganz im Gegenteil, ich finde es toll, dass es die Kurzfassung schriftlich und die Langfassung als Video gibt. So kann jeder wählen. Ich wollte vielmehr ausdrücken, dass es (zumindest für mich) nicht offensichtlich erkennbar war, dass das Video gegenüber dem Text einen Mehrwert bietet.

    lg
    Maria

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