Minimalismus

Blogparade: Unser Weg in Richtung Minimalismus

Sag doch mal Apfelmädchen, wie bist du eigentlich über den Minimalismus gestolpert? Zum ersten Mal hörte ich nämlich von dir davon, als wir vor dem letzten Umzug ein paar Bücher abgeben wollten.

Das erste Mal habe ich vor ungefähr sechs Jahren von Menschen gelesen, die freiwillig ihren Besitz aufgegeben/verringert haben, um sich durch diese Freiheit dem Leben zu widmen, das sie gerne führen möchten. Damals war ich eigentlich auf der Suche nach Artikeln zu GTD (Getting Things Done), um das Aufgabenpensum in meinem Studium besser zu bewältigen. Mehr oder weniger per Zufall bin ich über ZTD (Zen to Done) und den Blog „Zen Habits“ von Leo Babauta gestolpert. Ganz ehrlich? Im ersten Moment habe ich „Was für ein Schwachsinn!“ gedacht und der Idee keine weitere Beachtung geschenkt. 

So ähnlich muss es mir anfangs ergangen sein. „Mach halt!“, wenn du meinst, es würde das Leben bereichern. Die größte Motivation anzufangen war zu dem Zeitpunkt wohl der Umzug vor drei Jahren, welcher einfacher fallen würde, wenn wir Gewicht sparen würden. Zunächst habe ich mich auch eher zurückhalten, wenn ich mich richtig erinnere, aber wenn man sich einmal die Zeit nimmt und den Gedanken freien Lauf lässt, bemerkt man verschiedenste Dinge, die sich gut mit dem Minimalismus vereinbaren lassen. Umweltschutz zum Beispiel, denn jede Verpackung, die man mit Büchern, CDs etc nach Hause bringt, belastet unsere Welt. Mit Bibliotheken und digitalen Angeboten kann man da viel Gutes tun, nicht nur für den eigenen Geldbeutel.

Vollkommen richtig, manche Ideen brauchen einfach Zeit, um sich im eigenen Kopf und im eigenen Leben zu festigen, so auch das Thema Minimalismus. In der Zeit haben wir uns durch die Uni viel mit Verantwortung für zukünftige Generationen, Nachhaltigkeit und Umweltzerstörung beschäftigt. Für ein Literaturseminar habe ich die Bücher von Hans Jonas, Hoimar von Ditfurth und Carl Amery gelesen und auf einmal erschien mir der freiwillige Verzicht auf Besitz gar nicht mehr so abwegig wie noch einige Jahre zuvor. Wir haben daraufhin ja auch begonnen, mehr auf die Herkunft und Produktion unserer Lebensmittel zu achten. Und wir haben angefangen, unseren Besitz zu verkleinern. Im Laufe der Recherche bin ich dann über amerikanische Blogs bei den ersten deutschen Bloggern aus der „Szene“ gelandet, wie z.B. Frau DingDong und Michael von Minimalismus Leben . Ich denke, den Großteil unserer Motivation ziehen auch jetzt noch aus dem Umweltschutz- und Nachhaltigkeitsgedanken, oder?

Ja, definitiv. Das Seminar hat uns ganz schön auf den Kopf gestellt (und mir ein Thema für die Bachelor-Arbeit geschenkt). Das hat auch mir einen Ansporn geschaffen, zu reduzieren, einfach weil ich von den Ideen fasziniert war. Allerdings muss man schon sagen, dass wir anfangs sehr auf Bücher fixiert waren und länger gebraucht haben, bis wir auch andere Bereiche unseres Lebens reduziert haben. Allein wegen der prominenten Stellung in der Wohnung denke ich selbst heute beim Aussortieren von Dingen an Bücher. Spricht vielleicht dafür, dass ich das gesamte Konzept immernoch nicht wirklich verinnerlicht habe?!

Es spricht vielleicht eher dafür, dass wir an anderen Stellen schon immer eher minimalistisch eingerichtet waren. Wir haben ja auch vor den letzen beiden Loslass-Aktionen in diesem Jahr (300 Gegenstände-Challenge im Februar und ByeByeSeptember) nicht Unmengen von Kleidung, Küchengeräten oder Krimskrams besessen. Zu unseren Wohnheims- und WG – Zeiten haben wir wahrscheinlich nur wenige Dinge angehäuft, sodass das Abtragen vom Überfluss einfacher als vielleicht für Familien mit ganzem Hausstand war. Die Herausforderung für die zukünftigen Lebensphasen liegt wohl darin, diese Position zu halten und nicht Schritt für Schritt wieder unnötige Dinge in unser Zuhause zu lassen. Diese Freiheit in Wohnung und Geist, wenn ich das mal auf einer höheren Ebene zusammenfasse, wollen wir uns doch bewahren?!

Ja, ganz bestimmt. Im Moment kann ich mir definitiv nicht vorstellen, wie einige Bekannte, 80m² Wohnfläche für mich alleine zu benötigen. Da spielt natürlich auch rein, nicht unnötig neue Dinge anzuschaffen. Viel wichtiger, aber gar nicht aus Sicht des Minimalismus gedacht, ist in dem Punkt meiner Meinung nach die zwischenmenschliche Beziehung mit Partner/Mitbewohner. Je weniger Dinge den Raum füllen, umso dominanter sind ja die Eigenheiten der einzelnen Personen. Je kleiner der Raum, umso mehr muss man harmonieren, damit alle beteiligten Personen erfüllt leben können. Da fällt mir ein CD-Titel ein: „Habt euch lieb.“

Aus meiner Sicht ist gerade dieser Aspekt (mehr Zeit miteinander zu verbringen) ein wichtiger Grund für ein einfacheres, freieres Leben. Ich möchte samstags nicht griesgrämig, vollgepackt mit Plastiktüten von verschiedenen Geschäften und wie gleichgeschaltet neben dir in der Fußgängerzone gehen, auf der Suche nach dem einen Teil, dass mich glücklich und unsere Beziehung perfekt macht. Gerade in der Weihnachtszeit besinnen sich zum Glück viele Menschen auch wieder auf dieses Beisammensein im Kreis von Freunden und Familie. Ich freue mich daher schon sehr auf unsere nächste Challenge, in der es auch um ZusammenZeit gehen wird.  Aber mehr verraten wir noch nicht, oder?

Nee, dafür müssen die Leute schon wiederkommen (zum Beispiel am Mittwoch!).


 

Hinweis: Dieses Schreib-Gespräch ist Teil der von Emi und Jack (Downgrade-Deluxe.de) ausgerufenen Blogparade zum Thema Minimalismus. Mehr Informationen findet ihr im Beitrag Aufruf zur BLOGPARADE: Was sind Deine Beweggründe für Minimalismus bzw. ein Downgrade im Leben .

3 Kommentare zu “Blogparade: Unser Weg in Richtung Minimalismus

  1. Hallo ihr beiden,

    es ist sehr interessant, dass sich viele Menschen, genau wie ihr, nicht aktiv zum Minimalismus entschieden haben. Sie haben bewusst über verschiedene Dinge nachgedacht, die Augen offen gehalten und schwupps war er da, der Gedanke.

    Wir sind gespannt, ob sich diese Beobachtung in der Blogparade bestätigt 😉

    Liebe Grüße
    Emi ( & Jack)

    • Ich selbst hätte bei uns ja sogar noch eine stärkere Abstufung gemacht.
      Meine eigene Rolle würde ich immer eher als sehr passiv einschätzen. All die Gedanken bezüglich des Reduzierens wären mir glaube ich nicht gekommen, wenn ich keinen so wundervollen Gesprächspartner gehabt hätte, der mich nicht daran vorbeilaufen ließ. Insbesondere die Beschäftigung mit den genannten Autoren hat bei mir viel stärker ein Nachdenken über die Umwelt angeregt.

      Noch heute fällt es mir schwer meine eigene Einstellung mit Minimalismus in Verbindung zu bringen.

  2. Pingback: Ausmisten & Loslassen (Das Webinar-Protokoll) | Apfelmädchen & sadfsh

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