Achtsamkeit

100 happy days oder warum ich seit einer Woche jeden Tag ein Foto mache

Vor ungefähr einem Jahr machte auf Instagram, Twitter und in vielen Blogs eine interessante Challenge die Runde: 100 happy days. Basierend auf der Frage „Can you be happy for 100 days in a row?“ („Kannst du 100 Tage am Stück glücklich sein?“) rief bzw. ruft das Projekt dazu auf, jeden Tag ein Bild von etwas aufzunehmen, dass dich glücklich gemacht hat. 100 Tage lang.

Aber Svenja, warum willst du denn da mitmachen? Du schreibst doch immer, dass du schon glücklich bist? Und warum sollen wir denn plötzlich alle immer und sowieso und überhaupt glücklich sein? Ich gebe zu im ersten Moment habe auch ich gedacht, dass es sich bei dieser Herausforderung um eine der typischen Lass-uns-alle-nur-noch-glücklich-sein-und-unser-Glück-allen-zeigen-Aktion handelt. Warum ich meine Meinung geändert habe und was diese Challenge mit Psychologie zu tun hat, stelle ich dir im heutigen Beitrag vor.

Ein bisschen Psychologie zum Thema Dankbarkeit

Immer wieder geht es hier auf dem Blog auch um Themen, die nur am Rande etwas mit Nachhaltigkeit oder dem Ausmisten zu tun haben. Sadfsh und ich machen uns dann z.B. Gedanken über unser (zukünftiges) Leben und fragen uns, was uns glücklich macht. Erst neulich haben wir über Tage gesprochen, an denen manchmal alles schief zu gehen scheint, und welche kleinen Tricks wir kennen, um das Runder in solchen Momenten rumzureißen. Die große Anzahl an Kommentaren zeigt uns, dass wir damit nicht allein sind. Letztendlich, so sagt es zumindest Alain de Botton in einem seiner Bücher, geht es immer um Liebe: das Gefühl, geliebt zu werden, und selbst Liebe zu geben.

Neben vielen anderen Aspekten, über die ich in den nächsten Wochen noch ausführlicher schreiben werde, spielen Achtsamkeit und Dankbarkeit für das eigene Leben eine wichtige Rolle bei der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben.

100happydays_1-3Sogar die psychologische Forschung, insbesondere die Positive Psychologie, untersucht seit einigen Jahren, welchen Einfluss Dankbarkeit auf unser Wohlbefinden hat. So fanden etwa Robert Emmons und Mike McCullogh in einer 10wöchigen Studie mit Probanden heraus, dass das Führen eines Dankbarkeitstagebuchs (1 Satz mit 5 Dingen, die sie dankbar gemacht hatten, pro Woche) das Glücksempfinden (gemessen vorher und nachher) um 25% steigern konnte. Außerdem waren die Mitglieder der Dankbarkeitsgruppe (im Gegensatz zur negativen und neutralen Gruppe) sportlich aktiver und wiesen weniger gesundheitliche Probleme auf. (Quellen: Robert Emmons, Vom Glück, dankbar zu sein, Campus Verlag 2008, S. 38 – 42).

Bei Dankbarkeit geht es also keinesfalls darum, ständig wie eine Aufziehmaus rumzulaufen und allen zu sagen, wie glücklich du bist (obwohl das natürlich voll in Ordnung ist, wenn du dein Glück mit anderen teilen willst). Vielmehr steht eine Veränderung deines Blickwinkels im Vordergrund: zu erkennen, was bereits alles gut ist in deinem Leben und welche Tätigkeiten/Menschen/Dinge dir gut tun.

 Was hat das alles mit dem 100 happy days – Projekt zu tun?

Genau genommen ist die gesamte Challenge nichts anderes ein großer (und schön gestalteter) Aufruf, ein öffentliches Dankbarkeitstagebuch zu führen – für 100 Tage oder länger. Wenn du schon ein bisschen länger auf dem Blog mitliest, dann weißt du vielleicht, dass sadfsh und ich mehr oder weniger regelmäßig selber eine Art Dankbarkeitstagebuch geführt haben. Im letzten Jahr habe ich dazu immer drei Dinge in mein Tagebuch geschrieben, für dich ich an diesem Tag dankbar gewesen bin. Dieses Jahr habe ich mich für eine Alternative zum klassischen Tagebuch entschieden und führe ein daily log – also ein Logbuch mit einer Seite pro Tag, auf denen ich ganz unterschiedliche Dinge notiere. Leider ist dort kein Platz für meine bisherigen Dankbarkeitspunkte.

100happydays_4-6Mehr als zwei Monate sind seit dem Jahresbeginn vergangen und ich vermisse nicht nur das tägliche Notieren von Dingen, für die ich dankbar bin, sondern auch ein wenig unsere Challenge. Passenderweise habe ich mich daher vor sechs Tagen an das 100 happy days – Projekt erinnert und spontan beschlossen, der Sache eine Chance zu geben. Jeden Tag für die nächsten 94 Tage möchte ich daher meinen Blick auf den Alltag schärfen und häufiger inne halten, um mir den besonderen Momenten bewusst zu werden. Fräulein im Glück hat dafür heute die gleichermaßen schönen, wie treffenden Worte „nothing is ordinary“ („nichts ist gewöhnlich“) benutzt.

Heute möchte ich dir zum Abschluss die beiden folgenden Fragen mit auf den Weg geben: Spielt Dankbarkeit eine Rolle in deinem Alltag? Wann hast du das letzte Mal inne gehalten und einen Moment ganz bewusst genossen?

Quelle für das Titelbild: aufgenommen von Jake Givens (unsplash.com)

Heißt zwar Apfelmädchen, mag aber eigentlich lieber Erdbeeren als Äpfel. Lebt minimalistisch, nachhaltig und vegan. Studiert Psychologie. Liest leidenschaftlich gerne Bücher & Comics. Interessiert sich für die Zukunft (Science Fiction, Dystopien, Postwachstumsökonomie), aktuelle Politik und Feminismus. Organisiert von Zeit zu Zeit Events wie die Konsumauszeit oder die Minimal Kon. Verbringt zu viel Zeit auf Twitter.

13 Kommentare zu “100 happy days oder warum ich seit einer Woche jeden Tag ein Foto mache

  1. Pingback: Die Woche verging wie im Flug :: Gebündeltes Glück

  2. Hallo!

    Das ist ein sehr interessantes Projekt, ich freue mich schon auf weitere Informtionen darüber, wie Du es erlebt hast.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      danke für deinen Kommentar. Bisher macht es sehr viel Spaß und als Nebeneffekt lerne ich einiges über Bildkomposition und Farbgestaltung.

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
      Svenja

  3. Klar bin ich dankbar. Hat ja auch viel mit Minimalismus zu tun dankbar für die jetzige Lebenssituation zu sein. Das innehalten und alltagssituationen mit Abstand betrachten und genießen, passiert auch, aber nicht täglich. Also gibt’s da noch etwas zu tun.

    Das mit dem lieben und geliebt werden hast du schön gesagt. Manchmal wenn ich das Gefühl habe, dass alles schief läuft und ich alleine bin, denke ich mir: das wäre schön, wenn mir jetzt jemand vor Augen führt wofür ich dankbar sein kann. Und dann frage ich jemand anderes was in seinem Leben gut läuft. Das hat dann meistens den gleichen Effekt, und macht sogar noch jemand anderen glücklich.

  4. Gerade fällt mir noch ein: meine Mutter hatte in unseren Großfamilien-Urlauben immer einen Moment in dem sie sagte: „was ham wir’s schön, oder? ..mal ernsthaft ..wir Habens richtig schön hier zusammen.“ Wenn man das in die Runde schmeißt entsteht ein interessanter schöner Moment. Und daraus ist eine Tradition entstanden, die von meiner Schwester und mir immer wieder an Familienfeiern oder Urlauben, oder einfach mal beim Frühstück fortgeführt wird. Hab ironisch, halb ernstgemeint.

    • Hallo Zyklop,

      sich gemeinsam daran erinnern, wie gut man es hat und wie dankbar man dafür ist, ist wirklich eine tolle Tradition. Gleichzeitig, da hast du vollkommen recht, verändern sich die eigenen Gedanken, wenn jemand anders die gleiche Situation als wunderbaren Moment wahrnimmt, während man selber vielleicht gedanklich ganz woanders ist.

      Liebe Grüße, Svenja

  5. Pingback: Unsere Netzhighlights – Woche 11/2015 | Apfelmädchen & sadfsh

  6. Ganz wichtiges Thema! Die Fotos finde ich schon recht schön arrangiert. 🙂 Für mich persönlich macht Dankbarkeit mein Leben viel gelassener.

    Lieber Gruß,
    Philipp

    • Hallo Philipp,

      danke für das Kompliment. Unter der Woche lade ich das Bild des Tages bei Instagram hoch, aber für den Blog darfs natürlich etwas komprimierter sein. Angeordnet sind die Bilder übrigens in der Reihenfolge, in der ich sie aufgenommen habe 🙂

      Liebe Grüße, Svenja

  7. Ich finde das Projekt schon toll. Und ich glaube auch, dass Glück viel mit persönlicher Einstellung zu tun hat. Wenn man von vorn herein pessimistisch an Dinge herangeht, werden sie oft auch schlecht. Self-fulfilling prophecy und so. Auch ewiges Gemecker kann ich nicht ab, beziehungsweise sollte man sich nicht zu sehr an einer Sache festbeißen. Sich immer wieder vor Augen zu halten, was man hat, wofür man dankbar sein kann und schöne Momente bewusster zu genießen, macht einiges aus. Vielleicht probiere ich es auch mal aus, obwohl ich nicht weiß, ob ich wirklich 100 Tage durchhalten würde.

    Ach ja, und ich mag deine Fotos unglaublich gern. Da kann ich mit meiner Schrotthandykamera nur neidisch werden. 😀

    • Fun-Fact: Wir haben zwar eine Kamera, aber weil die nicht quadratisch fotografiert, macht Svenja alle Instagram-Fotos mit dem Handy : )

    • Hallo Karo,

      vielen Dank für deinen Kommentar. 100 Tage sind wirklich eine lange Zeit und als „nicht-regelmäßig-Fotografierende“ macht mir das schon ein wenig Angst. Den genauen Startpunkt habe ich mir deshalb einfach gar nicht aufgeschrieben und konzentriere mich immer nur auf den aktuellen Tag: 1 Bild und dann am nächsten wieder eins usw. Aufgefallen ist mir schon, dass sich meine Wahrnehmung verändert. In manchen Situationen frag ich mich genaz bewusst: Macht mich das gerade glücklich? Wenn nicht, was kann ich umgestalten/verändern? Außerdem kannst du dir ja deine eigenen Regeln setzen und z.B. nur 50 Tage machen oder einen Monat – der Effekt ist bestimmt trotzdem da.

      Wie sadfsh schon gesagt hat, ist mein fotografisches Auge nicht sooo gut, daher knipse ich am liebsten mit dem Smartphone. Dort kann ich nämlich gleich im Quadrat aufnehmen und muss später nicht zuschneiden. Ausnahmen oben: das Tulpenbild, weil dort das Licht so schlecht war, dass ich ein etwas lichtstärkeres Objektiv brauchte.

      Liebe Grüße, Svenja

  8. Pingback: Wie ich die besonderen Momente des Alltag schätzen lernte | Apfelmädchen & sadfsh

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