Warum du als Minimalist_in mehr als 100 Dinge besitzen darfst | Apfelmädchen & sadfsh
Minimalismus

Warum du als Minimalist_in mehr als 100 Dinge besitzen darfst

Alle Monate wieder findet sich auf einer der großen deutschen Nachrichtenseiten ein Beitrag über Minimalismus. Artikel zum Veganismus braucht man meiner Erfahrung nach dieser Tage kaum anklicken, da dort meist nur besprochen wird, dass Veganer_innen Fleischersatzprodukte konsumieren, die auch nicht gesünder sind. Beim Minimalismus ist die Aufmerksamkeit noch nicht ganz so negativ, aber was auch immer das Thema ist, niemand kommt drum herum die 100 Dinge – Idee zu erwähnen.

Wie ein Mythos schwebt diese Zahl über dem Minimalismus und nicht selten schleicht sich bei mir das leichte Gefühl ein, dass Außenstehende fast erwarten, man hätte nur 100 Dinge, während überzeugte Minimalist_innen sich darüber so gut wie gar keine Gedanken machen. Diese Außenwirkung finde ich fatal, denn ich bin überzeugt: Viele Menschen würden mit einer minimalistischen Lebenseinstellung ein glücklicheres Leben führen, sie ziehen es jedoch nie in Betracht, weil das von sensationshungrigen Medien erschaffene Bild keine Durchschnittsminimalist_innen, sondern ein seltenes Extrem zeigt.
Persönlich habe ich absolut nichts gegen Menschen, die ein so reduziertes Leben führen können, ich bewundere sie sogar dafür. Dennoch möchte ich heute versuchen mit diesem (vielleicht größten?) Minimalismus-Mythos aufzuräumen!

Der 100 Dinge Mythos

Der US-Amerikaner Dave Bruno hatte eines Tages die Idee, den Besitz in seinem Leben zu reduzieren. Könnte er sein Leben immer noch führen, wenn er nur 100 Gegenstände besäße? Diese Zahl ist vollkommen willkürlich gewählt. Sicherlich gibt es psychologische Gründe, warum wir Menschen dazu tendieren die 100 anstelle der 42 zu wählen, zum Beispiel weil sie den Sprung vom zwei- in den dreistelligen Bereich markiert, aber darum soll es gar nicht gehen. Es gab vor Bruno schon Minimalist_innen und viele davon hatten sicherlich mehr als einhundert Gegenstände. Da uns Extreme reizen und wir uns gerne selbst herausfordern, verschwand die 100 danach nicht mehr aus Minimalistenkreisen und machte sich auf den Weg auch in Deutschland bekannt zu werden. Weiterhin als besondere Herausforderung und nicht als Muss.

Was mich an dieser Challenge stört

Was mich an der 100-thing-challenge stört, auch wenn ich niemandem in sein persönliches Regelwerk hineinreden möchte, sind die vielen Ausnahmen, welche gemacht werden. Da lese ich Listen auf denen 20 T-Shirts einzeln aufgezählt sind, nur damit der Punkt Socken folgt. Socken sind ja mindestens zwei, aber da eine allein ihren Zweck nicht optimal erfüllt, will ich akzeptieren, dass man Sockenpaare als einen Gegenstand zählen möchte. Aber sechs oder sieben Paare als einen Gegenstand zählen? Natürlich, sie mögen alle identisch aussehen und keinen Charakter haben, wie dies bei Büchern, bedruckten Shirts oder Kleidern der Fall ist, aber deshalb sind sie nicht weniger Ding. In meinen weiteren Überlegungen, später werde ich dir dies näher erläutern, spielte Fahrradausrüstung eine wichtige Rolle und so amüsierte es mich in einer Liste Fahrradequipment als Punkt 99 und Skiequipment als Punkt 100 zu lesen. Als ambitionierter Radfahrer können sich versteckt hinter dieser Bezeichnung locker 10+ Gegenstände finden – Fahrrad, Radschuhe, Handschuhe, Helm, Flickzeug, Halstuch, Sonnenbrille, Radhose, Radtrikot, und weiteres technisches Equipment.

Übrigens hat auch niemand einen Kühlschrank. Dieser ist geteilter Haushaltsbesitz und gehört daher beiden, niemandem aber alleine, weshalb zwei Leute laut ihrer Listen keinen Kühlschrank besitzen, diesen aber dennoch in der Küche stehen haben. Wie gesagt, jeder möge sich sein Regelwerk selbst ausgestalten, aber meine mathematischen Kenntnisse aus der ersten Klasse kollidieren mit der Idee viele Dinge als eines zu deklarieren, insbesondere wenn das innerhalb einer Herausforderung stattfindet, in welcher es allein um die konkrete Anzahl an Gegenständen geht.

Was ich sagen möchte? Die 100, welche so oft im Raum steht, wenn es um Minimalismus geht, wurde nicht nur willkürlich gewählt, man kann durch individuelle Regelauslegung auch erreichen, dass 100=500 ist. Mach dir, insbesondere wenn du damit beginnen möchtest deinen Besitz zu reduzieren, keine Gedanken darüber, ob du es schaffen kannst deinen Besitz soweit zu reduzieren. Such dir dein eigenes Tempo und deine eigenen Regeln aus.

Wann die 100 things challenge sinnvoll ist

Schon verstanden Marc, du bist dagegen. Wenn ich es aber trotzdem versuchen möchte?

Wenn du dich an der Challenge versuchen willst, dann werde ich applaudierend an der Seitenlinie stehen und dich anfeuern. Sei dir nur vorher bewusst, warum genau du es tust.

  1. Du willst dich selbst herausfordern, dir deines Besitzes bewusst werden und schauen, wo deine Grenzen liegen? Hervorragend. Du hast eine großartige Möglichkeit gefunden all diese Wünsche umzusetzen!
  2. Du hast im Fernsehen diesen Michael gesehen, der 2000 CDs abgegeben hat und du möchtest ihn übertrumpfen und 2500 CDs abgeben? Die Leistungsgesellschaft treibt uns häufig zu einem höher, schneller, weiter, beginnend mit Sportfesten in der Schule und durch alle Ausbildungsstationen hindurchgehend. Minimalismus, ich hoffe dies vor einigen Wochen deutlich gemacht zu haben, ist kein Wettkampf, sondern ein Bewusstwerden der eigenen Wünsche bezüglich deines Alltages und deines Besitzes.
  3. Du hast Familie und Freunden begeistert von deinen ersten Schritten im Minimalismus erzählt und wie gut du dich schon durch die ersten Gedanken fühlst. Sie besuchen dich und fragen, warum du denn noch immer soviele Gegenstände hast und bezweifeln, dass du tatsächlich Minimalist_in bist. Gib nicht dem ersten Impuls nach es ihnen beweisen zu wollen und schmeiße im Rausch alles weg, was du besitzt. Nimm dir die Zeit und erläutere ihnen, was Minimalismus für dich bedeutet und warum es nicht gleichzusetzen ist mit der Menge an Besitz in deinem Haushalt.

100 Dinge? Ja, wenn du es möchtest! Nein, wenn du dich dazu gezwungen fühlst oder es jemandem beweisen willst!

Besitz und Identität

Die Frage, wie wir auf 100 Gegenstände in unserem Leben kommen, ist meines Erachtes ohnehin fehlgeleitet. Ja, als Minimalisten möchten wir dem Besitz eine weniger wichtige Rolle in unserem Alltag einräumen, aber bestimmte Dinge sind eben nicht nur irgendetwas, sondern Teil unserer Identität. Lass mich auf das Beispiel meines Fahrrads zurückkommen. Ich liebe es im Sommer aufs Rad zu gehen, den Fahrtwind in meinem Gesicht zu spüren und die Vögel in den umliegenden Wäldern zwitschern zu hören. Ohne diese Möglichkeit würde mir etwas fehlen, was seit vielen Jahren zu mir gehört. Ich möchte darauf in keinem Moment verzichten und schon gar nicht, um behaupten zu können 100 statt 110 Dinge zu besitzen.

Minimalismus bedeutet nicht Selbstaufgabe.

Ohne die Dinge, welche im Laufe meines Lebens besessen habe, wäre ich heute nicht hier. Sie haben auf irgendeine Weise dazu beigetragen, dass ich eines Tages gesagt habe: „Ja meinetwegen, machen wir halt diesen Minimadingsbums.“ Nicht jeder Gegenstand hat eine solche Wirkung auf unser Sein, aber bestimmte Dinge gehören dazu. Für mich mag es ein Fahrrad sein, für meinen Nachbarn der Plattenspieler, der ihn an seine DJ-Vergangenheit erinnert und für den alten Mann auf der Dortmunder Südtribüne seine hässliche Jeansjacke mit 90 Aufnähern. Es ist gar nicht unwahrscheinlich, dass du zu Dingen eine emotionale Bindung aufgebaut hast, die deinen Mitmenschen vollkommen irrational erscheint und auch wenn du es ihnen niemals erklären könntest, sind sie zu wichtig, um dem Druck nachzugeben, sie doch auch noch abzugeben, um irgendwie die magische 100-Dinge-Grenze zu erreichen.

100 Dinge – Alles, was du wissen musst.

100 – eine vollkommen willkürliche Zahl.
Dein Leben – deine Regeln, deine Geschwindigkeit, deine Entscheidung.
Minimalismus – was du fühlst, nicht was andere wollen, dass du es fühlst.

Danke für die Allgemeinplätze sadfsh, wäre ich überhaupt nicht drauf gekommen. Doch, wärst du und ich weiß das. Gelegentlich verlieren wir aber die Grundlagen aus den Augen, weil wir etwas ganz besonders toll machen wollen. So wie ich damals, als ich mich schon in der Rolle Leonardo Da Vincis sah und in der Schule eine 5 auf meinen Farbkreis bekommen habe.

Wie siehst du die Sache mit den 100 Dingen – großes Ziel oder unrealistischer Mythos? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

23 Kommentare zu “Warum du als Minimalist_in mehr als 100 Dinge besitzen darfst

  1. Ich schaue mir jetzt gleich erst das Video an, aber ich habe einen ziemlich unminimalistischen Freundeskreis, und von keinem von den „Außenseitern“ hab ich jemals dieses „Hast du auch nur noch 100 Dinge?“ gehört. Irgendwie lese ich das aber in beinah jedem Minimalismus-/Reduzier-Blog „Ich/Wir werde/n nie nur 100 Dinge besitzen.“
    Ist vielleicht mal was, wovon „die Szene“ sich frei machen müsste – denn je öfter wir betonen, dass wir das nicht wollen, dass es darum nicht geht, desto mehr rückt es ins Bewusstsein.

    • Hallo Sibylle,
      deinen Einwand kann ich sehr gut verstehen. Vielleicht überschätze ich auch die Anzahl an Menschen, die in entsprechenden Medien über ein reduziertes Leben lesen oder hören. Es fiel mir nur speziell Ende des Jahres bei meinem Interview aus, dass natürlich die Frage nach der Besitzmenge kam. Und in Interviews mit Michael kam natürlich die Frage nach der Menge an Besitz. Es klingt halt auch immer so dramatisch und aufregend, wenn man dem voranschiebt, dass der Durchschnittsdeutsche 10.000 Dinge besitzt und man jetzt die Möglichkeit hat jemanden zu sehen, der nur 1% dessen besitzt.

      Meine Intention war es vorallem denjenigen, die über diese Kanäle erstmals mit dem Minimalismus in Kontakt kommen, zu sagen, dass dieses mediale Bild nicht der einzig mögliche Weg ist. Ob ich eben diese Menschen ebenfalls erreiche, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

      Liebe Grüße
      sadfsh

      • Mein Kommentar war nicht als Kritik an deinem Beitrag gedacht – im Gegenteil finde ich das Video recht gut. Meine Sätze waren eher ein Aufruf (großes Wort, ich weiß) an diejenigen Leute, die schon „drin“ sind und jetzt das Wettrennen um höher-schneller-weiter genauso mitspielen, nur eben mit dem entgegen gesetzten Ziel. Ich habe im Moment in mehreren Blogs den Eindruck, dass es den Autoren darum geht, sich zu übertrumpfen; nicht so sehr in möglichst kleinen Besitzzahlen, sondern vor allem auch im Bereich Ernährung – man isst nur vegan, nur regional, nur saisonal, nur x, und vor allem natürlich „ohne Zucker“ 😉 An diese Beobachtung habe ich mit meinem Kommentar also angeknüpft – hätte ich vielleicht dazu schreiben sollen. Keep up the good work!

  2. Hallo Sadfsh, ich lese schon lange bei euch beiden still mit und habe schon einige Anregungen daraus für meinen eigenen „minimalistischen“ Versuch bekommen. Erst mal danke dafür!
    Ich finde diese Zahl 100 ziemlich amüsant. Als ob man ein bewusstes und zurückhaltendes Umgehen mit Konsum und mit Dingen an einer Zahl festmachen könnte – das reizt mich irgendwie eher zum Lachen als zum Nachahmen. Auch dieses Wettbewerbsdenken, das du ja auch ansprichst, das häufig dahintersteckt, gefällt mir nicht. Man liest nicht selten in irgendwelchen Minimalismusbeiträgen, dass jemand fast gar nichts mehr hat, ohne fast alles auskommt, keine Bücher mehr liest, und weiß ich was alles noch, und der Stolz, der daraus spricht, besser sprich noch minimalistischer als die anderen zu sein, ist manchmal sehr unverhohlen zwischen den Zeilen zu lesen und herauszuspüren. Genauso demotivierend finde ich persönlich diesen Wegschmeiß- und Ausmistwettbewerb, wo es darum geht, möglichst viele Dinge „auszumisten“ sprich in die Tonne zu kloppen. Es entzieht sich mir immer noch, warum es Sinn machen soll, z.b. alle Plastik- und Kunststoffteile im Haushalt wegzuwerfen, dann loszurennen, um sich alles aus Holz und Edelstahl etc. neu zu kaufen, und dann mit stolzgeschwellter Brust zu behaupten, man lebe plastikfrei und leiste damit einen wichtigen Beitrag, um sich selbst, Ozeane, Tiere und Umwelt vor den Gefahren des Plastiks zu schützen. Dass man gerade den Plastikmüllberg mit einem großen Müllhaufen zusätzlich vergrößert hat, kommt den Leuten dabei nicht in den Sinn. Oder seine Plastikteile an andere Menschen „entsorgt“ hat, die sich ja gerne damit krankmachen dürfen, wenn sie es unbedingt möchten.

    In meinen Augen ist minimalistisches Leben ein möglichst bedachter und bewusster Umgang mit den Ressourcen und mit den Dingen, die wir kaufen, konsumieren und mit denen wir uns umgeben. Brauche ich das, woraus besteht es, wie wird es hergestellt, was trage ich zu welchem Mißstand bei, wenn ich es kaufe, kann ich etwas noch länger benützen, kann ich es upcyceln oder recyceln, und last but not least: muss ich es unbedingt wegwerfen, „ausmisten“, wenn ich es nicht mehr will oder brauche? Schon allein das Wort „ausmisten“ mißfällt mir persönlich. Man deklariert damit Gegenstände, die von anderen hergestellt wurden, für die Resscourcen verbraucht wurden und nicht selten auch Menschen ausgebeutet oder krankgemacht werden, als „Mist“. Sowas mag ich nicht. Das ist in meinen Augen kein bedachter und sorgfältiger Umgang mit Dingen, und schon gar kein respektvoller Umgang mit den Menschen und deren Mühe (und Preis, den sie dafür zahlen!), die das Ding hergestellt haben.

    Das sind halt so meine Gedanken dazu. Ich stimme dir völlig bei: Minimalismus sollte kein Wettbewerb sein, und ich habe auf eurer Seite schon tolle Anregungen gelesen, was man mit Dingen, die man nicht mehr haben will, machen kann – statt sie „auszumisten“ und wegzuwerfen. Sowas motiviert mich mehr als jeder 100-Dinge-Wettlauf. 🙂

    • Guten Morgen Ronja,
      vielen Dank für die viele Mühe, die du dir gemacht hast. Es freut uns ungemein, wenn wir in der Vergangenheit haben Motivation liefern können und hoffen das hin und wieder wiederholen zu können : )

      In etwas anderem Zusammenhang stand ich auch einmal vor der Frage, ob ich etwas wegtue, um es besser zu machen. Damals ging es um Schuhe und Portemonnaie, nachdem ich Veganer geworden bin, aber meine Lederschuhe sind seit Jahren in einem absoluten Topzustand (okay, ich hab kürzlich einen Schnürsenkel durchgerissen) und sie wegzutun wäre dumm. Einfach nur dumm. Eine vegane Alternative in der Qualität könnte ich mir derzeit einfach auch nicht leisten, selbst wenn ich sie finden würde. Sowohl bei den Schuhen als auch deinem Beispiel der Plastikteile stimme ich dir vollkommen zu, dass man solche Dinge, da sie nunmal in Gebrauch sind, in jedem Fall solange benutzt werden sollten, bis sie wirklich ersetzt werden müssen. Vielleicht bricht eine Kleinigkeit ab, eventuell hat man einen sadfsh, der einen Plastikgegenstand zu nah am heißen Herd stehen lässt – in diesen Situationen, wenn eine Neuanschaffung unabdingbar ist, bin ich absolut dafür sich nach einer nachhaltigen und langlebigen Variante umzusehen, aber im „laufenden Betrieb“ Änderungen durchzuführen ist fragwürdig.

      „Mist“ ist ja nicht nur Abfallprodukt, sondern erlaubt vielen Pflanzen das Wachsen, aber ich verstehe deine Kritik am Begriff des Ausmistens. Mir scheint, dass die Tätigkeit des Abgebens unabhängig von der Art – Verkauf, Tausch, Müll – mittlerweile so bezeichnet wird und die Wortgrundlage gar keine so große Bedeutung mehr besitzt. Aber natürlich wäre es schöner, wenn wir ein gleichermaßen einfach und schnell von der Zunge gehendes Wort verwenden würde, welches keine negative Konnotation enthält. In meinen nächsten Beiträgen und Videos versuche ich diesbezüglich mal etwas achtsamer zu sein, denn ich erkenne, dass es daran manchmal etwas fehlen könnte.

      Danke und einen schönen Tag
      sadfsh

      • Stimmt, Mist kann auch durchaus eine positive Bedeutung haben. Vielleicht hänge ich zu sehr am Wort fest. Mir gefällt „Aussortieren“ zum Beispiel viel besser. Das ist neutral und meint genau den Vorgang, der damit verbunden ist.
        Dir auch einen schönen Tag und ich freue mich auf die nächsten Beiträge von dir und Apfelmädchen!
        Ronja

  3. Hallo!

    Wundervoller Beitrag! Ich selbst werde vermutlich nie lediglich 100 Dinge besitzen, auch wenn ich weiß, dass ich mit so wenig leben könnte. Das habe ich für einige Zeit schon gemacht, dazu muss ich nicht alles hergeben.

    lg
    Maria

  4. Hey,

    ich frag mich immer, wer bitte Lust hat, seine ganzen Dinge zu zählen! 😀

    Geht es nicht eigentlich um Freiheit? Mir zumindest. Ich erleg mir doch da keine Regeln auf! ^^
    Was ich gerne nutze, bleibt, was nicht, vielleicht nicht, egal wie viel Herr Meier von nebenan besitzt.

    Und ganz ehrlich, wer sich für seine 110 Dinge rechtfertigen muss, ist auch nicht glücklich. Und wer Dinge weg gibt, die er liebt und gerne behalten hätte, auch nicht. Man sollte da bitte einfach in einem gesunden Rahmen bleiben, der einen glücklich macht.. warum macht man das sonst?

    Liebe Grüße,
    Ronja

    • Hallo Ronja,

      mir fällt das in den diversen Interviews immer wieder auf, insbesondere bei Michael, der gefühlt alle 2 Wochen beantworten muss, wieviel er denn noch besitzt. Also ich hab einmal unsere Bücher gezählt, weil es mich selbst interessiert hat, wie gut meine Schätzungen in dem Bereich sind, aber selbst wenn ich nichts zutun habe, stelle ich mich doch nicht hin und zähle die Menge an Bildern, die in der Wohnung stehen oder die genaue Besteckanzahl in den Schubladen. Da bin ich natürlich schon wieder in Bereichen, die in vielen dieser 100-Dinge-Listen nicht auftauchen, aber für mich zählt es dazu.

      Deinem letzten Absatz kann ich nur zustimmen! Absolut richtig.

      Liebe Grüße
      sadfsh

  5. Hallo!

    Inzwischen habe ich das Video auch angesehen, ja, was mir mein Strickzeug ist Dir Dein Fahrrad 😀

    lg
    Maria

  6. Moin,
    super Beitrag!
    Bei dem 100 Dinge Dings sind wir schon raus wenn ich unsere Dvd Sammlung nehme *lach….. ca. 150 Stück schätze ich, zum zählen bin ich zu faul. Meine Bücher übersteigen auch die mystische 100 locker, dann noch meine Fotoausrüstung und die ganzen Dinge um zu Stricken zu Nähen und auch die umfangreiche Werkzeugkiste (zählt man da die Schrauben und Dübel und Nägel eigentlich einzeln? *schmunzel…) da hätten Herr Aurelia und ich echt Probleme als 100 Dinge „echte Minimalisten“ zu gelten. Nee nee für uns ist es wichtig das alles was wir haben zu unserem Wohlbefinden beiträgt. Wir freuen uns das wir vieles reduziert haben und es luftiger geworden ist in unserer Wohnung, man sich wohler fühlt weil man mehr Platz hat. Denn das ist für uns der Sinn hinter unserem Minimalismus das wir uns wohlfülen mit unseren Sachen und nicht verknittert und verbissen durch die Gegend schleichen um eine Norm zu erfüllen. Wir waren schon immer Rebellen was Normen und Schubladendenken angeht da fangen wir jetzt bestimmt nicht damit an 🙂
    Was Ronja schreibt da finde ich mich auch sehr stark wieder, grad wenn es um das aussortieren von noch funktionsfähigen Plastiksachen geht. Warum den Berg an Müll vergrößern und noch mal Ressourcen verschwenden wenn ein Plastikgegenstand noch einwandfrei funktioniert? Das hatte ich auch schon mal in einem Blog bei mir geschrieben wie ich darüber denke.

    Liebe Grüße
    Aurelia

    • Hallo Aurelia,
      wir sind auch mit den Büchern schon locker darüber, aber wie ihr haben auch wir mit der Zeit ein immer größeres Freiheitsgefühl verspürt. Dieses muss man glaube ich erleben, damit man es versteht und vielleicht ist es für nicht-Minimalisten am einfachsten sich dieses ungefähr vorzustellen, wenn sie ihre Wohnung in Gedanken nur mit 100 oder 200 Dingen einrichten.
      Das Gefühl kam bei mir bestimmt auch erst nach 1-2 Monaten das erste Mal auf und auch da nur, weil wir relativ schnell mit vielen Dingen begonnen haben. Schade, dass auch ich es nicht so gut kommunizieren kann, wie sich das anfühlt, sonst würde es einen tollen Hinweis abgeben, um Interessierten zu sagen, dass sie auf einem tollen Weg sind.

      Liebe Grüße
      sadfsh

  7. Hi!
    Ich habe meine Sachen auch noch nie gezählt, aber bei meinem vollen Bücherregal bin ich eh weit über die 100 hinaus. Was ja auch total egal ist, solange man sich wohlfühlt. Wenn bei uns etwas kaputt geht überlegen wir genau, ob wir es dringend brauchen: wenn nicht wird es einfach nicht nachgekauft, wenn ja, schauen wir uns nach einer plastikarmen Alternative um. Man muss ja nicht unbedingt noch mehr Müll auf der Welt produzieren, als es ohnehin schon gibt 🙂
    Toller Beitrag auf jeden Fall.
    Liebe Grüße

    • Hallo Sarah,
      wir stimmen dir vollkommen zu. Vielleicht hast du ja Lust beim #müllfasten mitzumachen und ein paar Wochen genauer darauf zu achten, an welchen Stellen wir für uns noch Verbesserungspotenzial finden? Mehr dazu sollte heute Abend auf dem Blog erscheinen, Svenja hat einen ganz großartigen Beitrag dazu vorbereitet. (*spannungerzeug*)
      Liebe Grüße
      sadfsh

  8. Hi Marc,
    super Beitrag.
    ich hab auch so einen Grund warum die 100 Dinge für mich völlig illusorisch sind: Meine Ponys. Aufgrund der Tatsache, dass ich die in Eigenregie halte und sich unter meinen derzeit,z 4 Ponys auch 2 altgewordene Gnadenbrotpferde befinden, die ich natürlich auf gar keinen Fall „minimalisieren“ werde, nur weil ihr „Gebrauchsnutzen“ als Reitpferde nicht mehr gegeben ist, hab ich allein an Pferdeequipment locker 100 Dinge. Allerdings hab ich meine Sattelkammer gerade entrümpelt und festgestellt, dass da auch Dinge entbehrlich geworden sind. Da die alte Stute definitv nicht mehr reitbar ist, trenne ich mich gerade von ihrem Reitzubehör.

    Viel wichtiger als die Zahhlenspielerei finde ich aber ohnehin die mit dem Reduzieren einhergehende Bewusstseinsschärfung, was einem wirklich wichtig ist.
    Da bringt mich die Beschäftigung mit dem Thema wirklich weiter. Sowohl in der Entscheidung, was gehen kann – als auch in der Entscheidung was bleibt und mindestens genauso in den Entscheidungen, was ich noch neu reinlasse in meinen Haushalt.
    Liebe Grüße
    Astrid

    • Hallo Astrid,
      nach dem zweiten Punkt hat mein Kopf für eine Sekunde gehofft, dass du vielleicht 100 Ponys hast und diese nicht wegminimalisieren möchtest. So sinds nur sechs, was ja auch schon eine ganz stolze Zahl ist, insbesondere wenn du dich auch um einige Tiere kümmerst, die wirtschaftlich ihren Nutzen für andere Menschen verloren hätten und vielleicht sogar eher als Belastung wahrgenommen werden. Ich verneige mich dafür vor dir.
      Danke für das Lob und einen wunderschönen Tag
      sadfsh

  9. So gut!

    Das ist ein wunderbares Video. Mir gefällt eure ausdifferenzierte Sicht auf den Minimalismus. Gelacht habe ich beim Vergleich mit dem „Bulemie-Lernen“. Vielleicht habt ihr jetzt den Begriff „Bulemie-Minimalisten“ geprägt.

    Herzlich,

    die Frau Momo / Barbara

    • Huhu Frau Momo,
      nach dem Miniplausch von gestern Abend wollen wir als nächstes erstmal versuchen den Begriff „ökig“ zu popularisieren. Im Nachhinein mag ich meinen Vergleich immernoch, glaube aber, dass sich im Internet schnell der Kontext verliert und nicht optimal gewählt war. Dazu kommt ja auch, dass es wirklich nur funktioniert, wenn man aus einer Drucksituation alles rausschmeißt. Man kann ja auch sehr bewusst ein sehr hohes Tempo beim Reduzieren haben. Trotzdem freue ich mich sehr dir ein paar unterhaltsame Minuten geschenkt zu haben, wollte mich nur in dem Atemzug noch ermahnen achtsam mit meinen Worten umzugehen : )
      Liebe Grüße
      sadfsh

  10. Hallo Ihr Lieben,

    seit einiger Zeit lese ich nun Euren Blog und lese Eure Gedanken und Erlebnisse immer mit sehr viel Interesse.
    Diesen Zwang von vielen Leute immer für alles ein direkte Definition zu finden, finde ich auch sehr anstrengend. Zumal Besitz ja auch etwas ist, was sich über Jahre ansammelt. Für mich geht es beim Minimalismus auch viel mehr um den Gedanken, sich überlegt etwas anzuschaffen und wieder Gefallen an einer reduzierten Lebensweise zu finden.
    Seitdem ich weniger kaufe, geht es mir in jedem Fall deutlich besser und ich fühle mich viel freier als vorher.

    Beste Grüße aus dem Ruhrgebiet,
    Jana

    worteplustaten.wordpress.com

  11. Sehr erfrischend! Ich bin begeistert. 🙂

  12. Für mich ist die Idee, den Besitz auf 100 Dinge zu minimalisieren, nichts weiter als ein Wettbewerb. Und somit nicht mein Ding. Genau wie ihr finde ich es lächerlich, Socken als ein Teil zu zählen, Shirts aber etwa nicht. Oder alles einzeln, bis auf die Briefmarkensammlung.

    Minimalismus heisst für mich im Moment mir Dinge, die ich schon immer minimalistisch gehalten habe, bewusst zu werden und somit besser zu pflegen. Aus: Wer will schon immer erreichbar sein im Beruf? Ich nicht! wird: Ich brauche fixe Ruhezeiten, um meine Arbeit gut erledigen zu können. Wie finde ich so eine Stelle, die mich erfüllt? Oder, bisher: Ich wohne in der Stadt und komme auch ohne Auto aus. Neu: Ich bin ein Stadtmensch und lebe so, dass ich ohne eigenes Auto auskomme. Ich will auch künftig keines besitzen.

  13. Ja, die Medien stürzen sich natürlich auf die Extreme, nur das ist für die interessant…. und bei „diesem Michael“ haben sie eben ein Extrem gefunden. ( Ich glaube übrigens, dass er ein ehrlicher Minimalist ist, er wirkt bei dieser Frage auch eher genervt….)
    Ich versuche auch seit einiger Zeit minimalistisch zu werden, der Begriff lief mir aber erst vor ein paar Monaten über den Weg. Ich habe zum Beispiel von letztem Jahr Oktober bis vor vier Wochen in einer Ecke meines Schlafzimmers immer mehrere Umzugskarton stehen gehabt, mit ausrangiertem Zeug. In der Zeit habe ich die Dinge teilweise gespendet, repariert, bin auf Kleidertauschpartys gegangen,auf Flohmärkten oder Ebay verkauft und die Dinge, die wirklich keiner wollte auf dem Recyclinghof entsorgt. Da war richtig harte Arbeit, und die Langsamkeit dabei hat mich genervt…. Ich habe vielleicht 10 Umzugskisten tatsächlich aus der Wohnung entsorgt…. und vielleicht von 10000 Dingen auf 7500 reduziert ( je nach Zählweise…… aber zählen werde ich sicher nicht 🙂 ) Ich habe immer noch den Drang mehr zu reduzieren, kann aber momentan nicht…. gönne mir eine Pause. Ich will nicht weiter reduzieren, um anderen etwas zu beweisen, sondern fühle mich von dem Zuviel erdrückt…. obwohl schon vor mehreren Jahren ein Freund beim ersten Besuch in meiner Wohnung gemeint hat: „Du hast aber wenig!“ ( übersetzt aus dem Englischen, weiß nicht genau wie er das gemeint hat….) Er hat allerdings auch nicht die Schränke aufgemacht… Ich bin mir einfach nicht mehr sicher was das richtige Maß ist. Und Dinge, die ich früher einfach im Übermaß gekauft habe, brauchen ein vielfaches der Zeit, um die Wohnung wieder zu verlassen.
    Vielleicht ist das auch eine Krankheit….. ein seelischer Druck, der gar nicht endet, wenn ich wirklich wenig habe?….
    Nun ja , noch habe ich in dem Tempo einige Jahre bis ich an ein Zahl wie 1000 Dinge überhaupt käme ( ist auch nicht mein Ziel!).
    Ich gebe euch mal ein Beispiel vielleicht kennt ihr die Lösung. Mir gehen zwei Dinge in meinem Haushalt nicht aus dem Kopf, die ich gerne „weg“ hätte, aber mich nicht durchringen kann.
    1. Bügeleisen wird weniger als einmal im Jahr benutzt… das letzte Mal, um Wachs aus dem Teppich zu bekommen.
    Die wenigen Dinge, die gebügelt werden müssen, gebe ich immer noch meiner Mutti (78).
    2. Der Handmixer, genauso selten benutzt, wie das Bügeleisen, noch dazu kann ich Sahne mit dem Schneebesen schlagen und Teig mit der Hand kneten….
    Wieso kann ich mich nicht trennen? Wieso kann ich aber, wenn ich mich nicht trenne das dann auch nicht gut sein lassen und muss immer wieder daran denken? Das ist doch krank, oder?
    Hier habe ich echt keine Lösung gefunden.
    Für meine Unmenge an Socken und Unterhosen habe ich jetzt eine Lösung gefunden.
    Ich habe in meinen Schrank zwei LEERE Schuhkartons gestellt, einmal für Socken einmal für Unterhosen.
    Nur die Socken und Unterhosen, die in der Wäsche waren kommen in diese Kartons, bevor ich aus meinen alten Fundus etwas nehme muss ich in den Karton schauen, ob nicht was passendes dabei ist. So bekomme ich bald ein Gefühl wie viel für meinen Lebenswandel (diverse Sportarten und Waschgewohnheiten) tatsächlich nötig sind OHNE, dass ich einen Mangel verspüre….. natürlich könnte ich auch einfach eine eine Zahl x reduzieren und im Notfall nachkaufen….. aber macht doch auch keinen Sinn zwecks Nachhaltigkeit
    Sorry, der Kommentar ging in eine völlig andere Richtung als ich eigentlich wollte…..

    • Hallo Mini-T,

      bin zeitlich grad etwas eingespannt, da nur schnell etwas, was mir sehr wichtig ist: „Dieser Michael“ ist ein ganz großartiger Freund von uns und ich wollte ihn eher spaßeshalber als Beispiel einbringen. Seinen Blog kennst du sicherlich, aber wenn nicht, dann schau ruhig einmal vorbei.

      Auf den Rest versuche ich zeitnah einzugehen. Erstmal einen ganz großartigen Sonntagabend
      Marc (sadfsh)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.