Minimalismus Nachhaltigkeit

(Fast) gefangen im Weihnachtsvortex

Vortex, der – Ein Strudel ist ein Wirbel oder eine Stelle, an der sich das Wasser oder eine andere Flüssigkeit in einer kreis- oder spiralförmigen Bewegung nach unten bewegt, wobei sich in der Mitte eine trichterförmige Vertiefung bilden kann. (

Die Sonne schien durch das nackte Geäst der Bäume. Ist es nicht seltsam? Menschen und Tiere legen sich Fett und Fell zu, um den Winter besser zu überstehen, Pflanzen hingegen werfen alles von sich. Da sah ich sie, langsam auf mich zuspazieren. Ihre Fröhlichkeit war wie von einer anderen Welt, ihr Lächeln der Zauber, der mich aus dem Schlaf erweckte, in den ich fast gefallen war.

Da waren wir nun also. Zwei verhalten konsumkritische Menschen in der Vorweihnachtszeit auf dem Weg in das Zentrum des Verderbens aller menschlichen Werte – die Innenstadt. Wir nahmen einander an der Hand, um uns Mut zu spenden, brachten das Gespräch auf ferne Ereignisse, eine Ablenkung von dem, was unweigerlich gleich auf uns niederprasseln würde. Die Liste, die uns leiten sollte, hatte mehr Positionen als meine Hände Finger. Unser erster Zwischenhalt war eine wunderschöne, riesengroße Buchhandlung. Abseits der größten Menschenmasse begannen wir unsere Suche, es war ein sanfter Einstieg in den Tag, denn Bücher sind unsere Freunde, bei ihnen können wir uns wohlfühlen. Erfolgsquote: 1/3 (+1 – dieser Posten ist aktuell noch ein Unsicherheitsfaktor)

Leicht irritiert ob der unerwarteten Erfolglosigkeit wanderten wir weiter, zunächst einmal wenige Schritte aus dem Epizentrum des Konsums heraus, doch der „Fach“händler für Zweiradbedarf war beleidigt, dass meine Wünsche so präzise waren und versuchte auch gar nicht seine Entrüstung zu verheimlichen. Erfolgsquote 0/1

All diese Niederschläge waren absolut vergessen bei dem Blick in das freundliche, wunderschöne Gesicht, welches neben mir herging. Das absolute Glück, alle glaubten es in ihren Papier- und Plastiktüten, doch es war an meiner Seite, in meiner Hand. Aber wie sollen sie es nur wissen? Wenn beide Arme schwere Taschen tragen, ist kein Platz mehr für die Menschen, die man festhalten will.  Es hilft nur eine Hand freizumachen, statt noch mehr bzw. größeres Gewicht aufzunehmen. Bloß nicht hineingeraten in diesen Streß, diese Zwänge. Durchatmen.

Die Reise über Feldwege erschien uns nicht allzusinnvoll, daher nahmen wir die nächste Auffahrt auf die Konsumautobahn und steuerten geradewegs auf den städtischen Tempel zu. Ein kleines Side-Project der Vorweihnachtszeit (Anmerkung Apfelmädchen: Weihnachtskarten für Freunde & Verwandte) musste mangels fehlender Ausstattung auf Anbieterseite bald gestrichen werden. Schade war, aber nicht schlimm. Schlimm hingegen der erneute Misserfolg im Buchladen. Erfolgsquote: 0/1

Stunden waren vergangen, die Sinne überladen von Gerüchen, Farben, Lärm. Hatten wir am Ende doch den Streß siegen lassen? Ich weiß es nicht, aber jetzt würden wir für den Rest des Tages aussteigen. Jetzt waren wir selbst dran. Zwei vegane Latte Macchiato und zwei Kokos-Kuchen bitte. Erfolgsquote: 4/4!

Warum, ließe sich zurecht fragen, begebt denn ausgerechnet ihr euch in diese Lage und sucht nach Geschenken?

Ich kann da erstmal nur für mich antworten: Weihnachten ist in meiner Familie ein wunderschönes Fest des Zusammenseins. Die Geschenke gehören einfach dazu und es ist ja nicht so, als hätte ich keine Wünsche. Ist das minimalistisch? Nein. Macht es mich glücklich? Ganz sicher. Ich liebe es meinen Lieben Geschenke zu machen, ihre freudigen Gesichter zu sehen. Es ist wunderschön, wenn wir uns alle umarmen, miteinander lachen und dem Weihnachts-Elch beim Elvis-Singen und -Tanzen zu schauen. Bräuchte es dafür Geschenke? Nein, aber sie schaden auch nicht. Und solang sie nicht im Vordergrund stehen, sondern unsere Liebe füreinander, finde ich es nicht verwerflich, sich materielle Freuden zu bereiten. Nur Gefühle sollten nicht durch Materielles ersetzt werden.

7 Kommentare zu “(Fast) gefangen im Weihnachtsvortex

  1. sadfsheltern

    Wir håtten im Fahrrad-Fach-Geschäft gern daneben gestanden………………. 🙂

  2. Es ist toll, wie Du Deine Gedanken in Worte gepackt hast und sehr mutig, dass wir sie lesen dürfen.

  3. Ich habe dies Jahr das meiste online bestellt, weil es vieles bei uns in den Geschäften eh nicht gibt. Da hätte ich zum Teil in einer größere Stadt fahren müssen. Da sind dann Innenstadtweihnachtsmärkte, die längst ihren Charme verloren haben, weil überall Kitsch und Essen verkauft wird. Und die Stadt ist noch überladener als sonst.
    Einige Geschenke habe ich meinen Geschwistern überlassen. Aber wir schenken uns gegenseitig nichts mehr. Das ist eh ein hin und her Geschiebe der gleichen Summen als Gutschein.
    Ich mag auch nur kleine feine Handwerks Weihnachtsmärkte. Vielleicht ziehe ich am Montag noch einmal in die Innenstadt, etwas abholen und dann von einem Cafe aus den gestressten Menschen zusehen und mich freuen, dass ich keinen Stress habe.

    • Ohja, Weihnachtsmärkte. Bei uns heißt es glaube ich: Internationaler Weihnachtsmarkt.

      Angefangen am Hauptbahnhof, wo beispielsweise ein asiatischer Stand Geschirr verkauft und seine Hütte mit Jackie Chan und Bruce Lee Flaggen verziert hat, geht es weiter durch eine Nebengasse in der es einmal das gesamte Futter-Programm (min. 5x Bratwurst und 3x Süßigkeiten) gibt. Parallel auf der Hauptstraße steht der Ganz-Jahr-Bratwurststand zuzüglich eines Kinderkarussels und eines Riesenrades.

      Auf dem größten Platz ist alles eng zugestellt und es gibt allein 3 Buden, die nur für Pfandrücknahme dasind. Dann gibts natürlich noch mal mehrere Karussels, selbst die Theater haben eigene Stände. Der vielleicht schönste Punkt findet sich am Ende, wo ein Mittelalter-Markt aufgebaut ist. Dort haben sie Abends auch auf selbstgemachten Ständern Feuer angezündet und es gibt sowas wie eine Schmiede, an der wir kleine Kinder haben experimentieren sehen.

      Insgesamt ist der Weihnachtsmarkt hier allerdings die perfekte Mischung aus Reizüberflutung und Massenabfertigung : /

  4. Schwesterherz

    Ach wie schön, dass es nicht nur mir so geht!
    Wie in den letzten Jahren stellte sich auch in diesem wieder die Frage: In die Stadt fahren, oder online bestellen? Ich habe dieses Jahr die Stadt gewählt… und das wird – zumindest in der Vorweihnachtszeit – nicht so schnell noch einmal passieren. Auch wenn es in den einzelnen Geschäften recht leer war kam die böse Überraschung im Parkhaus (und dabei war ich so froh – da problemlos reingekommen zu sein und sofort (!!!) einen Parkplatz gefunden zu haben). Leider gings dann nicht mehr raus, denn dieses Vorhaben schienen all die Leute zu haben, die vorher in keinem Geschäft zu sehen waren…
    Das Ende vom Lied: eine halbe Stunde in zweier-Reihen, Stoßstange an Stoßstange die Parkhaus-Spindel zur Ausfahrt runter (an zwei Park- und ebensovielen Einkaufsebenen vorbei).

    Daher eine Vorab-Entschuldigung an unseren Paketboten: Sie werden im nächsten Jahr vermutlich wieder mehr zu tun haben.

  5. Pingback: #Konsumauszeit - Wir drücken im November den Pausenknopf! | Apfelmädchen & sadfsh

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.