Minimalismus

5 Fehler, die ich auf meinem Weg zum Minimalismus gemacht habe

„Ich bin Minimalistin.“ Obwohl ich schon seit mehreren Jahren kontinuierlich mein Leben von materiellem und gedanklichem Ballast befreie, geht mir dieser Satz nicht immer leicht von den Lippen. Wer in unsere Wohnung kommt, wird feststellen, dass wir kein Sofa, keinen Fernseher, kaum Schränke und so gut wie keine Deko besitzen. Dennoch wird er sicherlich mehr als 100 Dinge finden und wahrscheinlich verwundert sein über z.B. die Menge an Büchern, die (noch) in unserem Bücherregal zu finden sind. Was er oder sie nicht sehen wird, ist der Weg, den wir in den letzten Jahren beschritten haben. Von 90 qm auf etwas unter 40qm. Von mehreren Hundert Büchern auf 150 Exemplare. Von einem komplett eingerichtetem Wohnzimmer zu einem einzigen Lesesessel. Von einem relativ gut gefülltem Kleiderschrank zu einer gemeinsamen Kommode, die nur mit Lieblingssachen gefüllt ist. Ich könnte diese Liste noch ewig weiterführen, doch diese Beispiele reichen sicherlich, um dir einen Einblick in die Entwicklung zu geben.

Was waren deine größten Fehler auf dem Weg zu einem einfachen, minimalistischen Leben?

Beim letzten Stammtischtreffen in Düsseldorf hat eine der anwesenden Interessierten diese sehr interessante Frage zu meinem Weg der letzten Jahre gestellt, die ich spontan nicht beantworten konnte. Nach ein paar Tagen Nachdenken und Gedanken sortieren möchte ich daher die Chance ergreifen, das nachzuholen.

1. Ich habe nicht früh genug angefangen und bin nicht rigoros genug gewesen.

Als ausgewiesener Kopfmensch fällt es mir manchmal schwer, Dinge nicht erst durchzuplanen und aus allen Blickwinkeln genaustens zu untersuchen. Wenn etwas so mit allen Möglichkeiten betrachtet wird, findet sich immer ein „aber“ oder ein „was wenn“ und schon bin ich mir unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist. Gerade beim Aussortieren sollte ich wohl häufiger auf mein Bauchgefühl horchen, denn intuitiv weiß ich bei jedem Gegenstand die Antwort auf die Frage, ob es mir gefällt bzw. Freude bringt. Außerdem lassen sich die meisten Sachen (Erinnerungsstücke ausgenommen) heutzutage sehr einfach und schnell wieder besorgen. Falls es dir wie mir geht, dann lies doch auch diesen Beitrag über die 20-20-Regel, die mir in solchen Situationen hilft.

2. Ich habe unterschätzt, wie sehr mir der Austausch mit anderen hilft.

Schon bevor sadfsh und ich uns vor zweieinhalb Jahren ans Bloggen getraut haben, hatte unser Minimalismus-Weg bereichts begonnen und wir sortierten in einem ersten Rutsch eine Vielzahl von überflüssigen Gegenständen und Möbelstücken aus. Durch den Austausch mit anderen Bloggern und Gleichgesinnten, z.B. beim Minimalismus Stammtisch, sind wir jedoch über die Jahre in unserem Denken und Handeln bestärkt worden. Mittlerweile weiß ich, dass es da unheimlich viele Menschen gibt, die genau wie du und ich nach einem einfachen, vom Konsum losgelösten Leben streben.

3. Ich habe nicht damit gerechnet, wie viel ich beim Entrümpeln über mich, meine Wünsche und Ziele lernen würde.

Ein paar Sachen wegwerfen, verschenken oder verkaufen und dann wird alles irgendwie einfacher. Ungefähr so habe ich am Anfang über Minimalismus gedacht. Niemals hätte ich damit gerechnet, wie sehr mich das Entrümpeln dazu bringt, mich mit mir selber zu beschäftigen. Mit jeder Entscheidung „behalten oder weg“ gestaltest du aktiv dein jetziges und zukünftiges Leben. So etwas geht nur dann (gut), wenn du dich selber fragst, was du eigentlich möchtest und wer du sein willst. Minimalismus lädt dich also nicht nur dazu ein, deine Wohnung aufzuräumen, sondern es ist für mich der Anfang einer Reise zu meinem Wunschleben gewesen.

Aussortierte DVDs, CDs und Computerspiele

4. Ich habe mir zu viel Druck gemacht, um dem Bild einer typischen Minimalistin zu entsprechen.

Eigentlich bin ich nicht der Typ, der sich an den Idealen anderer Leute misst (Danke, Mama!), sondern seine eigenen Vorstellungen entwickelt. Dennoch haben mich meine Beschäftigung mit dem Minimalismus, das Lesen über „erfolgreiche“ Minimalisten und das Betrachten von Bildern mit wunderschönen, weißen Zimmern irgendwann enorm unter Druck gesetzt. Zum Glück habe ich schnell gemerkt, dass es bei dieser Art des Lebens vor allem um das eigene Maß geht. Nur weil jemand mit weniger Teilen als du auskommt oder umgekehrt mehr braucht, bedeutet das nicht, dass er oder sie ein_e bessere_r Minimalist_in ist. Niemand kann dir sagen, wie viel genug für dich ist. Das musst du alleine herausfinden. Für mich hat sich dieses Maß über die Zeit z.B. immer wieder verändert.

5. Ich habe (aus Versehen) meine Lieblingsbücher aussortiert.

Ziemlich doof, nicht wahr? Zusammen mit sadfsh habe ich die Bücher in unserem Regal nach Farben sortiert und dabei auf einem gesonderten Stapel Bücher gesammelt, die nicht mehr zurück eingeräumt werden sollten. Durch ein Versehen, anders kann ich es mir nicht erklären, sind meine Lieblingsbücher (1984 von Orwell und Schöne neue Welt von Huxley) auf dem falschen Stapel gelandet. Aufgefallen ist mir der Verlust erst nach ein paar Wochen, aber seit dem vermisse ich sie sehr. Nachgekauft habe ich sie interessanterweise dennoch nicht. Was das nun wieder bedeutet…

6. …

Nachdem ich nun so offen über meine Fehler gesprochen habe, habe ich eine kleine Bitte an dich. Ausgehend von meiner Liste möchte ich gerne einen Leitfaden zusammenstellen, der Anfängern und Interessierten auf ihrem Weg hilft. Wir alle können sicherlich das ein oder andere aus den gemachten Fehlern lernen und uns gegenseitig unterstützen.

Ich würde mich daher sehr freuen, wenn du in den Kommentaren über deine Fehler auf dem Weg zum Minimalismus berichtest. An dieser Stelle schon mal ein dickes Danke für deinen Kommentar!

Nachtrag: Wenn du lieber nicht kommentieren möchtest, dann schreib mir deine Geschichte gerne an hallo(ät)apfelmaedchen.de und ich nehme deine Tipps anonym oder unter deinem Namen in den Leitfaden auf.

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

38 Kommentare zu “5 Fehler, die ich auf meinem Weg zum Minimalismus gemacht habe

  1. Hallo Apfelmädchen,

    kommt auf die Lebenssituation an. Bin fest davon überzeugt, man baut sich auf und ab im Leben. Ebbe und Flut. Ich hatte mal 2 Hochbetten und viele, viele Regale mit Kleinkind. Nun mit Teeniekind schmeiß ich alles raus seit 2 Jahren und fühle mich herrlich frei! Weil einfach diese lange Lebensphase beendet ist und ich wieder so wenig besitzen will wie als Studentin.

    100 Sachen: Ich mag mich nicht mit anderen messen. Z. B. bin ich null naturverbunden und mag kein Outdoor. Außer im Meer schwimmen und am Strand schlafen. Aber eben nicht dieses Rumwandern in der Botanik.

    Ausmisten: Eine Vorläufigkiste wäre manchmal gut gewesen weil ich ziemlich rigoros bin.

    Mutig sein: Ich finde gut, extremere Beispiele als mich zu kennen. Seit meinem Buch traue ich mich auch mehr und lebe jetzt ohne Rohrzange neuerdings. Hab sie nur einmal gebraucht in den letzten Jahren um eine Olivenölflasche aufzukriegen. Die kann man ja auch umtauschen. Wasserwaage gerade selbst gebaut. Geht auch nur mit Wasser. Haha!

    Liebe Grüße Tanja ohne Buch. Mag die Dinger nicht.

    • Hallo Tanja (mit selbstgeschriebenen Buch, aber ohne Buch im Regal),

      was rigoroses Ausmisten angeht, bist du zusagen mein Vorbild. Aus deinen Kommentaren spricht immer so viel Entschlossenheit, da könnte ich mir manchmal gut eine Scheibe von abschneiden. Gerade heute hab ich wieder einen ganzen Sack voller Kram aussortiert und musste denken, dass es bestimmt Leute gibt, die da schon viel eher durchgeriffen hätten.

      Liebe Grüße, Svenja

  2. Hallo Svenja,

    mir gefällt die Auflistung total gut, allerdings finde ich „Fehler“ irgendwie hart. Ich überlege auch mal ein bisschen, ob mir was dazu einfällt.

    Auf jeden Fall kann ich schon mal sagen: Ich habe mir zwischendurch ebenfalls zu viel Druck gemacht – und zwar aber mehr Richtung Nachhaltigkeit und Co.

    Geht auch ein eigener Beitrag und den Link dann hier veröffentlichen? Ich verlinke dich dann sowieso im Text bei mir (egal ob du willst, oder nicht :o))

    Was ich mich frag: Wie habt ihr auch als zwei Stunden eine 90 qm Wohnung leisten können?!?! Oder sind die Mieten in Essen so günstig? Oder war die am Ende der Stadt im Nirgendwo (bzw. dann ja schon fast wieder in einer anderen Stadt des Ruhrgebiets). Falls die Frage zu privat sein sollte, keine Antwort ist völlig okay.
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Hallo Nanne,

      mach das! Auf jeden Fall! Ich bin schon neugierig auf deine Antworten 🙂 Druck bei Nachhaltigkeit ist echt ein schwieriges Thema, da sind wir auch nicht immer vollkommen frei. Mit der Zeit (und durch viele Gespräche) habe ich aber erkannt, dass man nicht 100% nachhaltig sein kann. Und (leider) schon gar nicht mit einem Studentenbudget 😉 Die Wohnung war nicht in Essen, sehr günstig und wir haben anfangs zu dritt dort gewohnt. Später konnten wir uns einfach nocht vorstellen, mit jemand Fremden zusammenzuleben. Also haben wir zu zweit dort gelebt und schon damals gemerkt, dass uns das viel zu groß ist.

      Liebe Grüße, Svenja

  3. Hallo Apfelmädchen,

    Deine Gedanken haben mich heute spontan so inspiriert, dass ich dazu nicht einfach nur einen Kommentar sondern einen Post „Minimalismus – ein Weg“ geschrieben habe ….

    Viele Grüße aus Berlin,
    Anja

  4. Hi! Ein sehr guter und anregender Post. Seit gestern rattert es nun in meinem Kopf. Ich bin sicherlich erst ganz am Anfang hin zum minimalistischen Leben. Das ist mit Sicherheit auch meiner kleinen liebenswerten Familie, die allesamt Jäger und Sammler sind, geschuldet. So arbeite ich quasi im Untergrund und lockere das Lebens- und Wohnkonstrukt in kleinen Bereichen auf. Bei mir steht immer noch das Trennen im Vordergrund. Und ganz wichtig: das nicht mehr Kaufen. Ich bin mir sicher, wir sind auf einem guten Weg. Wir alle wachsen und reifen mit den Entscheidungen, die wir treffen. Nicht immer leicht. Nächste Woche findet ein Bücherflohmarkt statt … und ich habe mich entschlossen (endlich, endlich), mich von einem Großteil meiner Bücher zu trennen. Inzwischen ein leichter Weg … vor zwei Jahren wäre das noch unmöglich für mich gewesen. 😉

    Hm. Also über „Fehler“ habe ich jetzt gar nicht geschrieben. Ich würde es eh lieber Erfahrungen nennen. 🙂 lg trix

    • Hallo trix,

      es ist toll, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst. Danke dafür. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mit einer Familie nicht ganz so einfach ist, den Alltag zu minimalisieren. Andererseits bist du bestimmt für deine Kinder eine tolles Vorbild und kannst ihnen zeigen, dass man auch heute (in der sehr konsumorientierten Welt) auf andere Werte als Geld/Konsum/Besitz setzen kann. Ich drück dir die Daumen, dass alle deine Bücher ein schönes, neues Zuhause finden 🙂

      Liebe Grüße, Svenja

  5. Hallo Svenja,

    ich tendiere auch eher zum Begriff „Erfahrung“.

    Minimalismus ist unter anderem ein Prozess, der eben auch seine Zeit benötigt. Und ebenso, wie man sich selbst verändert, gilt das auch für Ansichten, was man benötigt und was nicht.

    Gerade deshalb kannst du ja in diesem Artikel über deine heutige Sicht schreiben: Weil sie sich im Vergleich zu vor ein paar Jahren verändert hat.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp,

      vielleicht war „Fehler“ etwas zu krass gewählt, aber ich hoffe, dass die Hauptaussage des Beitrags dennoch rüber gekommen ist. Ich habe übrigens gar nicht das Gefühl mich im klassischen Sinne verändert zu haben, es fühlt sich mehr so an, als würde man durch das Weglassen mit der Zeit zum Kern der eigenen Persönlichkeit vordringen. Vielleicht schreib ich dazu nochmal ausführlicher…

      Liebe Grüße, Svenja

  6. Was mir spontan einfällt:
    1) nicht genug darauf geachtet, was warum in mein Heim kommt (also entrümpelt und den Platz dann wieder gefüllt). Also zwar im Aeusseren entrümpelt aber lange nicht verstanden, dass damit ein innerer/LernProzess einher gehen muss, damit das Gerümpel nicht wieder kommt.
    2) Entrümpelt, was ich nicht mehr brauche anstatt das zu behalten, was ich liebe.

    • Hallo Dina,

      vielen Dank für deine Erkenntnisse, besonders deine Beobachtung zu innerer und äußerer Veränderung. Den Punkt werde ich auf jeden Fall in den Leitfaden aufnehmen. Dass „nicht mehr brauchen“ etwas anderes als „lieben“ ist, muss ich noch ein bisschen üben. Häufig sortiere ich nämlich eher aus, was ich nicht mehr brauche und fokussiere weniger darauf, was ich behalten möchte.

      Liebe Grüße, Svenja

  7. Du darfst mich nicht so oft zu solchen Beiträgen motivieren – das nahm etwas Zeit in Anspruch. Habe die Thematik etwas ausgeweitet und Philipps Begriff Erfahrung verwendet.
    http://einfachsoleben.blogspot.de/2015/04/acht-erfahrungen-auf-dem-weg-zum.html

    Dinas Tipp finde ich gut – mit dem: Was mag ich? Was „liebe“ ich? Das hat bei mir auch bei ein, zwei Sachen zu einer anderen Entscheidung geführt. Allerdings habe ich daher auch ein, zwei Sachen behalten, weil ich sie total toll finde und sie mir nicht passen (z.B. einen roten Cordrock, der mir zu klein ist).

    Ich fände übrigens sehr spannend, wenn du noch was zum Thema „zum Kern der Persönlichkeit vordringen“ schreiben würdest.
    Liebe Grüße
    Nanne

    • Hallo Nanne,

      an dieser Stelle nochmal ein großes Danke für deinen tollen Blogbeitrag. Man merkt beim Lesen richtig, dass du dir Zeit genommen hast und dir das Thema wichtig ist. Über Persönlichkeit & Minimalismus kann ich bei Gelegenheit gerne noch mehr schreiben, wenn ich mir selber genug Gedanken dazu gemacht habe 🙂

      Liebe Grüße & einen schönen Sonntag, Svenja

  8. Hallo!

    Mein größter Fehler war, dass ich von einer richtigen Minimalistin (Umzüge mit einem Auto voll!) aufgrund von 2 Kindern zu jemand anderem wurde. Seßhaft, mit Haus, mit viel Zeug und zu viel von allem.

    Der Weg zurück ist nicht einfach und dauert mir viel zu lange. Und nachdem ich sentimental bin fällt es mir noch schwerer.

    Und noch ein großer Fehler – die Kinder ausziehen zu lassen ohne dass sie ihr ganzes Zeug mitnehmen. Ich habe ein ganzes Zimmer voll Zeug von meiner Tochter, das ich nicht weggeben darf aber Platz dafür hat sie auch keinen.

    Das ist mein nächstes Projekt.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      ein Auto ist aber ganz schön wenig. Wir bekommen nicht mal unseren Kühlschrank in einen normalen Mittelklassewagen befürchte ich. Bedauerst du auch die Seßhaftigkeit mit dem Haus oder nur, dass dieses am Ende so voll geworden ist? Svenja ist ja auch ein Mensch, der gern alle 3 Jahre die Wände wechselt und viel sehen möchte. Ich kann mich durchaus mit längeren Aufenthalten an einem Ort anfreunden.

      Hättest du im Rückblick denn emotional die Möglichkeit gehabt deinen Kindern zu sagen: Nehmt alles mit oder es kommt weg.? Ich bin mir bei meinen Eltern nicht ganz sicher, aber ich glaub so ein paar Sachen, so unbedeutend sie auch waren, haben irgendwie noch bei ihnen bleiben müssen, damit die Trennung nach der langen Zeit, die wir gemeinsam unter einem Dach verbracht haben, nicht so schwer fällt.
      Mittlerweile wird da aber auch groß aufgeräumt. Vielleicht schaut ihr beim Aufräumen ja nocheinmal 1-2 Erinnerungen an, dann tut es nicht nur gut, weil es danach aufgeräumter ist, sondern noch dazu, weil ihr euch an ein paar schöne Erlebnisse erinnern konntet.

      Liebe Grüße,
      sad<><

    • Hallo Maria,

      vielen Dank für deinen ehrlichen und offenen Kommentar, der noch einmal eine ganz andere Perspektive beleuchtet als es uns als Studenten möglich ist. Deinen Fehler nehme ich sehr gerne mit in den Leitfaden auf. Ich habe übrigens all meine Sachen beim ersten Auszug mitgenommen (zwei Kisten Bücher musste ich nach ein paar Wochen noch abholen) und habe meinen Eltern damit hoffentlich einen Gefallen getan 🙂

      Liebe Grüße, Svenja

    • Meine Mama hortet heute noch Bücher, die ich damals da gelassen habe – ich würde hätte sie längst weitergegeben, aber das darf ich jetzt nicht mehr…

  9. Hallo Svenja,

    ich selbst kann zwar noch nicht von meinen Erfahrungen und Fehlern mit dem Minimalismus erzählen, da ich selbst noch ganz am Anfang stehe. Ich finde es super, dass du hier so offen über Deine Fehler und Probleme auf dem Weg zum Minimalismus schreibst, das nimmt mir auch ein wenig die Unsicherheit und den Druck, gleich alle perfekt machen zu müssen. Die Idee mit dem Leitfaden finde ich übrigens auch toll als Hilfe für den Anfang, wenn man noch nicht so recht weiss, wie man beginnen soll. Ich für mich habe mir jedenfalls vorgenommen, jeden Tag ein Teil auszumustern und mir am Wochenende eine bestimmte Ecke meiner Wohnung vorzunehmen und möchte das auch auf meinem (ebenfalls neuen) Blog dokumentieren, so als kleiner Ansporn:)

    Viele liebe Grüße
    Selina

    • Hallo Selina,

      herzlich Willkommen auf Apfelmädchen & sadfsh und vielen Dank für deinen Kommentar. Im Moment sammle ich noch fleißig für den Leitfaden, der dann hoffentlich in ein paar Wochen fertig ist. Beim Minimalismus geht es darum, dass du deinen eigenen Weg findest/gehst, wie hier ja schon häufiger angesprochen wurde. Falls du unterwegs Schwierigkeiten hast oder dich mit anderen Minimalisten austauschen möchtest, dann kannst du uns gerne eine Nachricht an hallo(ät)apfelmaedchen.de schreiben oder du schaust bei einem der nächsten Minimalismus-Stammtische vorbei.

      Liebe Grüße & viel Erfolg mit deinem Blog,
      Svenja

  10. Mir fällt noch ein:
    *Nicht zu viel reduzieren. Soll sich gut anfühlen. Kein Mensch braucht Bilder an der Wand. Ohne ist aber erdrückend. Wenigstens ein paar Postkarten.

    *Ich hab gemerkt, dass ich manches vielleicht nie brauchen werde aber besitzen sollte, wie ein Fieberthermometer.

    *In Funktionsräumen wie Küche finde ich Minimalismus anstrengend weil der Besitz flexibel ist. Mal hab ich Kartoffeln, mal nicht. Deswegen lieber mehr Ablage auch wenn sie oft frei ist.

    *Und langfristig denken. Keine 36 l Minibar weil so süß, sondern 50 l als Mini-Kühlschrank. Sonst ist mir das irgendwann zu klein und ich ärgere mich. Natürlich auf Stromverbrauch achten. Sonst wird Minimalismus teuer.

    *Bei den Themen vegan, Nachhaltigkeit, Plastik würde ich erst mal umsetzen was leicht und alltagstauglich ist. Für schnelle Erfolge. Dann schauen wie weit ich insgesamt gehen will und ob das überhaupt meins ist.

    *Langfristig an seinem Glück arbeiten. Mit Minimalisieren. Sich frei machen von allem was nervt. Auch Kontakte. Was ist mir meine Zeit wert? Ich denke, jeder hat ein anderes Ziel dabei. Manche wollen den Alltag vereinfachen, andere ihn loswerden und Abenteuer erleben.

    Liebe Grüße
    Tanja

    • Hallo Tanja,

      vielen Dank für deine ausführliche Liste und die tollen Beispiele. Gerade beim Fieberthermometer oder auch Pflastern etc. stimme ich dir zu – wenn man es braucht und nicht hat, ist es ziemlich nervig. Besitz in der Küche erfasse ich sowieso anders: Lebensmittel zählen nicht, weil sie für mich Verbrauchsgegenstände sind. Natürlich ist es sinnvoll nur das zu haben, was man auch regelmäßig isst und keine endlose Vorratshaltung zu betreiben.

      Liebe Grüße, Svenja

  11. Liebe Svenja

    Mir fällt es schwer, von „Fehlern“ zu schreiben – es sind Erfahrungen, die ich gemacht habe. Und an diesen Erfahrungen ist ja nichts falsch.

    Ich würde meine Bücher nicht mehr via BookCrossing entsorgen, sondern sie von vorn herein in die Bibliothek oder in das gemeinnützige Gebrauchtwarenkaufhaus bringen. (Offene Bücherschränke gibt es in meiner Nähe leider nicht). Ich habe zwischen 70 – 80 Bücher via BookCrossing auf die Reise gebracht und der Aufwand hierfür war alles andere als minimalistisch: Aufkleber ausdrucken (Toner- und Papierverbrauch), Aufkleber ausschneiden, ins Buch kleben. Buch erst registrieren, dann die Freilass-Info erstellen – wer BookCrossing kennt, weiss, dass dies zwei verschiedene Schritte sind. Dann die Bücher nach Zürich in die nächste Open-BookCrossing-Zone (OBCZ) bringen (Fahrticket, Zeit). Die OBCZ befindet sich in einem Café, das ich immer extra ansteuern muss, weil es nicht auf meinen gewohnten Wegen liegt. Warum ich die Bücher nicht in die Wildnis entlasse, habe ich hier beschrieben: http://fraumomosminimalismus.ch/bookcrossing-ist-die-freie-wildnis-ein-bessere-muellhalde/ Zu guter Letzt war die Rückmeldung via BookCrossing recht mager (es wurden verhältnismässig wenig Einträge ins Journal gemacht).

    Ich war nicht darauf gefasst, dass ich mit meinen minimalistischen Aktivitäten öfters in die Armutsecke gesteckt werde. Also dass andere Menschen von mir denken, ich hätte kein Geld und würde deshalb auf Auto, TV, E-Book-Reader, MP3-Player, diverse Küchenmaschinen, teure Fernreisen, grossen Kleiderschrank, etc. „verzichten“. Alleine in dem Wort „verzichten“ steckt schon der Gedanke, dass man heutzutage wie eine Art „Anspruch“ auf all diese Dinge hat und wer sich diesen Standard nicht „leistet“, hat kein Geld. Ich bin heute noch verblüfft, wenn ich mitbekomme, dass andere Menschen mir erst einmal automatisch eine Art Armutsverdacht unterstellen und erst nach und nach im Gespräch deutlich wird, dass ich das alles nicht will & brauche, Freude an meinem Leben habe und mein Geld in andere Dinge investiere.

    Liebe Grüsse

    Frau Momo

    • Liebe Frau Momo,

      vielen Dank für deine interessanten Gedanken. Besonders deine Ausführungen zu Armut und freiwilligen Verzicht haben mich zum Nachdenken gebracht. Manchmal glaube ich nämlich, dass Teile meiner Familie unseren Minimalismus auch für so eine „studentische“ Phase halten und hoffen/erwarten (?), dass sich einiges ändert, wenn wir endlich (nicht meine Worte!!) Geld verdienen. Ich sehe das noch etwas anders… Dieses Anspruchsdenken bzw. dieser implizite Standard in der Gesellschaft – das ist nochmal ein ganz anderes Thema über das ich mich bei Gelegenheit mal separat auslassen kann/sollte/möchte.

      Liebe Grüße, Svenja

    • QuatschKage

      Bookcrossing ist überhaupt nicht so umständlich! Garkein Aufkleberdrucken usw. notwendig … Grüße!

  12. Pingback: Netzfundstücke | frau momos minimalismus

  13. Mein Fehler war es (und ist es manchmal immer noch) dass ich an Geburtstagen oder an Weihnachten nicht deutlich mache, dass ich WIRKLICH keinen weiteren Kram haben möchte…
    Noch schlimmer ist es bei Kindern. Ich habe vor zehn Monaten eine kleine Tochter bekommen, in unseren beiden Familien das erste Enkelkind und für unsere Omas der erste Urenkel. Man bekommt einfach so viele Sachen, dass man gar nicht weiß wohin damit. Und selbst wenn man sagt, dass sie nichts braucht, wird doch immer wieder etwas gekauft, weil es ja „sooo niedlich“ ist. Bei Kleidung habe ich zum Glück eine gute Freundin, deren Tochter ein halbes Jahr älter ist, sie leiht mir dann viele Klamotten, sodass ich nicht alles selbst kaufen muss und die Sachen werden nicht nur einmal getragen und dann weggetan. Gerade bei meiner Oma fällt es mir aber auch sehr schwer, Geschenke abzulehnen, da muss ich wohl noch dran arbeiten 😉

    • Hallo Julia,
      das verstehe ich sehr, Aber vielleicht hilft dir der Gedanke, dass deine Familie Freude daran hat, dich/euch zu beschenken. Vielleicht ist es daher auch irgendwie ein Zeichen der Großzügigkeit, ihr diese Freude nicht zu nehmen.

  14. Bei mir ist der Wunsch nach Minimalismus teilweise intuitiv entstanden. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es sich gut anfühlt, weniger Dinge zu besitzen und für alle Dinge, die man besitzt einen Platz zu haben, den man identifiziert hat.
    Nach und nach fing ich an meine Kleidung auszusortieren, was sich als Prozess erweist der jedes Jahr verschärft wird. Jedes Mal habe ich wieder den Kick, wenn der Stapel weniger geworden ist und so zeigt es sich auch mit Möbeln. Durch kurzweilige Umzüge in den letzten Jahren (für Praktika, Master) wurde mein Bewusstsein dafür gestärkt, welche Dinge mir lieb sind und welche nicht. Dadurch wachse ich langsam in ein minimalistischer werdendes Leben hinein, was ich – für mich – angenehmer finde, als das Pflaster einfach abzureißen.
    Deswegen würde ich für Anfänger einen Stufenplan empfehlen. Sich zweimal im Jahr hinsetzen und aussortieren. Anschließend überlegen, welche Möbel man möglicherweise nicht mehr benötigt. In ein paar Monaten erneut überlegen, was neu hinzugekommen ist, ob die Anschaffungen nötig waren, was man (wieder) aussortieren kann und damit ein schrittweise Umdenken stattfinden lassen.

    Dein Text war sehr inspirierend!

  15. Hallo Svenja,

    ich fand deinen Blogeintrag sehr unterstützend für mein eigenes kleines Minimalismusprojekt (366dayschallengeblog.wordpress.com). Besonders Part 3 finde ich selbst interessant. Es gibt so viele Dinge, die ich aufgehoben habe, weil sie mich an eine Person erinnern, die ich einmal war, und vielleicht gerne irgendwann noch einmal sein würde. Es ist gar nicht immer so einfach das loszulassen.

    Julias Kommentar zum Thema Geschenke spricht mir ebenfalls aus der Seele. Ich habe keine Kinder, aber finde es schon an Geburtstagen und Weihnachten schwer genug Leuten zu vermitteln, dass ich eigentlich alles habe. Ich würde mir total gerne Zeitgeschenke wünschen, traue mich aber oft nicht das so auszudrücken. Mittlerweile wünsche ich mir dann meist Konsumierbares. Wein oder Schokolade nehmen meist nicht lange Platz weg 😉

    Das Thema Geschenke geht meiner Meinung nach auch Hand in Hand mit dem Thema „Armut“, was ihr angesprochen habt. Wir behalten bewusst unsere kleine Studentenwohnung, weil wir einfach merken, dass uns das erst einmal reicht. Warum soll ich so viel für Miete ausgeben, wenn ich super auskomme? Wir bekommen aber oft zu hören „Was, ihr wohnt immer noch in der kleinen Wohnung?“. Mich stört das nicht direkt, aber manchmal fühlt man sich schon ein bisschen blöd bei solchen Bemerkungen. Vielleicht muss man das irgendwie positiver auffassen?

    Zum Thema Küche und Essen: Hier habe ich eher die Erfahrung gemacht, dass Vorratshaltung mein Leben eher vereinfacht. Man muss seltener einkaufen, hat immer etwas zu essen im Haus (Ich finde es unglaublich nervig, wenn ich ständig noch was dazu kaufen muss), und wird dann letztendlich auch weniger schnell zu unnötigen Käufen verführt.

    Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, wie es Ende des Jahres bei mir dann so aussieht, und verfolge bis dahin mal weiter deinen Blog 😉

    • Hallo Annika,

      wow. Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ich greif mal den Wohnungspunkt raus, okay? Sadfsh und ich haben da ganz ähnliche Erfahrungen gemacht, wenn wir anderen erzählen, wie klein unsere Wohnung ist. Unser letzter Umzug hat quasi unbeabsichtigterweise dazu geführt, dass wir etwas mehr Platz haben (wieviel wissen wir nicht, weil es gar nicht im Mietvertrag steht). Schon nach 2 Wochen haben wir unser neues Schlafzimmer leer geräumt und schlafen jetzt im großen Wohnzimmer-Arbeitszimmer, weil es einfach viel gemütlicher ist. Und wir es so gewohnt sind. Besucher_innen findes das aber immer sehr ungewöhnlich 🙂 Wenn wir über unsere möglichen zukünftigen Wohnungen nachdenken, dann haben wir beide nicht das Bild von riesigen Häusern im Kopf, wie es hier auf dem Land z.B. sehr üblich ist. Solange es uns gut geht in unseren vier Wänden, muss das auch für unsere Freunde/Familie okay sein.

      Viel Erfolg für dein eigenes Projekt,
      Svenja (Apfelmädchen)

  16. Pingback: Bye bye Kindheit, bye bye Schaukelpferd! | 366days

  17. Alex (die)

    Hallo ihr Lieben,
    Ich habe mich mit dem minimalistischen Lebensstil befasst, und sortiere und werfe alles weg was mir nicht lieb und teuer ist. Habe mich über Monate sehr unwohl in meiner Wohnung gefühlt und so sah diese auch aus. Jetzt befreie ich mich von meinem Ballast und es tut der Seele gut. Zur Zeit wohne ich in einer 85 m2 Wohnung . Je nach dem was übrig bleibt, werde ich in eine kleinere Wohnung umziehen. Das Putzen geht viel schneller und macht nun viel mehr Spass. Manche Möbel sind schon fast überflüssig 🙂 ich hatte schon mal so ne Phase in meinem Leben und damals dachte ich, ich stehe alleine da. Bei meinem Umzug vor 8 Jahren waren die Möbelpacker so entsetzt, da ich den Minimalismus damals schon gelebt habe.
    Heute bin ich selbstbewusster und freue mich, dass ich hier Gleichgesinnte gefunden habe.
    Schön das es euch gibt :-))

    • schon seit jahrzehnten,vor allem bei jedem umziehen,hatte ichs mir vorgenommen…fakt ist,dass ich jetzt erst,seit ich mein grundfinanzproblem gelöst habe,überhaupt erst richtig dazu komme.sind zwar mittlerweile 1halbes dtzd entrümplungsbücher dazugekommen,..grad tu ich,soviel ich kann…jetzt hör ich auf mit schreiben-es könnte ja noch was zu tun sein…
      gut ist schon mal,dass meine wohnung nicht gross ist…das hier ist 1 toller blog

  18. Eduard Willareth

    Ich versuchte zu leben, was ich als Begriff nicht kannte: Minimalismus. Die Frage war stets, was brauche ich wirklich? Alle Küchenmaschinen, ausser einem Personalblender sind verbannt, dazugekommen ist ein scharfes Messer. Einige Möbel und Teppiche sind weg. Vorbild war für mich die japanische Wohneinrichtung. Ich bin noch nicht am Ende, der Kampf gegen den Überfluss ist heftig, denn immer wieder ertappe ich mich, etwas kaufen zu wollen, was mir gefällt, was ich aber gar nicht brauche. Bei Büchern werde ich immer wieder schwach…

  19. Ich erlebe es so, dass der Weg zum „Weniger haben“ doch das spannende ist. Es ist wirklich eine Auseinandersetzung auch mit der eigenen Geschichte. Ich konnte mich auch von einigen Erinnerungsstücken trennen, weil ich mittlerweile von allen Dingen, die ich weggebe, Fotos mache. So bleiben sie für mich lebendig und ich kann mich versichern, dass sie da waren und mein Leben ein Stück weit miterzählen. Ich überlege auch, langfristig ein Fotobuch mit all den weggegebenen Gegenständen zu machen, eben weil sie mehr als „Plunder“ oder „Ballast“ sind.

  20. Ein weiterer Punkt ist von Frau Momo angesprochen worden: Es ist echt schwierig, die Gegenstände sinnvoll abzugeben. Wieviel Zeit habe ich schon mit Aushängen, Kleinanzeigen, Verschenken etc. verbracht um den Gegenständen noch eine halbwegs sinnvolle Zukunft zukommen zu lassen. Es ist so viel schwieriger, die Sachen loszuwerden, als neue zu bekommen. Hier ist wohl der Weg das Ziel und er lehrt, weniger zu kaufen.

  21. Hallo Apfelmädchen 🙂

    Ich finde deinen Blog sehr inspirierend und versuche, mir ein Beispiel an euch zu nehmen. Was mir sehr sehr schwer fällt, ist tatsächlich, Sachen einfach wegzuwerfen – da ich komplett gegen unnötige Müllerzeugung bin und es einfach nicht mit mir vereinbaren kann, wenn Sachen, die noch funktionieren, in der Tonne landen (oder bei Menschen, die es zwar „geschenkt“ bekommen, es dann aber viel zu teuer an arme Menschen weiter verkaufen). Wie gehst du mit dieser Problematik um?
    Vielen Dank für deine Antwort.

    LG

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