Ausmisten & Loslassen - das Webinar | Apfelmädchen & sadfsh
Minimalismus

Ausmisten & Loslassen (Das Webinar-Protokoll)

Am Donnerstag Abend in der vorletzten Woche fand unser zweiter Livestream, dieses Mal zum Thema Ausmisten & Loslassen, statt. Wir bedanken uns bei den vielen aktiven Teilnehmer_innen für ihre Fragen und Gedanken. Falls du nicht dabei sein konntest, gibt es heute für dich eine Zusammenfassung mit weiterführenden Link- und Lesetipps. Selbstverständlich kannst du auch den kompletten Livestream als Aufzeichnung anschauen oder dir die Tonspur als mp3-Datei herunterladen.

Kleines Inhaltsverzeichnis:

0. Downloads / Material
1. Unsere Geschichte – So sind wir Minimalisten geworden
2. Unsere Fehler – Das würden wir heute anders machen
3. Mit diesen Methoden klappt das Ausmisten
4. Eure Fragerunde – unsere Antworten

0. Downloads & Material

Gleich zu Beginn findest du hier alle Download-Möglichkeiten, damit du direkt durchstarten kannst und nicht ganz bis zum Ende des Beitrags scrollen musst. (Wir freuen uns natürlich trotzdem, wenn du uns einen Kommentar hinterlässt.)

Mitschnitt zum direkten Anhören als mp3:

Download als mp3-Datei: Dropbox (auch ohne Dropbox-Account möglich)

Direkter Link zum Videomitschnitt, falls die Einbettung nicht zu sehen ist: Youtube-Video

Präsentation zum Download: Ausmisten & Loslassen – das Webinar.

1. Unsere Geschichte: So sind wir Minimalisten geworden

Bei uns fing alles mit einem Umzug an (von 100qm auf 45qm) und der Frage, ob unser Lebensstil wirklich so nachhaltig ist, wie wir uns damals gerne gefühlt haben. Als erstes haben wir uns damals an unsere große Büchersammlung gemacht, die wir dank des Verschenkenregals in der örtlichen Bücherei um eine beträchtliche Anzahl Exemplare verkleinern konnten. Vorher müssen es ein paar hundert Bücher gewesen sein – was sich eben in den Leben von zwei Lesern so ansammelt. Je näher der Umzug kam, desto strenger wurden wir beim Ausmisten: Sofa – brauchen wir nicht mehr. Fernseher – schauen wir eh nie.

Und wenn du jetzt glaubst, dass wir so über Nacht zu Minimalisten geworden sind, muss ich dich enttäuschen. In unserer kleineren Wohnungen standen immer noch Unmengen von ungenutzten Dingen herum. Beim Vorbereiten auf den Livestream habe ich alte Fotos angeschaut und bin aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr herausgekommen. Es folgten also in den nöchsten Jahren einige weitere Ausmistaktionen, die wir hier auf dem Blog z.B. unter dem Schlagwort 300 Gegenstände, ByebyeSeptember und 365 Tage Minimalismus dokumentiert haben.

Ausführlicher über unsere Anfänge als Minimalisten haben wir übrigens auch an diesen Stellen geschrieben: Blogparade – Unser Weg in Richtung Minimalismus und im Entwurf für unser erstes Buch #MinimalWissen.

Viel wichter als unser Weg ist aber für dich die Frage, was dich antreibt.

Was für uns das ständige Umziehen und der Wunsch nach einem kleinen ökologischen Fußabdruck ist, kann für dich ein ganz anderer Antrieb sein. Vielleicht willst du so wie mamadenkt ein Zelt im Wohnzimmer aufbauen können oder nur noch 30min die Woche mit Putzen verbringen – je konkreter dein Ziel, desto einfacher ist es, den ersten Schritt zu machen. Und eine kleine Vorwarnung: Dein Ziel wird sich unterwegs wahrscheinlich verändern, denn bisher ist das konsequente Loslassen von Besitz an niemandem spurlos vorbeigezogen. Zu der Frage, was nach dem Ausmisten kommt, haben wir sogar mal andere Minimalist_innen befragt und ein ganzes Video gemacht.

2. Unsere Fehler: Das würden wir heute anders machen

Einer der meistgelesenen Beiträge auf unserem Blog trägt den Titel 5 Fehler, die ich auf meinem Weg zum Minimalismus gemacht habe. Fast täglich liest ein signifikanter Anteil unserer Besucher_innen diesen Text und die wunderbaren Kommentare – scheinbar also eine Sache, die nicht nur mich beschäftigt (hat). Für den Livestream habe ich den Text nochmal gelesen und einige Punkte an meine heutige Sicht angepasst.

Ausmisten & Loslassen - Webinar | Apfelmädchen & sadfsh

Punkt 1: Früher anfangen – rigoroser sein

Statt den x-ten Ratgeber zum Ausmisten zu lesen, einfach in einer Ecke anfangen. Super Tipp von jemandem, der einen Ratgebertext zum Loslassen verfasst, nicht wahr? Es ist aber wirklich so – fang einfach an und bleib dran. Und noch wichtiger: Mach dir nicht – wie ich damals – über jeden Stift und jedes Haargummi 1000 Gedanken. Spar dir deine Energie für die schwierigen Entscheidungen und sei rigoroser was den Kleinkram angeht.

Punkt 2: Nach Hilfe fragen, wenn ich nicht weiterkomme

Niemand ist perfekt und es tut manchmal gut, sich das offen einzugestehen. Statt also wie besessen zu versuchen, alles alleine zu schaffen, ist es vollkommen in Ordnung sich Hilfe zu suchen, wenn man nicht mehr weiterkommt. Besonders hilfreich finde ich immer die Gespräche beim Minimalismus Stammtisch, aber du kannst es auch im Minimalisten-Forum, in einer Facebook-Gruppe oder auf Twitter bzw. Instagram versuchen. Und wenn das alles nicht hilft: Es gibt professionelle Organizer, die dir helfen können.

Punkt 3: Weniger Druck machen

Manchmal bekomme ich E-Mails, in denen mir Menschen von ihren engagierten Ausmistzielen erzählen und mich um Hilfe fragen, weil das Ausmisten nicht schnell genug geht. Meine Antwort lautet dann immer: Nimm dir den Druck raus, Loslassen kostet Zeit und Energie.

Punkt 4 & 5: Steuern, was in die Wohnung kommt und klare Kommunikation

Genauso wichtig, wie das „raus“ aus der eigenen Wohnung ist das „rein“. Wer ständig ausmistet, aber trotzdem eine Shoppingtour nach der anderen macht, wird es schwer haben, die Menge des Besitzes dauerhaft zu reduzieren. Weniger klappt nur, wenn man mehr rausbringt als wieder herein. Heute wäre ich von Beginn an sehr viel kritischer bei der Wahl, was ich wieder über die Türschwelle in unser Zuhause bringe. In die gleiche Richtung zielt Punkt 4: Wer nicht klar sagt, dass er_sie keine (nett gemeinten) Mitbringsel, Geschenke und ähnliches mehr möchte, muss sich später nicht wundern, dass die Regale sich wie von alleine wieder auffüllen. Solche Gespräche sind nicht immer leicht – ich weiß das.

3. Mit diesen Methoden klappt das Ausmisten

Zu diesem Thema hat Marc einige sehr gute und ausführliche Videos aufgenommen, die du dir anschauen kannst: 5 Methoden zum Aussortieren & Fragen, die beim Loslassen helfen. 

Prinzipiell empfehlen wir immer wieder die selben Methoden, die ich der Vollständigkeit halber aber auch an dieser Stelle noch einmal kurz zusammenfasse. (Auf den Bildern siehst du übrigens ein paar Dinge, von denen ich nicht mehr wusste, dass ich sie jemals bessen habe.)

Methode 1: Eat the frog (Marcs Methode)

Der Bereich, der dir am wichtigsten ist, kommt zuerst. Wenn du dort etwas loslassen kannst, dann wird das Ausmisten in anderen Bereichen viel einfacher.

Methode 2: Haufenmethode (Marie Kondo, Magic Cleaning)

Alles von einer Art/Sorte auf einen Haufen legen, sodass du sehen kannst, wie viel Kleidung/Bücher/Spielzeug du tatsächlich besitzt. Gerade sortierte Mengen in Schränken neigen dazu, nach weniger auszusehen als sie tatsächlich sind.  Dann entscheidest du Stück für Stück, was bleiben darf und wirst wahrscheinlich schnell merken, wie viel unbekanntes/vergessenes dabei ist.

Methode 3: Schubladenmethode

Du leerst eine Schublade komplett und entscheidest, was du noch behalten möchtest. Nur das kommt wieder zurück, anderes entsorgen/verschenken.

Methode 4: Korbmethode

Nimm dir ein Gefäß und sortiere solange aus, bis dein/e Korb/Box/Tasche voll ist. Danach bist du fertig für den Tag.

Methode 5: Doofe Sachen

Zuallererst sortierst du aus, was du wirklich doof findest, aber eventuell eine emotionale Verpflichtung beinhaltet, z.B. Geschenke von Verwandten. Wenn dich der Gegenstand unglücklich macht, dann weg damit.

Zusatzideen: Lust auf ein Spiel?

Wer das ganze lieber etwas spielerisch angehen möchte oder sich eine echte Herausforderung setzen will, der findet z.B. bei den Amerikanern The Minimalists zwei schöne Ideen: ein fiktiver Umzug (Packing Party) oder das Minimalism Game. Während beim ersten Vorschlag der gesamte Besitz in Kisten verpackt und danach erst bei tatsächlichem Bedarf wieder ausgepackt wird, sortierst du bei der zweiten Idee jeden Tage eine bestimmte Anzahl Gegenstände aus. Ein Ding an Tag 1, zwei am zweiten Tag usw.

Neben den Fragen, die uns beim Ausmisten immer wieder helfen, zu entscheiden, was bleiben darf und was wir nicht mehr in unserem Leben haben wollen, kannst du auch mal einen Blick auf den Blog von Sunray The Organized Cardigan werfen, die eine tolle Artikelserie mit dem Namen „Räum dein Leben auf“ veröffentlicht hat. Und ganz aktuell findest du auch bei Mamadenkt Texte zum Entrümpeln bzw. dem Leben als Minimalisten mit Kindern. Weitere Lese- und Blogempfehlungen gibts auch auf unserer Lesetipps-Seite.

4. Eure Fragen – Unsere Antworten

Einen großen Teil des Livestreams (ab Minute 29) zum Ausmisten & Loslassen macht die Fragerunde aus, bei der wir Fragen aus dem Livechat beantwortet haben. Wir haben dieses Mal u.a. diese Fragen beantwortet:

  1. Was macht ihr mit Erinnerungsstücken?
  2. Gibt es Dinge, die wir bereuen, weggegeben zu haben?
  3. Was mache ich mit Büchern? Im Notfall wegwerfen?
  4. Mehr Geld – weniger Konsum – weniger Arbeiten?
  5. Was sind Erinnerungsstücken, von denen wir uns niemals trennen könnten?
  6. Wohin mit Kleinkram und Küchenutensilien?
  1. Was haltet ihr von Giveboxen? Kann ich sowas selber machen?
  2. Verschenken und Vertauschen über Soziale Netzwerke?
  3. Was ist mit klassischen Wegen wie Zeitungen und Aushängen?
  4. Wie haltet ihr es mit Vorräten? Was mache ich mit Lebensmitteln und Kosmetika, die ich bisher auf Vorrat gekauft habe?
  5. Plastikfrei & Minimalistisch – klappt das?

Zum Schluß wollen wir uns bei unseren tollen (Patreon-)Unterstützer_innen bedanken, die Livestreams und ausführliche Recherchebeiträge wie diesen möglich machen. Ihr seid spitze!

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

2 Kommentare zu “Ausmisten & Loslassen (Das Webinar-Protokoll)

  1. IHR SEID SO SO HERZIG!! Meine Güte, wie schade, dass ich nicht life dabei sein konnte und DANKESCHÖN für eure ganze Arbeit, das alles im Nachhinein noch mal aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen!! <3
    Dann lausche ich jetzt mal euren Worten und freue mich einfach über eure Art… 🙂

  2. Super, werde ich mir gleich durchlesen.
    Viele Grüße
    Kerstin

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